Inhalt11 Abschnitte
Ein MIDI-Keyboard macht keinen einzigen Ton. Es schickt nur Befehle an die Musiksoftware, und genau deshalb entscheidet beim Kauf nicht der Klang, sondern wie gut Tasten, Regler und Software zusammenspielen. Für die meisten Homestudios ist ein Modell mit 49 Tasten, Pads und fertiger DAW-Anbindung wie das Novation Launchkey 49 MK4 der vernünftige Mittelweg. Wer unterwegs produziert, greift kleiner. Wer Klavier spielt, braucht mehr Tasten.
Wie viele Tasten brauche ich wirklich?
Rechnen Sie in Oktaven. 25 Tasten sind gut zwei Oktaven, 37 Tasten drei, 49 Tasten vier und 61 Tasten fünf. Für Basslinien, Drums und einzelne Melodien reichen zwei Oktaven völlig, weil sich der Tonbereich per Knopf verschieben lässt. Sobald Sie aber mit links Akkorde und mit rechts eine Melodie spielen wollen, wird es mit 25 Tasten eng. Ab 49 Tasten haben beide Hände Platz.
Oft scheitert es am Schreibtisch. Das Launchkey 49 MK4 ist laut Novation 73 cm breit, das M-Audio Keystation 61 MK3 laut Hersteller 99,5 cm. Vor einem Monitor mit Computertastatur bleibt dann oft kein Platz mehr. Messen Sie also zuerst die freie Fläche, dann wählen Sie die Tastenzahl.
Klavierspieler sollten ehrlich bleiben. Halbgewichtete Tasten (semi-weighted) fühlen sich straffer an als leichte Synthesizertasten, ersetzen aber keine Hammermechanik. Wer klassisch übt, ist mit einem Instrument aus unserem Ratgeber zu Digitalpianos besser bedient.
Pads, Regler, Aftertouch: was davon zählt?
Pads sind die Gummiflächen zum Einspielen von Schlagzeug und Samples. Acht reichen für ein Drumkit, sechzehn erlauben zusätzlich Clips und Akkorde. Endlos-Drehregler haben gegenüber Potis mit Anschlag einen Vorteil: Beim Wechsel zwischen Plug-ins springt kein Wert plötzlich auf die Reglerstellung. Fader lohnen sich vor allem, wenn Sie die Lautstärke mehrerer Spuren gleichzeitig mischen oder Orgelzugriegel steuern.
Aftertouch wird oft verwechselt. Beim Kanal-Aftertouch wirkt der Druck nach dem Anschlag auf alle gehaltenen Töne gleich, beim polyphonen Aftertouch auf jede Taste einzeln. Native Instruments baut polyphonen Aftertouch in die Tastatur des Kontrol S49 MK3 ein. Novation bietet ihn beim Launchkey MK4 auf den Pads. Bei Streichern und Flächen macht das einen hörbaren Unterschied. Für Beats ist es Nebensache.
DAW-Integration: der Teil, den man täglich merkt
Jedes MIDI-Keyboard spielt in jeder Musiksoftware Noten. Der Unterschied liegt in den Skripten, mit denen Transport, Mixer und Plug-in-Regler ohne Zuweisen von Hand funktionieren. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Ihre Software ausdrücklich genannt wird. Novation listet für das Launchkey MK4 eigene Skripte für Ableton Live, Logic, Cubase, Reason, FL Studio und Ardour, Akai für das MPK Mini IV unter anderem Logic Pro, GarageBand und FL Studio. Läuft Ihre DAW nicht darunter, bleibt meist nur der Umweg über Mackie Control oder HUI. Das klappt, aber mit weniger Komfort.
Noch ein Blick auf die Rückseite. Eine 5-polige MIDI-Buchse steuert ältere Synthesizer direkt, die kleinen Modelle nutzen dafür eine 3,5-mm-Klinke und brauchen einen Adapter. Den Ton hören Sie über den Rechner, also über ein Audio-Interface fürs Homestudio und passende Studiomonitore. Das Keyboard selbst hat keinen Audioausgang.
6 MIDI-Keyboards im Vergleich
| Modell | Tasten | Pads und Regler | Anschlüsse | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|---|
| Novation Launchkey 49 MK4 | 49, halbgewichtet | 16 Pads mit polyphonem Aftertouch, 8 Endlosregler, Fader | USB-C, MIDI-Out (5-polig), Sustain | Homestudio mit Ableton, Logic, FL Studio | ansehen |
| Novation Launchkey Mini 37 MK4 | 37 Minitasten | 16 Pads, 8 Endlosregler, Touch-Streifen | USB-C, MIDI-Out (3,5 mm), Sustain | Laptop unterwegs, kleiner Tisch | ansehen |
| Akai MPK Mini IV | 25, anschlagdynamisch | 8 Pads, 8 Endlosregler, echte Räder | USB-C, MIDI-Out (5-polig) | Beats, Einstieg, Rucksack | |
| Arturia KeyLab Essential 61 mk3 | 61, halbgewichtet | 8 Pads, 9 Drehregler, 9 Fader | USB-C, MIDI-Out (5-polig), Pedal | Akkorde mit beiden Händen, Mischen per Fader | ansehen |
| Native Instruments Kontrol S49 MK3 | 49, Fatar, polyphoner Aftertouch | 8 berührungsempfindliche Regler, Light Guide | USB-C, MIDI In/Out, 4 Pedale | Arbeit mit NKS-Instrumenten, Ausdrucksspiel | ansehen |
| M-Audio Keystation 61 MK3 | 61, halbgewichtet | 1 Fader, Transporttasten | USB, MIDI-Out (5-polig), Sustain | Wer vor allem spielen will | ansehen |
Novation Launchkey 49 MK4
Vier Oktaven mit halbgewichteten Tasten, 16 Pads mit polyphonem Aftertouch, acht Endlosregler und eine Faderreihe: Das ist für Produzenten ein ausgewogenes Paket. Dazu kommen laut Novation ein Akkordmodus, 30 Skalen und ein Arpeggiator mit Schritteditor. Ab dieser Größe lässt sich die Tastatur in Zonen teilen, etwa Bass links und Klavier rechts. Mit 4,08 kg und 73 cm Breite bleibt es ein Gerät für den festen Platz.
