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Die meisten Fehlkäufe bei AV-Receivern passieren nicht beim Klang, sondern bei der Zahl auf dem Karton. Ein 9.4-Gerät klingt nach mehr Kino als ein 7.2-Gerät, nützt aber wenig, wenn im Wohnzimmer nur Platz für fünf Boxen und zwei Deckenlautsprecher ist. Für die typische Wohnung mit 5.1.2 halten wir den Denon AVR-X2900H DAB für den vernünftigsten Kauf, weil er sieben Endstufen, eine spätere Dirac-Einmessung und zwei HDMI-Ausgänge mitbringt. Wer weniger ausgeben will, kommt mit dem Denon AVR-X1800H gut zurecht. Was hinter den Begriffen steckt, erklären wir der Reihe nach.
Was die drei Zahlen bei 5.1.2 und 7.2.4 bedeuten
Die Schreibweise stammt von Dolby. Die erste Zahl zählt die Lautsprecher auf Ohrhöhe, die zweite den Tieftonkanal, die dritte die Höhenlautsprecher. 5.1.2 heißt also: Front links und rechts, Center, zwei Surround-Boxen, Subwoofer und zwei Lautsprecher oben. Bei 7.1.4 kommen zwei hintere Surround-Boxen und zwei weitere Höhenkanäle dazu. Steht auf einem Gerät „.2“ oder „.4“ an zweiter Stelle, hat es zwei oder vier Subwoofer-Ausgänge. Dolby erzeugt laut seinen Aufstellungsrichtlinien trotzdem nur ein einziges Effektsignal für den Tiefton; mehrere Subwoofer verteilen den Bass gleichmäßiger im Raum, mehr Kanäle sind es nicht.
Entscheidend ist der Unterschied zwischen Endstufen und Verarbeitung. Ein Receiver kann mehr Kanäle berechnen, als er selbst antreibt. Der Denon AVC-X3900H hat neun Endstufen, verarbeitet laut Hersteller aber 11.4 Kanäle und gibt alle als Vorverstärker-Ausgänge heraus. Mit einer zusätzlichen Stereo-Endstufe wird daraus ein 7.1.4-System. Beim AVR-X2900H DAB sind es sieben Endstufen und sieben verarbeitete Kanäle. Mehr als 5.1.2 oder 7.1 ist hier nicht drin, egal was man nachrüstet.
Klingt nach Kleinkram. Ist es nicht.
Höhenkanäle: Decke ausmessen, bevor Sie Kanäle kaufen
Ob sich Dolby Atmos und DTS:X lohnen, entscheidet der Raum. Dolby empfiehlt für Deckenlautsprecher einen Höhenwinkel von 45 Grad vom Hörplatz aus, zulässig sind 30 bis 55 Grad. Die Boxen sollen zwei- bis dreimal so hoch hängen wie die Lautsprecher auf Ohrhöhe, die Dolby mit typisch 1,2 Metern ansetzt. Aufsatz-Lautsprecher, die nach oben abstrahlen, brauchen eine flache, schallharte Decke zwischen 2,3 und 4,3 Metern; am besten funktionieren sie laut Dolby bis 3,66 Meter. Unter einer Dachschräge oder einer Holzbalkendecke mit Akustikplatten ist das Ergebnis ungewiss. Außerdem sollen diese Lautsprecher mindestens 0,9 Meter, besser 1,5 Meter vom nächsten Hörplatz entfernt stehen.
Daraus folgt eine einfache Regel. In einem Wohnzimmer mit Sofa an der Rückwand fehlt oft der Platz für hintere Surround-Boxen, und 5.1.2 ist das sinnvolle Ziel. Wer einen eigenen Heimkinoraum mit freier Decke hat, plant 7.1.4 und kauft ein Gerät mit mindestens elf verarbeiteten Kanälen. Alles dazwischen ist oft Geld für Anschlüsse, die nie belegt werden.
HDMI 2.1 und eARC: wo die Konsole hingehört
Seit HDMI 2.1 laufen 4K mit 120 Hertz und 8K mit 60 Hertz durch den Receiver. Für Spielkonsolen zählen VRR (variable Bildrate gegen Ruckeln und Bildrisse), ALLM (der Fernseher schaltet automatisch in den latenzarmen Modus) und QFT (schnellere Bildübertragung). Für bis zu 48 Gbit/s hat das HDMI Forum mit HDMI 2.1 eigene Ultra-High-Speed-Kabel eingeführt. Kommt 4K120 nicht an, ist ein altes Kabel aus der Schublade ein typischer Grund.
