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Ein Multimeter beantwortet nicht die Frage, ob eine Leitung spannungsfrei ist. Dafür gibt es zweipolige Spannungsprüfer nach DIN EN 61243-3, und Eingriffe in die Hausinstallation gehören in die Hände einer Elektrofachkraft. Als Messgerät für den Arbeitsalltag in Gebäuden empfehlen wir das Fluke 117 mit CAT III 600 V, True RMS und einem LoZ-Eingang gegen Geisterspannungen. Für Elektronik, Akkus und das Bordnetz im Auto genügt das UNI-T UT61E+, das sogar feiner auflöst.
Am Basteltisch steht das Multimeter meist neben dem Lötkolben; welche Station dazu passt, klärt unser Ratgeber zur Lötstation. Und bevor jemand in die Wand bohrt, hilft ein Leitungssucher. Den passenden finden Sie im Ratgeber zum Ortungsgerät.
Erst den Messort klären, dann das Gerät
Drei Fragen sortieren das Angebot. Wo messen Sie: an der Platine, an der Autobatterie, an Geräten mit Stecker oder im Verteiler? Brauchen Sie neben Spannung und Widerstand auch Strom? Und wie fein muss die Anzeige auflösen? Ein Gerät mit 22.000 Digits zeigt eine Stelle mehr als eines mit 6.000. An einer 12-V-Batterie spielt das keine Rolle. Bei Sensorsignalen oder Referenzspannungen schon.
Ein typischer Fehlkauf sieht so aus: 1000 V auf dem Drehschalter, aber keine Messkategorie neben den Buchsen.
Was CAT II, III und IV bedeuten
Die Messkategorie nach DIN EN 61010-1 gibt an, für welchen Einsatzort ein Messgerät ausgelegt ist. Die Berufsgenossenschaft BG ETEM ordnet so zu: CAT I gilt für Stromkreise ohne Verbindung zum Netz. CAT II steht für Geräte, die über einen Stecker am Netz hängen, etwa Haushaltsgeräte und Elektrowerkzeuge. Unter CAT III fällt die Installation im Gebäude mit Verteilern, Leistungsschaltern, Verkabelung und fest angeschlossenen Maschinen. CAT IV beginnt an der Anschlussstelle, also am Zähler und an der vorgeschalteten Überstromschutzeinrichtung.
Kategorie und Spannung gehören zusammen. Beim Fluke 117 bedeutet CAT III 600 V laut Datenblatt eine Stoßspannungsfestigkeit von 6 kV Spitze. Auch die Messleitungen zählen: Nach BG ETEM müssen sie nach DIN EN 61010-031 mit Kategorie, Bemessungsspannung und zulässigem Strom beschriftet sein. Dasselbe Prinzip gilt für die Sicherungen im Gerät. In Messkreisen mit 1000 V CAT III oder 600 V CAT IV können im Fehlerfall mehr als 10.000 A fließen, deshalb verlangt die BG ETEM Hochleistungssicherungen mit aufgedrucktem Abschaltvermögen. Sicherungen ohne diese Angabe sind dort nicht geeignet.
True RMS und LoZ, kurz erklärt
Einfache Geräte rechnen Wechselspannung unter der Annahme einer sauberen Sinuskurve um. Schaltnetzteile, Dimmer und Frequenzumrichter verzerren die Kurve aber. Dann liegt der angezeigte Wert daneben. Ein True-RMS-Gerät erfasst den echten Effektivwert; Fluke nennt das beim 117 ausdrücklich für nichtlineare Lasten.
LoZ steht für einen Eingang mit niedriger Impedanz. Er belastet die Leitung leicht und drückt so Spannungen weg, die nur über benachbarte Adern eingekoppelt sind. Fluke beschreibt die Funktion als Schutz vor Fehlablesungen durch Geisterspannung. Benning löst dasselbe Problem beim Spannungsprüfer mit einer zuschaltbaren Last, die laut Hersteller induktive und kapazitive Blindspannungen unterdrückt.
