Inhalt14 Abschnitte
Eine Enthärtungsanlage ist kein Gesundheitsgerät. Sie schützt Leitungen, Boiler und Armaturen, mehr nicht. Wer in einem Gebiet mit mittlerem oder hartem Wasser wohnt und sich über verkalkte Duschköpfe und einen Warmwasserspeicher voller Belag ärgert, findet mit einem zertifizierten Ionenaustauscher wie der Grünbeck softliQ:SE18 eine solide Lösung für den Haushalt mit bis zu vier Personen. Bei weichem Wasser braucht es keine.
Was im Keller eigentlich passiert
Härte entsteht durch gelöstes Calcium und Magnesium. Erwärmt man das Wasser, fällt ein Teil davon als Kalk aus, am Heizstab, im Durchlauferhitzer, im Perlator. Eine Enthärtungsanlage nimmt diese Ionen heraus. Dafür fließt das Wasser durch eine Säule mit Harzkügelchen, die mit Natrium beladen sind. Calcium und Magnesium bleiben am Harz hängen, Natrium geht ins Wasser. Ist das Harz erschöpft, spült die Anlage es mit Salzsole durch und lädt es neu. Diesen Vorgang nennen die Hersteller Regeneration, und er erklärt, warum jede dieser Anlagen Salz, Strom und einen Abwasseranschluss braucht.
Nach dem Austausch ist das Wasser zunächst vollständig enthärtet. Für Trinkwasser hält der DVGW das nicht für zweckmäßig. Eine Verschneideeinrichtung mischt deshalb hartes Wasser zu, bis die gewünschte Resthärte erreicht ist. Als Richtwert nennt der Verband 8,4 °dH, die Grenze zum Bereich „weich“. Calcium sollte 0,5 mmol/l, also rund 3 °dH, nicht unterschreiten.
Erst messen, dann kaufen
Ihr Wasserversorger muss den Härtebereich mindestens einmal im Jahr bekannt geben. So schreibt es § 9 des Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes vor. Die Bereiche sind fest definiert: weich unter 1,5 Millimol Calciumcarbonat je Liter, mittel 1,5 bis 2,5, hart über 2,5. Umgerechnet liegt die Grenze bei etwa 8,4 und 14 °dH.
Den eigenen Wert prüfen Sie mit einem Tropftest. Röhrchen bis zur Marke füllen, Titrierlösung tropfenweise zugeben, schütteln, zählen. Schlägt die Farbe von Rot auf Grün um, entspricht die Zahl der Tropfen der Härte in °dH. Dieselbe Probe brauchen Sie später wieder, nämlich hinter der Anlage, um die Einstellung zu kontrollieren.
Sinnvoll wird eine Enthärtung laut DVGW in den Bereichen mittel und hart, wenn an Geräten Störungen zu erwarten sind. Gesundheitlich ist sie nicht nötig. Die Verbraucherzentrale bescheinigt Leitungswasser eine sehr gute Qualität, auch wenn es kalkhaltig ist, und Stiftung Warentest nannte Calcium und Magnesium im Trinkwasser schon 2009 wünschenswert.
Natrium, Salz und Abwasser
Pro Grad Härte, das die Anlage entfernt, steigt der Natriumgehalt um 8,2 mg/l. Diese Zahl nennt der DVGW. Ein Rechenbeispiel aus einer Region mit 20 °dH: Wer auf 8 °dH einstellt, entfernt 12 Grad und erhöht das Natrium um knapp 100 mg/l. Die Trinkwasserverordnung erlaubt 200 mg/l, und das schon vorhandene Natrium zählt mit. Den Ausgangswert finden Sie in der Analyse Ihres Versorgers.
Das Regeneriersalz verschwindet nicht. Kläranlagen halten es nicht zurück, es landet in Flüssen. Der DVGW empfiehlt deshalb, nur so weit zu enthärten wie nötig und den Gartenanschluss gar nicht erst einzubeziehen. Dafür sinkt der Waschmittelbedarf: Bis zu 30 Prozent seien theoretisch drin, schreibt der Verband, vorausgesetzt, Sie dosieren nach dem neuen Härtebereich. In der Waschmaschine stellen Sie die Härte entsprechend um.
Kalkschutz ohne Salz: was die Geräte tun
Neben den Ionenaustauschern gibt es Kalkschutzgeräte, die ohne Salz und ohne Abwasser auskommen. Sie entziehen dem Wasser nichts. Laut DVGW bilden sie winzige Impfkristalle, an denen sich die Härtebildner anlagern, statt sich auf Heizflächen festzusetzen. Die Härte bleibt also gleich, und der Waschmittelverbrauch sinkt nicht. Geprüft wird die Wirksamkeit nach DIN 3607.
Ob ein Gerät hält, was es verspricht, ist umstritten. Stiftung Warentest prüfte im Heft 1/2000 physikalische Wasserbehandler: Nur drei funktionierten, zehn erhielten „mangelhaft“. Neue Erkenntnisse zu dieser Technik hat die Stiftung nach eigener Aussage seither nicht. Für uns heißt das: Ein salzfreies Gerät kommt nur mit Prüfzeichen in Frage, und wer messbar weicheres Wasser will, braucht einen Ionenaustauscher. Ein Kannenfilter wiederum enthärtet nur das Teewasser; die Unterschiede erklärt unser Ratgeber zu Wasserfiltern.
