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Wer ein Audio-Interface nach der Zahl seiner Buchsen aussucht, wundert sich später oft, warum das Sprechermikrofon so dünn und leise klingt. Ein bis zwei Mikrofone im Homestudio versorgt ein kompaktes USB-Gerät wie das Focusrite Scarlett 2i2 (4th Gen), das SSL 2 MKII oder das MOTU M2 völlig ausreichend. Worauf es ankommt, ist die Verstärkung. Erst recht, wenn ein leises dynamisches Mikrofon wie das Shure SM7B davorhängt.
Podcasts mit Gästen und Telefonzuschaltung laufen mit einem kleinen Studio wie dem RØDECaster Duo bequemer als mit jedem reinen Interface. Das Apollo Twin X Gen 2 von Universal Audio spielt in einer eigenen Liga. Gedacht ist es für Leute, die schon bei der Aufnahme mit Effekten in Echtzeit arbeiten wollen.
Warum klingt mein Mikrofon so leise?
Weil dynamische Sprechermikrofone wenig Pegel liefern. Shure empfiehlt für das SM7B einen Vorverstärker mit mehr als 60 dB Gain, andernfalls einen zusätzlichen Inline-Booster. Kondensatormikrofone sind lauter, verlangen aber 48-Volt-Phantomspeisung. Also: Erst die Gain-Spalte in der Tabelle weiter unten lesen. Design und Software kommen danach.
Wie viele Eingänge brauche ich wirklich?
Zählen Sie, was gleichzeitig aufnehmen soll. Solo-Podcast oder Gesang mit Gitarre? Zwei Kombibuchsen für XLR und Klinke genügen. Mehr verlangt ein typisches Homestudio selten.
Was ist Loopback, und brauche ich das?
Loopback schickt den Ton des Rechners zurück in die Aufnahme. Praktisch ist das für Streams, Video-Calls mit Gästen und eingespielte Jingles; wer nur Gesang aufnimmt, vermisst es nicht.
USB-C oder Thunderbolt, mit oder ohne Netzteil?
Einsteigergeräte laufen meist am USB-C-Kabel ohne eigenes Netzteil. Profigeräte mit eigenem Signalprozessor verlangen oft Thunderbolt und ein Netzteil, und deshalb sollten Sie vor dem Bestellen die Buchsen des eigenen Rechners kennen, damit nicht das neue Gerät in der Kiste bleibt. Sprechen zwei Personen, sind zwei Kopfhörerausgänge Gold wert. Studiolautsprecher wiederum brauchen symmetrische Line-Ausgänge.
Beigelegte Aufnahmesoftware und Plug-ins sparen beim Einstieg Geld. Ein Kaufgrund sind sie nicht.
Passende Mikrofone stehen in unserer Kaufberatung für Podcast-Mikrofone. In unserem Vergleich Shure SM7B gegen Neumann TLM 103 liefen beide Mikrofone über ein Universal Audio Apollo Twin.
Sieben Interfaces und ihre Verstärkerreserven
| Modell | Mikrofoneingänge | Max. Gain laut Hersteller | Anschluss | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|---|
| Focusrite Scarlett 2i2 (4th Gen) | 2 | 69 dB | USB-C, ohne Netzteil | Einsteiger, Gesang, Podcast | ansehen |
| Universal Audio Volt 2 | 2 | 55 dB | USB-C, ohne Netzteil | Musiker mit Hang zum Röhrenklang | ansehen |
| Universal Audio Apollo Twin X Gen 2 | 2 | 65 dB | Thunderbolt, Netzteil | Fortgeschrittene, Produzenten | ansehen |
| RØDE RØDECaster Duo | 2 | 76 dB | 2 × USB-C | Podcaster, Streamer | ansehen |
| Steinberg UR22C | 2 | 60 dB | USB-C (USB 3) | Cubase-Nutzer, iPad | ansehen |
| MOTU M4 (und M2) | 2 | 60 dB | USB-C, ohne Netzteil | Homestudio mit Lautsprechern | ansehen |
| SSL 2 MKII | 2 | 64 dB | USB-C, ohne Netzteil | Sprache und Gesang, zwei Kopfhörer | ansehen |
Focusrite Scarlett 2i2 (4th Gen)
Focusrite nennt 69 dB Gain. Damit hat das 2i2 auch für leise dynamische Mikrofone genug Reserve, und das als Gerät der Einstiegsklasse. Zwei Mikrofon- und zwei Instrumenteneingänge stecken darin. Auto Gain stellt den Pegel selbst ein, Clip Safe soll Übersteuern verhindern, die Air-Funktion hebt die Präsenz an. Loopback steuern Sie in Focusrite Control 2. Hängt nur ein Mikrofon dran, reicht auch das kleinere Scarlett Solo.