Stromzange: messen, ohne aufzutrennen
Mit dem Multimeter Strom zu messen heißt, das Gerät in den Stromkreis zu schalten. Eine Zange umschließt stattdessen den Leiter und misst über das Magnetfeld. Das funktioniert nur an einer einzelnen Ader. Liegen Hin- und Rückleiter gemeinsam in den Backen, heben sich ihre Felder auf, und die Anzeige bleibt nahe null. Eine einzelne Ader frei zu haben bedeutet in der Regel einen offenen Verteiler. Arbeit für Fachleute.
Spannungsfreiheit stellt ein anderes Gerät fest
Die fünf Sicherheitsregeln nach DIN VDE 0105-100 lauten: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken. Für den dritten Schritt nennt die BG ETEM zweipolige Spannungsprüfer nach VDE 0682-401, der deutschen Fassung von DIN EN 61243-3. Multimeter gehören nicht dazu.
Auch der Schraubendreher mit Glimmlampe nicht. Der Schweizer Fachverband Electrosuisse hält den Phasenprüfer für diese Aufgabe für unzulässig und nennt Gründe: Eine defekte Glimmlampe fällt oft nicht auf, sie leuchtet mitunter nur schwach, und wer isoliert steht, sieht trotz gefährlicher Spannung keine Anzeige.
Wer darf überhaupt an die Anlage? Nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung dürfen die elektrische Anlage hinter der Hausanschlusssicherung nur der Netzbetreiber oder ein Installationsunternehmen errichten, erweitern und ändern, das im Installateurverzeichnis eines Netzbetreibers eingetragen ist. In Betrieben schreibt die DGUV Vorschrift 3 vor, dass elektrische Anlagen nur von einer Elektrofachkraft oder unter deren Leitung und Aufsicht errichtet, geändert und instand gehalten werden. Die Geräte unten für den Verteiler sind deshalb Werkzeuge für Fachleute.
Fünf Messgeräte im Vergleich
| Modell | Bauart und Messkategorie | Eckdaten laut Hersteller | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|
| Fluke 117 | Multimeter, CAT III 600 V | 6.000 Digits, True RMS, LoZ, berührungslose Spannungserkennung, 10 A | Elektrofachkräfte in Wohn- und Gewerbebauten | ansehen |
| UNI-T UT61E+ | Multimeter, Kategorie auf der Produktseite nicht angegeben | 22.000 Digits, True RMS, 1000 V, 20 A, USB | Elektronik, Akkus, Bordnetz im Auto | ansehen |
| Gossen Metrawatt Metrahit World | Multimeter, CAT III 1000 V und CAT IV 600 V | 6.000 Digits, TRMS, Buchsensperre, IP40, DAkkS-Kalibrierschein | Betriebe mit Prüfmittelverwaltung | ansehen |
| Fluke 323 | Stromzange, CAT III 600 V und CAT IV 300 V | 400 A Wechselstrom, 600 V AC/DC, True RMS, Leiter bis 30 mm | Stromaufnahme von Maschinen und Abgängen | ansehen |
| Benning Duspol digital | Zweipoliger Spannungsprüfer, CAT IV 600 V | DIN EN 61243-3, 1 bis 1000 V AC TRMS, 1200 V DC, IP 65, Lastzuschaltung | Spannungsfreiheit feststellen | ansehen |
Fluke 117: das Messgerät für Gebäude
Fluke beschreibt das 117 als Gerät für Gewerbebauten, Krankenhäuser und Schulen. Zu True RMS und LoZ kommen eine berührungslose Spannungserkennung und eine weiße LED-Hintergrundbeleuchtung. Strom misst es bis 10 A, für 30 Sekunden auch 20 A; die 9-V-Batterie hält ohne Licht laut Fluke typisch 400 Stunden. Am Zähler endet sein Revier, denn eine Einstufung für CAT IV hat es nicht.