Anlagen und Zubehör nach Herstellerdaten
| Modell | Bauart | Eckdaten laut Hersteller | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|
| Grünbeck softliQ:SE18 | Einsäulenanlage, WLAN | 5 l Harz, bis 35 kg Salz, 0,15 bis 0,55 kg Salz je Regeneration, 1,8 m³/h | 1 bis 4 Personen | ansehen |
| Judo i-soft SAFE+ | Zwei Säulen, Leckageschutz | 50 kg Salzbehälter, rund 200 g Salz und 25 l Wasser je Regeneration, 1,8 m³/h | Haushalte, die durchgehend weiches Wasser und eine Absperrung wollen | ansehen |
| BWT Perla One | Einsäulenanlage, WLAN/LAN | bis 32 kg Salz, 0,26 bis 0,76 kg Salz je Regeneration, 1,7 m³/h | mittelhartes Wasser, kleinerer Bedarf | ansehen |
| SYR LEX Plus 10 Connect | Einsäulenanlage, App | 7,5 l Harz, 25 kg Salz, ca. 0,95 kg Salz je Regeneration, 1,5 m³/h | Einfamilienhaus | ansehen |
| Grünbeck Wasserprüfeinrichtung Gesamthärte | Tropftest | 1 Tropfen = 1 °dH, Farbumschlag rot zu grün | alle, vor dem Kauf und zur Kontrolle | ansehen |
| BWT Perla Tabs | Regeneriersalz | Tabletten, mind. 99,6 % Natriumchlorid, DIN EN 973 Qualität A | Betreiber jeder Anlage | ansehen |
Grünbeck softliQ:SE18
Die kleinste Anlage der SE-Reihe ist laut Grünbeck für ein bis vier Personen ausgelegt. Sie regeneriert nur die verbrauchte Kapazität und nimmt dafür bloß so viel Salz, wie nötig ist; spätestens nach drei Tagen spült sie aus Hygienegründen vollständig. Das Datenblatt nennt eine DIN/DVGW-Registriernummer, und ein Tropftest liegt bei. Sie misst 815 × 360 × 430 mm, bei offenem Deckel 1.060 mm Höhe. Für bis zu zwölf Personen gibt es die größere SE24 mit 9 l Harz. Während der Regeneration fließt hartes Wasser, das sollte man wissen.
Judo i-soft SAFE+
Zwei Säulen arbeiten im Wechsel, deshalb kommt laut Judo rund um die Uhr weiches Wasser. Interessanter finden wir den eingebauten Leckageschutz: Er sperrt die Leitung, wenn einstellbare Grenzwerte überschritten werden, und bis zu zehn Bodensensoren lassen sich anschließen. Wer ohnehin über Wassermelder nachdenkt, bekommt hier beides in einem Gerät. Nach der Anleitung ist das Gerät nach DIN EN 14743 und DIN 19636-100 geprüft und trägt das DIN-DVGW-Zeichen. Ein Teil der Pflege bleibt beim Betreiber. Alle zwei Monate Sichtkontrolle, halbjährlich Siphon und Dichtigkeit prüfen.
BWT Perla One
BWT selbst ordnet die Perla One für mittelhartes Wasser und geringeren Bedarf ein, etwa vor einem Warmwasserbereiter. Unter etwa 20 Prozent der Eingangshärte kommt sie bauartbedingt nicht. Praktisch ist die AQA-Watch-Funktion, die lange, kleine Durchflüsse als möglichen Tropfverlust meldet.
SYR LEX Plus 10 Connect
Laut Datenblatt reicht die Kapazität, um das gesamte Wasser eines Einfamilienhauses teilzuenthärten. Mit 0,95 kg je Regeneration verbraucht sie pro Durchgang mehr Salz als die Grünbeck, hat aber mehr Harz. Ab 5 bar Netzdruck verlangt SYR einen Druckminderer davor. Die Anleitung listet die Wartung genau auf: Härte vierteljährlich selbst prüfen, Chlorzelle und Dichtungen alle zwei Jahre durch den Fachbetrieb tauschen.
Grünbeck Wasserprüfeinrichtung Gesamthärte
Ein Röhrchen und eine Flasche Titrierlösung. Es misst in °dH oder °f, je nachdem, bis zu welcher Marke Sie füllen. Vor dem Kauf bestätigt es den Wert des Versorgers, danach zeigt es, ob die Verschneidung stimmt.
BWT Perla Tabs
Regeneriersalz in Tablettenform aus Siedesalz mit mindestens 99,6 Prozent Natriumchlorid. BWT gibt DIN EN 973 Qualität A an, die Norm für Salz zur Trinkwasseraufbereitung. Judo verlangt für die i-soft ebenfalls Tabletten nach DIN EN 973.