Prüfen Sie außerdem, welche Eingänge die schnellen Signale annehmen. Bei den beiden kleineren Denon-Modellen und beim Marantz Cinema 70s sind nur drei von sechs Buchsen 8K-fähig, beim Yamaha RX-V6A die Eingänge 1 bis 3. Konsole, schneller PC und 4K-Player gehören dorthin, der Kabelreceiver an einen der übrigen Eingänge.
eARC ist die Rückleitung vom Fernseher zum Receiver. Damit kommt der Ton der TV-Apps in voller Qualität an; Denon nennt für seine eARC-Ausgänge ausdrücklich Dolby TrueHD, DTS-HD Master Audio und Dolby Atmos. Das klappt aber nur, wenn auch der Fernseher eARC an mindestens einer Buchse unterstützt. Hängt dort nur das ältere ARC an, bleibt es bei komprimiertem Ton. Wie Sie das am Fernseher erkennen, steht in unserem Ratgeber zu OLED-Fernsehern. Und wer mit dem Gedanken an einen Projektor spielt: Der zweite HDMI-Ausgang des X2900H DAB versorgt Fernseher und 4K-Beamer ohne Umstecken.
Einmessen: Audyssey, YPAO, Dirac Live
Denon und Yamaha legen ein Messmikrofon bei. Die Automatik misst Abstände, Pegel und Raumresonanzen und rechnet sie heraus. Denon und Marantz setzen auf Audyssey MultEQ XT, das beim X1800H bis zu acht Hörpositionen auswertet. Yamaha nennt sein System YPAO.
Als Alternative gibt es Dirac Live. Der X2900H DAB und der AVC-X3900H sind laut Denon dafür vorbereitet, das Upgrade ist aber nicht im Lieferumfang enthalten. Im Altbau mit hallendem Dielenboden kann sich das auszahlen, im möblierten Wohnzimmer bringt die Audyssey-Messung schon viel. Messen Sie in Ruhe und mit dem Mikrofon auf Ohrhöhe, sonst rechnet die Automatik mit falschen Werten.
Lautsprecher mit 4 Ohm und der versteckte Schalter
Viele Standlautsprecher haben eine Nennimpedanz von 4 Ohm, die Receiver kommen aber auf 8 Ohm eingestellt aus dem Werk. Denon erlaubt laut Anleitung 4 bis 16 Ohm, verlangt bei 4 oder 6 Ohm aber die passende Einstellung im versteckten Gerätemenü. Beim Yamaha RX-V6A sind 4 Ohm nur an den Frontkanälen zugelassen, alle anderen Boxen brauchen mindestens 6 Ohm, und der Schalter steht dann auf „6Ω MIN“. Wer die Einstellung vergisst, riskiert, dass die Schutzschaltung bei hoher Lautstärke abschaltet.
Die Wattzahlen auf dem Karton helfen beim Vergleich kaum, weil jeder Hersteller andere Bedingungen wählt. Aussagekräftig ist nur der Wert bei 8 Ohm, 20 bis 20.000 Hertz und zwei angetriebenen Kanälen. Den haben wir in der Tabelle übernommen.
Streaming und Stromverbrauch im Alltag
Denon und Marantz bringen HEOS mit, Yamaha MusicCast. Das sind jeweils geschlossene Welten: Multiroom klappt am bequemsten mit Lautsprechern derselben Familie, etwa aus unserem Soundbar-Ratgeber oder passenden Funkboxen. Beim X1800H und beim Yamaha steht AirPlay 2 im Datenblatt, beim Marantz AirPlay. Wer Musik vom Android-Telefon gewohnt per Chromecast schickt, sollte vor dem Kauf genau nachsehen. Die Hersteller setzen hier vor allem auf ihre eigenen Apps.
Beim Strom lohnt der zweite Blick. Im echten Standby sind alle Modelle sparsam, Denon und Yamaha geben 0,1 Watt an. Mit aktiviertem Netzwerk-Standby, damit die App das Gerät wecken kann, sind es bei Denon unter 2 Watt und beim Yamaha 2,0 Watt. Mehr fällt der Leerlauf ins Gewicht: Der X2900H DAB zieht ohne Ton laut Datenblatt 35 Watt mit und 75 Watt ohne ECO-Modus. Läuft der Receiver vier Stunden am Tag nebenher, sind das rund 58 Kilowattstunden im Jahr Unterschied. ECO also einschalten.