Novation Launchkey Mini 37 MK4
Knapp 48 cm breit, 0,98 kg leicht. Statt Rädern gibt es Touch-Streifen für Tonhöhe und Modulation, die Pads und Regler entsprechen denen der großen Brüder. Drei Oktaven Minitasten sind ein Kompromiss. Für Ideen im Zug reichen sie.
Akai MPK Mini IV
Die vierte Generation bringt laut Akai gegenüber dem Vorgänger echte Pitch- und Modulationsräder, ein Farbdisplay, Transporttasten und einen 5-poligen MIDI-Ausgang. Die acht Pads reagieren auf Anschlag. Mit 25 Tasten bleibt es ein Werkzeug für Beats und Skizzen, kein Instrument zum Durchspielen. Die mitgelieferte Software läuft laut Hersteller nicht auf iPad oder Android, als einfaches MIDI-Gerät funktioniert das Keyboard dort trotzdem.
Arturia KeyLab Essential 61 mk3
Fünf Oktaven, neun Fader mit 30 mm Weg und neun Drehregler machen das KeyLab Essential zur Wahl für alle, die Arrangements Spur für Spur von Hand mischen. Arturia nennt Skripte für FL Studio, Logic Pro, Ableton Live, Cubase und Bitwig. Der Pedaleingang lässt sich als Sustain, Expression oder Fußschalter einstellen. Nur acht Pads sind für reine Beatbauer etwas knapp.
Native Instruments Kontrol S49 MK3
Hier sitzt eine halbgewichtete Fatar-Tastatur mit polyphonem Aftertouch, darüber zeigt der Light Guide per Farbe, welche Tasten ein Instrument belegt. Vier Pedalbuchsen und MIDI In und Out hat sonst keines der sechs Modelle. Reicht der Strom am Rechner nicht, nimmt eine zweite USB-C-Buchse ein Netzteil auf. Wer nicht mit NI-Instrumenten oder NKS-Plug-ins arbeitet, nutzt einen großen Teil davon nicht.
M-Audio Keystation 61 MK3
Das Gegenmodell zu all den Pads. 61 halbgewichtete Tasten, ein Fader, Räder, Transporttasten, mehr nicht. Laut M-Audio läuft es am iPad mit Apples Kameraadapter. Für Pianisten und Songwriter, die vor allem Noten einspielen, ist das ehrlicher als ein Bedienfeld voller Knöpfe, die nie benutzt werden.
So würden wir entscheiden
- Produzieren am festen Schreibtisch mit Ableton, Logic oder FL Studio: Novation Launchkey 49 MK4.
- Laptop im Rucksack, wenig Platz: Launchkey Mini 37 MK4, für reine Beats auch das Akai MPK Mini IV.
- Beidhändig spielen und viel mit Fadern mischen: Arturia KeyLab Essential 61 mk3.
- Ausdrucksstarkes Spiel mit NI-Instrumenten: Native Instruments Kontrol S49 MK3.
- Nur Noten einspielen, ohne Pads: M-Audio Keystation 61 MK3.
Bevor Sie bestellen, schauen Sie in die Liste der unterstützten DAWs. Steht Ihre Software dort nicht, ist das schönste Bedienfeld nur halb so viel wert.
Quellen
- Novation: Launchkey MK4, Modellübersicht
- Novation: Launchkey 49 MK4, technische Daten
- Novation: Launchkey Mini 37 MK4, technische Daten
- Akai Professional: MPK Mini IV, häufige Fragen
- Arturia: KeyLab Essential mk3
- Native Instruments: Kontrol S-Series MK3, Handbuch (Keyboard Overview)
- Native Instruments: Kontrol S-Series MK3, Handbuch (DAW Control)
- M-Audio: Keystation 61 MK3
Wo Sie die Produkte bekommen
- Novation Launchkey 49 MK4Bei Amazon ansehen
- Novation Launchkey Mini 37 MK4Bei Amazon ansehen
- Akai Professional MPK Mini IVBei Amazon ansehen
- Arturia KeyLab Essential 61 mk3Bei Amazon ansehen
- Native Instruments Kontrol S49 MK3Bei Amazon ansehen
- M-Audio Keystation 61 MK3Bei Amazon ansehen
Unabhängige Tests brauchen Ihre Unterstützung
Ein gründlicher Test kostet Zeit, Technik und oft das Produkt selbst. Hersteller bezahlen uns nicht für gute Urteile – darum kann die Qualität unserer Tests nur durch Ihre Unterstützung über unsere Partnerlinks gesichert werden. Kaufen Sie über einen dieser Links ein, erhalten wir eine kleine Provision. Für Sie ändert sich am Preis nichts, unser Urteil bleibt unabhängig. Danke, dass Sie so auch in Zukunft hochwertige, unabhängige Tests möglich machen.
Noch nicht entschieden?
Vergleichen Sie in Ruhe weiter – alle Beiträge dieser Rubrik werden monatlich auf neue und ausgelaufene Modelle geprüft.
