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Tonabnehmer kaufen 2026: MM oder MC, Nadelschliff, Justage

Tonabnehmer für den Plattenspieler 2026: MM oder MC, Nadelschliff, Justage und Phonostufe – mit Audio-Technica, Ortofon, Nagaoka, Goldring und Denon.

Redaktion handgetestet · Zuletzt aktualisiert: 02.11.2026
Unsere Wahl für die meistenAudio-Technica AT-VM95EEinstieg mit späterem NadelwechselBei Amazon ansehenPartnerlink
Auch im VergleichOrtofon 2M RedAustausch an gängigen RiemenlaufwerkenBei Amazon ansehenPartnerlink

Redaktionelle Auswahl nach Recherche, nicht selbst getestet. Gründe und Einschränkungen stehen im Text.

Inhalt13 Abschnitte

Bevor Sie einen neuen Tonabnehmer bestellen, sehen Sie auf die Rückseite Ihres Verstärkers. Steht dort nur „Phono MM“, kommt ein Moving-Magnet-System infrage, etwa das Audio-Technica AT-VM95E oder das Ortofon 2M Red. Ein MC-System liefert dagegen nur einen Bruchteil der Spannung und braucht einen eigenen MC-Eingang. Am falschen Eingang bleibt es leise und rauscht.

Dieser Ratgeber erklärt die Technik hinter den Datenblättern, stellt sieben aktuelle Systeme von Audio-Technica, Ortofon, Nagaoka, Goldring und Denon vor und zeigt, wie ein Tonabnehmer richtig sitzt. Mit dem Plattenspieler selbst befasst sich unser Ratgeber zum Plattenspielerkauf.

Magnet oder Spule: zwei Prinzipien, zwei Spannungen

Beim Moving-Magnet-System (MM) sitzt ein winziger Magnet am Ende des Nadelträgers und bewegt sich vor fest stehenden Spulen. Das ergibt kräftige Signale. In unserer Liste liegen die MM-Systeme zwischen 3,5 und 5,5 Millivolt. Beim Moving-Coil-System (MC) ist es umgekehrt: Die Spulen schwingen, der Magnet steht. Die bewegte Masse sinkt, die Spannung auch. Das Denon DL-103 gibt laut Hersteller 0,3 Millivolt ab, das Goldring Eroica LX 0,5 Millivolt.

Ein Faktor zehn. Genau darum braucht MC eine eigene Verstärkerstufe. Cambridge Audio etwa verstärkt im Alva Duo MM-Signale um 39 dB und MC-Signale um 60 dB.

Nagaoka geht einen dritten Weg. Beim MP-Prinzip (Moving Permalloy) trägt der Nadelträger keinen Magneten, sondern ein Stück hochpermeables Material, das magnetisiert wird. Für den Verstärker verhält sich das MP-110 wie ein MM-System: 5 Millivolt, 47 Kiloohm Abschluss.

Im Alltag zählt noch ein anderer Unterschied. Bei den MM-Systemen in dieser Liste ziehen Sie die abgenutzte Nadel nach vorn heraus und stecken eine neue ein. Bei MC ist die Nadel fest verbaut. Goldring bietet für das Eroica LX deshalb einen Austauschdienst an, bei dem die Nadel neu gesetzt wird.

Rund, elliptisch, Fine Line: was der Schliff verändert

Eine Rille ist an ihren Flanken feiner moduliert, als eine runde Nadelspitze sie abtasten kann. Elliptische Schliffe sind deshalb an der Kontaktseite schmal und in Laufrichtung breit. Ortofon gibt die Radien als r/R an: Das 2M Red hat 8/18 Mikrometer, das 2M Bronze mit Fine-Line-Schliff 8/40, das 2M Black mit Shibata-Schliff 6/50. Je länger die Kontaktlinie, desto geringer fallen nach Ortofon Verzerrungen und Abnutzung von Platte und Nadel aus.

Ebenso wichtig ist, wie der Diamant befestigt ist. „Gebondet“ heißt, eine kleine Diamantspitze sitzt auf einem Metallschaft. „Nackt“ (englisch nude) heißt, der ganze Stein ist Diamant, was die Masse an der Spitze senkt. Das 2M Red trägt eine gebondete Nadel, das 2M Blue eine nackte. Beide teilen laut Ortofon denselben Generator, und die Nadeleinschübe der Serie sind austauschbar.

Daraus folgt unsere wichtigste Kaufregel: Wählen Sie ein System, dessen Gehäuse später eine bessere Nadel aufnimmt. Dann kaufen Sie den Generator nur einmal.

