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Bei 3D-Stiften geht der Kauf meist an einer einzigen Stelle schief. Eltern nehmen für ein Kind im Grundschulalter einen Heißdruckstift, weil er mehr Farben und mehr Technik bietet. Zu Hause zeigt sich dann, dass die Düse über 200 Grad heiß wird. Für Kinder unter 14 führt deshalb kaum ein Weg am Kaltdruck vorbei, etwa am 3Doodler Start+. Jugendliche und Erwachsene sind mit einem Stift für 1,75-mm-Filament und regelbarer Temperatur besser bedient.
Wie funktioniert so ein Stift eigentlich?
Im Kern wie ein winziger 3D-Drucker ohne Mechanik. Ein Kunststoffstrang wird erhitzt, weich herausgedrückt und härtet an der Luft aus. Was die Stifte unterscheidet, ist die Temperatur. Und mit ihr das Material.
Beim Kaltdruck arbeitet der 3Doodler Start+ mit eigenen, niedrig schmelzenden Strängen von 2,5 mm Durchmesser. Laut Hersteller hat der Stift keine heißen Teile und ist für Kinder ab sechs Jahren gedacht. Nur: Es passt ausschließlich das Material des Herstellers.
Heißdruckstifte für PLA und ABS arbeiten nach Herstellerangaben je nach Material etwa zwischen 160 und 235 Grad. Damit gelingen festere, feinere Linien, und Nachfüllpacks sind in großer Zahl und günstig zu haben. Die Düse ist dann aber so heiß wie ein Lötkolben.
Beim Durchmesser hat sich 1,75 mm als verbreiteter Standard durchgesetzt, passend zu vielen Packs von Drittanbietern. Der 3Doodler Create+ braucht dagegen eigene, dickere Stränge. Wer einfach irgendein Filament nachkaufen will, muss das wissen, bevor er bestellt. Hilfreich sind außerdem ein Display mit Temperaturanzeige, weil es den Wechsel zwischen PLA und ABS erleichtert, und eine stufenlose Vorschubregelung. Feine Linien fallen damit leichter.
Was passiert mit der Luft im Zimmer?
Ein Wort zu Sicherheit und Luft. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat 2020 berichtet, dass beim Schmelzschichtverfahren flüchtige Stoffe und sehr feine Partikel frei werden, und dass es dabei ausdrücklich auch 3D-Druck-Stifte untersucht hat. Je höher die Temperatur, desto mehr Teilchen wurden freigesetzt. Zu möglichen gesundheitlichen Folgen gibt es laut BfR bislang nur wenige Informationen. Praktisch heißt das: am offenen Fenster arbeiten, die niedrigste passende Temperatur wählen und Kinder nicht unbeaufsichtigt basteln lassen. Ein Heißdruckstift gehört nach der Altersangabe der Hersteller ohnehin erst in die Hände von Jugendlichen.
Fünf 3D-Stifte, die derzeit bei Amazon angeboten werden
| Modell | Verfahren und Material | Alter laut Hersteller | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|
| 3Doodler Start+ | Kaltdruck, eigene Stränge 2,5 mm | ab 6 Jahren | Grundschulkinder, erste Versuche | ansehen |
| 3Doodler Create+ | Heißdruck, PLA, ABS, Flexy (eigene Stränge) | ab 14 Jahren | Jugendliche, Bastler mit festem Materialsystem | ansehen |
| SCRIB3D P1 | Heißdruck, PLA und ABS 1,75 mm, Display | keine verlässliche Angabe gefunden | Einsteiger ab Jugendalter, Modellbau | ansehen |
| MYNT3D Super | Heißdruck, PLA und ABS 1,75 mm, stufenloser Vorschub | keine verlässliche Angabe gefunden | Erwachsene, feine Detailarbeit | ansehen |
| Tecboss 3D-Stift mit LCD | Heißdruck, PLA und ABS, mehrere Geschwindigkeitsstufen | keine verlässliche Angabe gefunden | Preisbewusste Erwachsene, Geschenksets | ansehen |
3Doodler Start+: kühl genug für Kinderhände
Eltern jüngerer Kinder nennen wir den Start+ zuerst. Heiße Teile gibt es laut 3Doodler keine, das Material ist nach Angabe des Herstellers ungiftig, BPA-frei und zu Hause kompostierbar. Dafür ist das System geschlossen. Nachschub kommt nur vom Hersteller, und die Linien wirken gröber als bei einem PLA-Stift. Für Kinder zwischen sechs und etwa 13 Jahren ist das ein fairer Tausch.