UNI-T UT61E+: fein auflösend für den Labortisch
Mit 22.000 Digits und einer Wechselspannungs-Bandbreite von 40 Hz bis 10 kHz löst das UT61E+ feiner auf als die beiden anderen Multimeter im Vergleich. UNI-T nennt 1000 V und 20 A als Obergrenzen, dazu USB-Anbindung, eine berührungslose Spannungserkennung und vier AAA-Zellen. Eine Messkategorie weist der Hersteller auf der Produktseite nicht aus. Unser Platz für dieses Gerät ist deshalb der Labortisch, die Werkstatt und das Auto.
Gossen Metrawatt Metrahit World: kalibriert ab Werk
Das Metrahit World kommt mit DAkkS-Kalibrierschein, was Betrieben mit regelmäßiger Messmittelprüfung einen sauberen Startpunkt gibt. Eine automatische Buchsensperre verhindert laut Hersteller falsch gesteckte Messleitungen und die Wahl der falschen Messgröße. Eingestuft ist es für CAT III 1000 V und CAT IV 600 V, das Gehäuse erfüllt IP40 und steckt in einer Gummihülle. Gossen gewährt 36 Monate Herstellergarantie auf Material- und Fabrikationsfehler.
Fluke 323: die schlichte Zange
Die 323 ist das Einstiegsmodell der 320er-Serie. Sie misst True RMS bis 400 A Wechselstrom, Wechsel- und Gleichspannung bis 600 V und Widerstand bis 4 kΩ mit Durchgangsprüfung. Eine Hintergrundbeleuchtung fehlt; die haben erst 324 und 325. Gleichstrom, etwa an Batteriespeichern, misst in dieser Serie nur die 325.
Benning Duspol digital: der Prüfer vor jedem Eingriff
Benning gibt für den Duspol digital die Prüfung nach DIN EN 61243-3 (VDE 0682-401) an. Er zeigt Wechselspannung von 1 bis 1000 V als Echteffektivwert und Gleichspannung bis 1200 V. Die LED-Stufen ab 50 V arbeiten laut Hersteller auch mit leeren Batterien. Über zwei großflächige Drucktaster lässt sich eine Last zuschalten, mit der sich auch ein 30-mA-Fehlerstromschutzschalter bewusst auslösen lässt; ein Vibrationsalarm im Griff meldet Spannung zusätzlich.
Welches Gerät zu welcher Aufgabe passt
Für Platinen, Modellbau, Akkupacks und das 12-V-Bordnetz reicht das UNI-T UT61E+. Das sind Stromkreise ohne Netzverbindung, für die die BG ETEM CAT I vorsieht, und dort zählt die Auflösung mehr als die Kategorie.
Elektrofachkräfte in Gebäuden fahren mit dem Fluke 117 und dem Benning Duspol digital. Das eine misst, das andere stellt die Spannungsfreiheit fest. Einander ersetzen können sie nicht.
Muss das Messgerät in die Prüfmittelverwaltung oder an den Hausanschluss, spricht die Einstufung CAT IV 600 V für das Metrahit World. Ströme an Maschinen und Abgängen erfasst die Fluke 323; wer Gleichstrom braucht, nimmt die 325.
Abraten möchten wir von einem Gerät: dem Phasenprüfer-Schraubendreher als Beleg für Spannungsfreiheit.
Quellen
- Fluke: Technische Daten Fluke 117 (PDF)
- Fluke: Echteffektiv-Strommesszangen der Serie 320, technische Daten (PDF)
- UNI-T: UT61+ Series (UT61E+)
- Gossen Metrawatt: Datenblatt Metrahit World (PDF)
- Benning: Spannungsprüfer und Durchgangsprüfer, Duspol (PDF)
- BG ETEM: Auswahl handgehaltener Multimeter, S027 (PDF)
- BG ETEM: Sicherheit zum Nachschlagen, Elektrotechnik (PDF)
- Electrosuisse: Sicherheitsrisiko Phasenprüfer (PDF)
- Niederspannungsanschlussverordnung, § 13 Elektrische Anlage
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