Sieben Tonabnehmer und ihre Eckdaten

ModellBauart und NadelAusgangsspannungAuflagekraft (empfohlen)Für wenAngebot (Partnerlink)
Audio-Technica AT-VM95EMM, elliptisch gebondet 0,3 × 0,7 mil4,0 mV2,0 g (1,8–2,2 g)Einstieg mit späterem Nadelwechselansehen
Ortofon 2M RedMM, elliptisch gebondet 8/18 µm5,5 mV1,8 g (1,6–2,0 g)Austausch an gängigen Riemenlaufwerkenansehen
Nagaoka MP-110MP, elliptisch gebondet 0,4 × 0,7 mil5 mV1,5–2,0 gMM-Eingang, leichtes Systemansehen
Goldring E3MM, super-elliptisch gebondet 0,3 × 0,7 mil3,5 mV2,0 g (1,75–2,25 g)mittelschwere bis schwere Armeansehen
Goldring E4MM, elliptisch nackt3,5 mV1,75 g (1,5–2,0 g)leichtere Arme, Aufstieg aus der E-Serieansehen
Denon DL-103MC, massiver Diamant0,3 mV2,5 g (± 0,3 g)schwere Arme, MC-Vorstufe vorhandenansehen
Goldring Eroica LXMC, Gyger II nackt0,5 mV1,75 g (1,5–2,0 g)leichte bis mittlere Arme, MC-Eingangansehen

Alle Angaben stammen von den Herstellern. Klangurteile finden Sie hier bewusst nicht; die Daten sagen mehr darüber, ob ein System zu Ihrem Arm und Ihrem Verstärker passt.

Audio-Technica AT-VM95E

Das VM95E arbeitet mit zwei Magneten in V-Anordnung, die Nadel sitzt auf einem Aluminiumröhrchen. Audio-Technica nennt 4,0 Millivolt, 2,0 Gramm Auflagekraft und 6,1 Gramm Gewicht. Der eigentliche Grund für unsere Wahl steht im Katalog: Sechs Nadeln passen in dasselbe Gehäuse, vom runden Schliff über MicroLinear bis Shibata, eine davon für Schellackplatten. Ersatz für die verbaute Nadel heißt AT-VMN95E. Das Gehäuse hat Gewindeeinsätze für M2,6-Schrauben, Muttern braucht es nicht.

Ortofon 2M Red

Mit 5,5 Millivolt ist das 2M Red das lauteste System der Liste. Ortofon empfiehlt 1,8 Gramm, 47 Kiloohm und 150 bis 300 Pikofarad. Wer mehr will, steckt später den nackten Diamanten des 2M Blue auf denselben Körper. Ein Punkt spricht gegen den Kauf: Steht schon ein 2M Red am Arm, bringt ein zweites nichts, dann ist eine neue Nadel der sinnvollere Schritt.

Nagaoka MP-110

Das japanische System wiegt 6,5 Gramm und gibt 5 Millivolt ab. Nagaoka empfiehlt 1,5 bis 2,0 Gramm sowie 47 Kiloohm und 100 Pikofarad Abschluss. Die elliptische Nadel ist gebondet, der Träger besteht aus einer Aluminiumlegierung. Ersatz heißt JN-P110.

Goldring E3

Goldring gibt für das E3 eine effektive Armmasse von 10 bis 30 Gramm an. Damit passt es auch an ältere, eher schwere Arme. Die Ausgangsspannung ist mit 3,5 Millivolt etwas niedriger als bei Ortofon, für einen normalen MM-Eingang aber reichlich.

Goldring E4

Das E4 ist das obere Ende der E-Serie und nutzt denselben Kern wie die kleineren Modelle. Statt des gebondeten Steins trägt es einen nackten elliptischen Diamanten. Achten Sie auf den Arm. Goldring nennt 5 bis 20 Gramm effektive Masse, also leichter als beim E3. Für Besitzer eines E-Systems sieht Goldring den Nadeltausch als Weg nach oben vor.

Denon DL-103

Denon hat das DL-103 gemeinsam mit den Forschungslabors des japanischen Rundfunks NHK für Sendeanstalten entwickelt. Es will 2,5 Gramm Auflagekraft, plus oder minus 0,3 Gramm, und wiegt 8,5 Gramm. Mit 0,3 Millivolt empfiehlt die Anleitung ausdrücklich einen MC-Übertrager oder einen MC-Vorverstärker. An einem leichten Arm moderner Einsteigerlaufwerke würden wir es nicht montieren. Bei Laufwerken mit Eisenteller warnt Denon außerdem, dass die magnetische Anziehung die Auflagekraft erhöhen kann.