Einbau: nicht selbst, und nicht irgendwo
Den Einbau dürfen nach § 12 Abs. 2 AVBWasserV nur der Wasserversorger oder ein Installationsunternehmen vornehmen, das im Installateurverzeichnis eines Versorgers eingetragen ist. Die Verbraucherzentrale sagt es deutlicher: Bauen Sie solche Anlagen nicht selbst ein. Fragen Sie den Betrieb direkt, ob er eingetragen ist. Der DVGW verweist für die Suche auf die Liste Ihres Versorgers.
Am Aufstellort braucht es einiges. Einen Schutzfilter mit 80 bis 150 µm vor der Anlage, wie ihn DIN 1988-200 ohnehin vorschreibt. Eine Steckdose mit Dauerstrom. Einen Kanalanschluss, an dem Spül- und Überlaufschlauch mit freiem Auslauf nach DIN EN 1717 enden, damit kein Abwasser zurückgesaugt werden kann; die Anlage selbst muss laut DVGW eine eingebaute Sicherung gegen Rückfließen haben. Dazu einen frostfreien Raum, der für Trinkwasser nicht wärmer als 25 °C werden darf. Ein Heizungskeller mit 28 Grad im Winter fällt damit aus. Liegt der Kanal höher als die Anlage, wird eine salzwasserbeständige Hebeanlage fällig.
Wartung: der Teil, der im Prospekt klein steht
Nach DIN EN 806-5 gilt für Enthärtungsanlagen laut DVGW: Inspektion alle zwei Monate, Wartung halbjährlich. Die Hersteller übersetzen das unterschiedlich. Judo lässt den Betreiber zweimonatlich und halbjährlich prüfen und schickt einmal im Jahr den Kundendienst. SYR nennt eine jährliche Wartung durch das Fachhandwerk, in Mehrfamilienhäusern halbjährlich. Und wer die Intervalle nicht einhält, riskiert laut Judo und SYR seine Gewährleistung. Rechnen Sie den Wartungsvertrag also von Anfang an mit ein.
Eine Kleinigkeit zum Schluss. Läuft die Anlage, stimmen die Härteeinstellungen der Haushaltsgeräte nicht mehr. Stellen Sie nach dem Einbau alle Geräte auf den neuen Wert um, auch den Kaffeevollautomaten.
So würden wir entscheiden
- Weiches Wasser unter 8,4 °dH: keine Anlage. Ein Tropftest bestätigt das.
- Ein bis vier Personen bei hartem Wasser: Grünbeck softliQ:SE18, eingebaut vom eingetragenen Fachbetrieb.
- Größerer Haushalt, Wunsch nach Absperrung bei Wasserschaden: Judo i-soft SAFE+ oder die Grünbeck SE24.
- Nur mittelhartes Wasser, Schutz für den Boiler: BWT Perla One.
- Kalkschutz ohne Salz: nur mit Prüfzeichen nach DIN 3607 und ohne Erwartung an weicheres Wasser.
Quellen
- DVGW-Kompaktinfo: Wasseraufbereitung in der Trinkwasserinstallation (März 2024)
- AVBWasserV § 12
- Wasch- und Reinigungsmittelgesetz § 9
- Trinkwasserverordnung, Anlage 3 (Natrium)
- Verbraucherzentrale: Wasserbehandlung im Haushalt
- Stiftung Warentest: Physikalische Wasserbehandler (2000)
- Stiftung Warentest: Filter- und Enthärtungsanlagen (2009)
- Grünbeck: Produktdatenblatt softliQ:SE
- Grünbeck: Betriebsanleitung softliQ:SD (Härtemessung)
- Judo: i-soft SAFE+
- Judo: Einbau- und Betriebsanleitung i-soft SAFE+
- BWT: Perla One
- BWT: Produktdatenblatt Perla One
- BWT: Datenblatt Regeneriermittel (Perla Tabs)
- SYR: Datenblatt LEX Plus 10 Connect
- SYR: Bedienung und Wartung LEX Plus 10 Connect
Wo Sie die Produkte bekommen
- Grünbeck softliQ:SE18Bei Amazon ansehen
- Grünbeck softliQ:SE24Bei Amazon ansehen
- Judo i-soft SAFE+Bei Amazon ansehen
- BWT Perla OneBei Amazon ansehen
- SYR LEX Plus 10 ConnectBei Amazon ansehen
- Grünbeck Wasserprüfeinrichtung GesamthärteBei Amazon ansehen
- BWT Perla TabsBei Amazon ansehen
Unabhängige Tests brauchen Ihre Unterstützung
Ein gründlicher Test kostet Zeit, Technik und oft das Produkt selbst. Hersteller bezahlen uns nicht für gute Urteile – darum kann die Qualität unserer Tests nur durch Ihre Unterstützung über unsere Partnerlinks gesichert werden. Kaufen Sie über einen dieser Links ein, erhalten wir eine kleine Provision. Für Sie ändert sich am Preis nichts, unser Urteil bleibt unabhängig. Danke, dass Sie so auch in Zukunft hochwertige, unabhängige Tests möglich machen.
Noch nicht entschieden?
Vergleichen Sie in Ruhe weiter – alle Beiträge dieser Rubrik werden monatlich auf neue und ausgelaufene Modelle geprüft.
