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Ein Teleobjektiv für Tiere sucht man zuerst nach dem Bajonett aus und erst danach nach der Brennweite. Wer an Sony oder Nikon fotografiert und lange zu Fuß unterwegs ist, landet bei uns beim Tamron 150-500 mm, das laut Hersteller rund 1,7 Kilogramm wiegt und am kurzen Ende ab 60 Zentimetern scharf stellt. Wer dagegen regelmäßig 600 Millimeter oder mehr braucht, nimmt das Zoom des eigenen Kameraherstellers, denn Sony, Nikon und Canon geben für ihre Modelle Telekonverter frei. Alles andere ist Feinarbeit.
Wie viel Brennweite braucht ein Vogel auf dem Ast?
Der Abstand bestimmt die Brennweite. Nicht umgekehrt. Am Futterplatz im Garten lässt sich die Entfernung selbst wählen; der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) rät sogar dazu, den Abstand zwischen Ast und Kamera nach der eigenen Brennweite festzulegen. Am Schilfrand oder im Wald geht das nicht, dort ist das Tier, wo es ist, und jeder Millimeter zählt.
An einer Kamera mit APS-C-Sensor wirkt jedes Objektiv länger. Tamron nennt für sein 150-500 an solchen Gehäusen einen Bildwinkel wie mit 225 bis 750 Millimetern an Vollformat. Das ist ein engerer Ausschnitt, kein zusätzliches Detail. Unsere Einordnung: 400 bis 600 Millimeter decken Garten, Teich und Feldrand ab, 800 und mehr sind etwas für scheue Arten und gutes Licht.
Gewicht, Stabilisator, Naheinstellgrenze
Zwei Kilogramm klingen auf dem Papier harmlos. Auf einem Deich bei Gegenwind, mit der Kamera vor dem Auge, wirken sie anders. Die Spanne bei den fünf Zooms in unserer Übersicht ist deutlich: Canon gibt für das RF 100-500 etwa 1.370 Gramm an, Tamron 1.725 Gramm ohne Stativfuß, Nikon 1.955 Gramm ohne Stativschelle, Sigma 2.100 Gramm mit Stativschelle und Sony 2.115 Gramm. Wer fast nur aus der Hand fotografiert, sollte diese Zahlen ernster nehmen als eine halbe Blendenstufe Lichtstärke.
Ein Stabilisator hält die Hand ruhig, nicht das Tier. Nikon nennt für das Z 180-600 nach CIPA-Norm 5,5 Blendenstufen, Canon für das RF 100-500 bis zu fünf Stufen an einer EOS R und bis zu sechs zusammen mit dem Gehäusestabilisator einer EOS R5. Für einen auffliegenden Reiher braucht es trotzdem eine kurze Verschlusszeit. Hilfreich für Mitzieher ist ein eigener Modus. Tamron bietet an der Sony- und Fuji-Fassung drei Stabilisator-Modi per Schalter; an Nikon Z wird der Stabilisator über die Kamera gesteuert.
Die Naheinstellgrenze entscheidet, ob Libelle und Schmetterling mit auf die Speicherkarte kommen. Sigma stellt am kurzen Ende ab 58 Zentimetern scharf, Tamron ab 60, beide mit einem Abbildungsmaßstab um 1:3. Sony nennt für das 200-600 dagegen 2,4 Meter. Am Gartenteich ist das ein echter Unterschied.
Auch die Mechanik zählt. Nikons 180-600 zoomt innen, die Baulänge bleibt also gleich, und der Zoomring braucht laut Nikon nur eine Drehung um 70 Grad. Das Tamron wächst beim Zoomen von knapp 21 auf etwa 28 Zentimeter.
Telekonverter: mehr Reichweite, weniger Licht
Ein 1,4-fach-Konverter verlängert die Brennweite um 40 Prozent und nimmt eine Blendenstufe Licht, ein 2-fach-Konverter verdoppelt sie und nimmt zwei. Canon zeigt das am RF 100-500 sehr klar. Mit dem Extender RF1.4x werden daraus 420 bis 700 Millimeter bei f/8 bis f/10, mit dem RF2x 600 bis 1.000 Millimeter bei f/11 bis f/14. Und mit angesetztem Extender lässt sich das Zoom nur noch zwischen 300 und 500 Millimetern bewegen. Das sollte man vor dem Kauf wissen.