Goldring Eroica LX

Das Eroica LX ist ein MC-System mit 0,5 Millivolt und Gyger-II-Diamant, einem Fine-Line-Schliff mit 6 Mikrometer kleinem Radius. Es wiegt 5,2 Gramm und braucht laut Goldring einen MC-Eingang mit 100 Ohm Abschluss. Gedacht ist es für leichte bis mittelschwere Arme. Eine abgenutzte Nadel tauschen Sie nicht selbst.

Die Phonostufe entscheidet mit

Ein Plattenspieler liefert kein fertiges Hochpegelsignal. Erst die Phonostufe hebt es an und entzerrt es nach der RIAA-Kurve. Hat Ihr Plattenspieler eine eingebaute Vorstufe, gilt deren Eingang. Ob er MM oder MC verarbeitet, steht in der Anleitung.

Rega baut mit dem Fono MM MK5 eine reine MM-Stufe mit 41,4 dB Verstärkung und 47 Kiloohm parallel zu 100 Pikofarad Eingang. Das Cambridge Audio Alva Duo kann beides: MM mit 47 Kiloohm, MC mit 100 Ohm. Dazu kommen ein Subsonic-Filter gegen Rumpeln welliger Platten und ein Kopfhörerausgang.

Auch die Kapazität zählt. Audio-Technica und Goldring nennen 100 bis 200 Pikofarad, Ortofon 150 bis 300. Zu den 100 Pikofarad der Vorstufe addiert sich die Kapazität von Tonarmkabel und Cinch-Leitung. Ein kurzes Kabel hält ein Audio-Technica- oder Goldring-System eher im empfohlenen Bereich. Welcher Verstärker sonst zum Laufwerk passt, steht in unserem Ratgeber zu Stereo-Verstärkern und Streamern.

So sitzt der Tonabnehmer richtig

Montieren Sie das System mit aufgesteckter Nadelschutzkappe, das rät auch Denon. Dann richten Sie den Überhang nach dem Maß des Tonarmherstellers aus; eine Justageschablone für Ihren Arm erleichtert das. Die Nadel muss dabei auf der vorgegebenen Linie stehen und das Gehäuse parallel zur Rille zeigen.

Als Nächstes die Höhe. Der Tonarm soll so stehen, dass das System parallel zur Plattenoberfläche liegt. Denon empfiehlt einen einfachen Trick: Die Bezugslinie vorn am Gehäuse und ihr Spiegelbild auf der Platte sollen eine fast gerade Linie bilden.

Die Auflagekraft stellen Sie am Gegengewicht ein und prüfen sie mit einer Tonarmwaage. Die Skala am Gewicht ist ein Anhaltspunkt, mehr nicht. Bleiben Sie im Bereich des Herstellers. Denon etwa erlaubt beim DL-103 auf einwandfreien Platten 2,2 Gramm und bei kalter Umgebung bis 2,8 Gramm. Danach folgt das Antiskating, und zwar so, wie es die Anleitung Ihres Tonarms vorgibt.

Zur Pflege: Staub an der Nadel entfernen Sie mit einem weichen Pinsel, und zwar vom Ansatz des Nadelträgers zur Spitze hin. Nasse Platten erst trocknen lassen, dann auflegen.

Welches System zu wem passt

  • Sie haben einen Plattenspieler mit eingebauter Vorstufe oder einen Verstärker mit MM-Eingang: Das Audio-Technica AT-VM95E ist unsere Wahl, weil Sie später ohne neues Gehäuse auf einen feineren Schliff wechseln können.
  • Ihr Laufwerk hat ein Ortofon 2M ab Werk: Kaufen Sie lieber die Nadel des 2M Blue als ein neues System.
  • Ihr Arm ist schwer, etwa an einem älteren Laufwerk: Das Goldring E3 deckt laut Hersteller 10 bis 30 Gramm effektive Armmasse ab.
  • Sie besitzen eine Phonostufe mit MC-Eingang und einen leichten bis mittleren Arm: Das Goldring Eroica LX ist dafür gebaut. Für schwere Arme kommt das Denon DL-103 infrage.
  • Ihr Verstärker hat keinen Phono-Eingang: Zuerst eine Phonostufe wie das Rega Fono MM MK5 (nur MM) oder das Cambridge Alva Duo (MM und MC), dann der Tonabnehmer.

Quellen

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