Universal Audio Volt 2
Zwei Eingänge, 24 Bit und 192 kHz, dazu MIDI-Buchsen. Spannend macht es der Vintage-Modus: Ein Knopfdruck schaltet eine analoge Schaltung zu, die laut Universal Audio den Röhren-Vorverstärker 610 nachbildet. Für sehr leise Mikrofone sind 55 dB Gain allerdings knapp. Inzwischen hat Universal Audio ein Volt 2 Gen 2 mit drei Klangmodi und 60 dB Gain vorgestellt. Schauen Sie genau hin, welche Fassung ein Angebot meint.
Universal Audio Apollo Twin X Gen 2
Thunderbolt, zwei Unison-Vorverstärker, und zusammen mit UAD-Plug-ins bilden sie klassische Geräte etwa von Neve oder API nach. Und zwar schon während der Aufnahme. DUO und QUAD unterscheiden sich in der Zahl der Signalprozessoren. Eingebaut sind ein Talkback-Mikrofon und eine Monitorsteuerung. Das Gerät läuft an Mac und Windows-PC, braucht aber das mitgelieferte Netzteil. Für reine Sprachaufnahmen ist das deutlich mehr Gerät als nötig.
RØDE RØDECaster Duo
Eher Podcast-Studio als Interface. Zwei Revolution-Vorverstärker mit 76 dB Gain, vier Fader, sechs Pads für Jingles und ein Touchscreen. Aufgezeichnet wird auf microSD-Karte, USB-Speicher oder den Rechner, auf Wunsch als Mehrspur. Zwei USB-C-Anschlüsse, Bluetooth für Telefongäste und zwei Kopfhörerausgänge zeigen, wofür er gebaut ist: Gesprächsrunden. Sitzen regelmäßig vier Leute am Tisch, passt der größere RØDECaster Pro II besser.
Steinberg UR22C
Zwei D-PRE-Vorverstärker mit +6 bis +60 dB Gain, Wandlung mit 32 Bit und 192 kHz, MIDI an Bord. Ein eingebauter Signalprozessor liefert Hall und einen Kanalzug, sodass Sie latenzfrei mit Effekt mithören. Laut Handbuch beherrscht das UR22C auch Loopback. Cubase AI liegt bei, und mit dem iPad arbeitet das Gerät ebenfalls zusammen.
MOTU M4 und M2
Zwei Kombieingänge, zwei weitere Line-Eingänge und vier symmetrische Ausgänge hat das M4. Sein farbiges Display zeigt die Pegel aller Kanäle, und das hilft im Alltag mehr als manche Zusatzfunktion. MOTU nennt 120 dB Dynamikumfang an den Hauptausgängen und maximal 60 dB Gain, Loopback ist dabei. Das M2 teilt sich die zwei Mikrofoneingänge mit dem großen Bruder, hat aber nur zwei Ausgänge. Vielen Homestudios genügt genau das.
SSL 2 MKII
Das MKII löst das SSL 2 ab und hat zwei Mikrofoneingänge mit 64 dB Gain. Pro Kanal sitzt ein Legacy-4K-Schalter, der eine analoge Färbung nach Art der SSL-Konsolen hinzufügt. Für Interviews zu zweit sind die zwei Kopfhörerausgänge interessant. Laut SSL stehen nach einem Firmware-Update drei Stereo-Loopback-Eingänge bereit. Ein umfangreiches Softwarepaket liegt bei.
Und welches nehme ich jetzt?
Einsteiger mit Podcast oder Gesang fahren mit dem Focusrite Scarlett 2i2 (4th Gen) oder dem SSL 2 MKII gut, weil beide genug Gain für dynamische Mikrofone mitbringen. Gäste, Telefon und Jingles gleichzeitig? Dann der RØDE RØDECaster Duo, bei mehr als zwei Sprechern der RØDECaster Pro II.
Für ein Homestudio mit Lautsprechern und Pegelanzeige spricht das MOTU M4, wenn es sparsamer sein soll, das M2. Wer in Cubase arbeitet und das iPad einbinden will, landet beim Steinberg UR22C. Und wer die Klangfarbe schon bei der Aufnahme formen möchte, beginnt mit dem Universal Audio Volt 2 oder geht mit professionellem Anspruch gleich zum Apollo Twin X Gen 2.
Noch ein Gedanke zum Schluss. Hallt Ihr Raum, bringt eine Gesangskabine oft mehr als ein teureres Interface. Darum geht es im Beitrag zur Vocal Head Booth von t.akustik.
Quellen
- Focusrite: Scarlett 2i2 (4th Gen)
- Focusrite: Loopback bei Scarlett 4th Gen
- Universal Audio: Volt 2
- Universal Audio: Volt 2 Gen 2
- Universal Audio: Apollo Twin X
- Universal Audio: Systemvoraussetzungen Apollo X
- RØDE: RØDECaster Duo
- Steinberg: UR22C
- MOTU: M4
- MOTU: M2
- Solid State Logic: SSL 2 MKII
- Shure: Bedienungsanleitung SM7B
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