Fünf aktuelle Receiver im Vergleich
| Modell | Endstufen / Verarbeitung | HDMI und Video | Einmessung, Streaming | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|---|
| Denon AVR-X1800H | 7 × 80 W (8 Ω), bis 5.2.2 | 6 Ein (3 × 8K), 1 Aus mit eARC; 4K120, VRR, ALLM, QFT | Audyssey MultEQ XT; HEOS, AirPlay 2 | Einstieg in 5.1.2 im Wohnzimmer | ansehen |
| Denon AVR-X2900H DAB | 7 × 95 W (8 Ω), 7.1 Kanäle | 6 Ein (3 × 8K), 2 Aus (1 × eARC); 4K120, VRR, ALLM | Audyssey MultEQ XT, Dirac Live vorbereitet; HEOS | 5.1.2 mit Fernseher und Beamer | ansehen |
| Denon AVC-X3900H | 9 × 105 W (8 Ω), 11.4 Kanäle mit Vorverstärker-Ausgängen | 6 Ein (8K), eARC; VRR, ALLM | Audyssey, Dirac Live vorbereitet; HEOS, Auro-3D | Heimkinoraum mit 7.1.4 | ansehen |
| Marantz Cinema 70s | 7 × 50 W (8 Ω) | 6 Ein (3 × 8K), 1 Aus mit eARC | Audyssey MultEQ; HEOS, AirPlay | Flaches Gerät für das Sideboard | ansehen |
| Yamaha RX-V6A | 7 × 100 W (8 Ω) | 7 Ein (8K an 1–3), 1 Aus mit eARC; 4K120 | YPAO; MusicCast, AirPlay 2 | Haushalte mit Yamaha-Multiroom | ansehen |
Denon AVR-X1800H
Der günstigste Weg zu 5.2.2 bei Denon. Sieben Endstufen, AirPlay 2 und eine HDMI-Ausstattung, die laut Datenblatt 4K120, VRR, ALLM und QFT abdeckt. Es gibt nur einen HDMI-Ausgang. Für ein Wohnzimmer mit einem Fernseher genügt das, für Fernseher plus Beamer nicht.
Denon AVR-X2900H DAB
Unsere Empfehlung für die meisten Wohnzimmer. Gegenüber dem X1800H kommen ein zweiter HDMI-Ausgang, ein Phono-Eingang für Plattenspieler mit MM-System und die Vorbereitung für Dirac Live dazu. Wer später mit einer externen Endstufe auf mehr Kanäle gehen möchte, ist hier falsch: Der Receiver verarbeitet nur 7.1 Kanäle.
Denon AVC-X3900H
Ab hier wird es ein Heimkinogerät. Neun eigene Endstufen reichen für 5.1.4 oder 7.1.2, die Vorverstärker-Ausgänge für 11.4 machen 7.1.4 mit einer Zusatzendstufe möglich. Vier unabhängige Subwoofer-Ausgänge helfen in großen Räumen. Im Leerlauf ohne Ton nennt Denon 60 Watt mit ECO, deutlich mehr als bei den kleineren Modellen.
Marantz Cinema 70s
Der Marantz gehört zur flachen Baureihe des Herstellers und passt in Möbel, in denen ein normaler Receiver nicht unterkommt. Mit 50 Watt pro Kanal ist er für kleinere Räume und wirkungsgradstarke Lautsprecher gedacht. Marantz führt die Erstausgabe nur noch als begrenzten Vorrat, der Nachfolger Cinema 70s Serie 2 ist für Dirac Live vorbereitet.
Yamaha RX-V6A
Sieben HDMI-Eingänge sind in dieser Klasse viel. Die Einrichtung des Netzwerks läuft über die MusicCast-App, was für Haushalte mit Yamaha-Lautsprechern bequem ist. Achten Sie auf die Impedanz: Nur die Frontboxen dürfen 4 Ohm haben.
So würden wir entscheiden
- Wohnzimmer, ein Fernseher, 5.1 oder 5.1.2: Denon AVR-X1800H.
- Wohnzimmer mit Fernseher und Beamer oder mit Plattenspieler: Denon AVR-X2900H DAB.
- Eigener Kinoraum mit freier Decke und Plan für 7.1.4: Denon AVC-X3900H mit einer Stereo-Endstufe.
- Wenig Höhe im Lowboard: Marantz Cinema 70s, solange er noch erhältlich ist.
- Yamaha-Lautsprecher mit MusicCast im Haus: Yamaha RX-V6A.
- Sonos im Haus: Keiner der fünf spricht Sonos direkt an. Onkyo bindet einige Receiver laut Hersteller über einen Sonos Port ein; prüfen Sie dann das aktuelle Angebot.
Ein Wort zum Schluss. Mehr Kanäle machen keinen besseren Film, gut aufgestellte Lautsprecher schon. Investieren Sie im Zweifel lieber in den Subwoofer als in Endstufen, die leer bleiben.
Quellen
- Denon AVR-X1800H, Herstellerseite
- Denon AVR-X2900H DAB, Herstellerseite
- Denon AVC-X3900H, Herstellerseite
- Denon AVR-X2900H, Bedienungsanleitung: Lautsprecher anschließen
- Marantz Cinema 70s, Herstellerseite
- Marantz Cinema 70s Serie 2, Herstellerseite
- Yamaha RX-V6A, Bedienungsanleitung: Technische Daten
- Yamaha RX-V6A, Bedienungsanleitung: Anforderungen an Lautsprecher
- Dolby Atmos Home Theater Installation Guidelines (PDF)
- HDMI Forum: HDMI-Spezifikation
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