3Doodler Create+: der große Bruder mit eigenem Material
PLA schmilzt der Create+ nach Herstellerangabe bei 180 bis 190 Grad, ABS und das flexible Flexy bei 200 bis 220 Grad. 3Doodler rät, frisch ausgetretenes Material in den ersten fünf Sekunden nicht anzufassen, und gibt den Stift erst ab 14 Jahren frei. Wechseldüsen bietet der Hersteller als eigenes Set an. Günstige 1,75-mm-Packs scheiden aus. Der Create+ braucht die dickeren Stränge von 3Doodler.
SCRIB3D P1: Display und klare Temperaturbereiche
Am P1 stellt man die Temperatur nach Herstellerangabe für PLA zwischen 160 und 210 Grad ein, für ABS zwischen 210 und 235 Grad. Im Set liegen drei PLA-Farben, ein Netzteil und ein Schablonenbuch. Was gerade eingestellt ist, steht auf dem Display. Wer mit Heißdruck anfangen will, bekommt hier eine solide, übersichtliche Lösung.
MYNT3D Super: schlank und fein dosierbar
Verarbeitet werden PLA und ABS mit 1,75 mm. Seine Stärke ist der stufenlose Vorschub, den man nach Angabe von MYNT3D auch während des Zeichnens anpassen kann. Ein Display fehlt allerdings. Ein Fachtest von 3DSourced hält ihn deshalb und wegen der schlanken Form für Kinder weniger geeignet. Erwachsene, die Kanten an Modellen ausbessern oder fein verzieren, kommen mit ihm gut zurecht.
Tecboss 3D-Stift mit LCD: viel Ausstattung, wenig Dokumentation
Bei Amazon verkauft Tecboss einen Stift mit LCD, ABS- und PLA-Modus, mehreren Geschwindigkeitsstufen und Schlafmodus bei Nichtgebrauch. So steht es in Verkäuferangaben. Eine ausführliche Herstellerseite mit Datenblatt war nicht zu finden, und Käufer bemängeln die knappe Anleitung. Als Einstieg für Erwachsene kann das reichen. Als Kindergeschenk eher nicht.
Und Myriwell? Der Name taucht bei Amazon vor allem als Kompatibilitätsangabe auf Filamentpackungen auf. Die bekannten Modelle RP-100B und RP-200B führen Preisvergleiche inzwischen als veraltet. Ein aktuelles Modell mit belastbaren Daten ließ sich nicht bestätigen. Deshalb steht es nicht in der Tabelle.
Was kostet das Hobby auf Dauer?
Der Stift selbst ist schnell gekauft. Ins Geld geht das Material. PLA mit 1,75 mm führen viele Anbieter in großen Farbsets, und die Händler werben oft mit Kompatibilität zu nahezu jedem Stift. Ein Anbieter etwa gibt 190 bis 230 Grad als besten Bereich seiner Stränge an. Verarbeitet ein Stift PLA nur bei 160 Grad, kommt er damit womöglich schlecht zurecht. Ein kurzer Blick in die Anleitung erspart verstopfte Düsen.
Zum Üben taugen Vorlagenhefte und eine Silikonmatte mit aufgedruckten Mustern. Flache Teile werden auf der Matte nachgezeichnet, abgelöst und zu einer Figur verbunden. So entstehen auch die bekannten Flugzeug- und Gebäudemodelle. Passende Feilen, Messer und Kleber für den nächsten Schritt stellt unser Modellbau-Werkzeug-Ratgeber vor. Jüngeren Tüftlern kann ein Experimentierkasten eine gute Ergänzung sein.
Welcher 3D-Stift für wen?
Ein Kind zwischen 6 und 13 bekommt von uns den 3Doodler Start+. Kaltdruck, kein heißes Metall, dafür ein festes Materialsystem.
Jugendliche ab 14, die feste Modelle bauen wollen, haben zwei Wege. Mit dem SCRIB3D P1 kaufen Sie günstiges 1,75-mm-PLA nach. Mit dem Create+ bleiben Sie im 3Doodler-System. Für Detailarbeit und Ausbesserungen nehmen Erwachsene den MYNT3D Super mit seinem stufenlosen Vorschub.
Wer nur neugierig ist und nicht viel investieren mag, kauft einen einfachen Stift wie den von Tecboss, im Bewusstsein, dass Datenblatt und Anleitung dünn sind. Und wer eigentlich ganze Bauteile drucken will, braucht keinen Stift, sondern einen 3D-Drucker. Ersetzen kann der Stift ihn nicht.
Quellen
- 3Doodler: Is the 3Doodler Start safe for children?
- 3Doodler: Temperaturen von PLA und ABS beim Create+
- 3Doodler: Start+ Stifte
- BfR: 3D-Druck, eine „staubige“ Angelegenheit? (Mitteilung 050/2020)
- 3DSourced: MYNT3D Super 3D Pen Review
- e-catalog: Myriwell RP200B und RP100B
Wo Sie die Produkte bekommen
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