Sony gibt für das 200-600 seine beiden Konverter SEL14TC und SEL20TC frei, laut Hersteller mit Autofokus. Nikon führt das 180-600 als kompatibel mit Telekonvertern, weist aber darauf hin, dass der Autofokus je nach Motiv und Licht nicht immer greift. Bei Sigma gilt die Freigabe für TC-1411 und TC-2011 nur am L-Mount; die Sony-Fassung bleibt ohne. Für das Tamron 150-500 führt der Hersteller keinen Konverter auf.
Unsere Haltung dazu: Ein Konverter ist Reserve für helles Licht. Er ersetzt keine längere Brennweite.
Näher heran ist nicht immer erlaubt
Ein langes Objektiv ist auch ein Werkzeug für Rücksicht. Der LBV nennt Tierfotografen ausdrücklich unter den möglichen Störquellen am Horst des Schwarzstorchs. Als Richtlinie gilt dort, vom 1. März bis 31. August im Umkreis von 300 Metern um den Horstbaum nicht zu stören, und die Brutstandorte sind nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz geschützt. Den genauen Standort eines Horstes sollen laut LBV nur wenige unmittelbar Beteiligte kennen. Wer einen findet, stellt das Foto also besser ohne Ortsangabe online.
Im Garten rät der LBV, zugunsten der Tiere eher auf Blitzlicht zu verzichten. Eine Fernauslösung schafft zusätzlichen Abstand.
Fünf Supertele-Zooms nebeneinander
| Modell | Bajonett | Brennweite, Lichtstärke | Gewicht laut Hersteller | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|---|
| Tamron 150-500 mm F/5-6.7 Di III VC VXD | Sony E, Nikon Z | 150–500 mm, f/5–6,7 | 1.725 g (Sony E), 1.720 g (Nikon Z), ohne Stativfuß | Wanderer, Garten und Teich | ansehen |
| Sony FE 200-600 mm F5.6-6.3 G OSS | Sony E | 200–600 mm, f/5,6–6,3 | 2.115 g | Sony-Fotografen mit Wunsch nach Konverter | ansehen |
| Nikon NIKKOR Z 180-600 mm f/5.6-6.3 VR | Nikon Z | 180–600 mm, f/5,6–6,3 | 1.955 g ohne, 2.140 g mit Stativschelle | Nikon-Fotografen, die 600 mm brauchen | ansehen |
| Canon RF 100-500 mm F4.5-7.1 L IS USM | Canon RF | 100–500 mm, f/4,5–7,1 | etwa 1.370 g | Canon-Fotografen, die viel tragen | ansehen |
| Sigma 150-600 mm F5-6.3 DG DN OS Sports | Sony E, L-Mount | 150–600 mm, f/5–6,3 | 2.100 g mit Stativschelle | L-Mount mit Konverter, Nahbereich | ansehen |
Tamron 150-500 mm F/5-6.7 Di III VC VXD
Für Sony E und Nikon Z das leichteste der fünf, dazu ein Filtergewinde von 82 statt 95 Millimetern. Bei 150 Millimetern geht es bis auf 60 Zentimeter heran, was es am Teichrand auch für Insekten brauchbar macht. Dafür endet es bei 500 Millimetern und f/6,7, ohne Konverter-Option. Tamron beschreibt eine feuchtigkeitsabweisende Bauweise mit Dichtungen im Tubus; eine Fassung für Fujifilm X gibt es ebenfalls.
Sony FE 200-600 mm F5.6-6.3 G OSS
Der direkte Weg zu 600 Millimetern an Sony-Kameras. Sony nennt 2.115 Gramm, ein 95-mm-Filtergewinde und eine Naheinstellgrenze von 2,4 Metern bei maximal 0,2-facher Vergrößerung. Mit dem SEL14TC werden daraus 840 Millimeter, und der Autofokus bleibt laut Hersteller erhalten. Für Insekten ist es nichts. Wer die übrigen Objektive des Systems einordnen will, findet sie in unserem Überblick über Sony-E-Mount-Objektive.
Nikon NIKKOR Z 180-600 mm f/5.6-6.3 VR
Innenzoom, 5,5 Blendenstufen Stabilisierung und ein kurzer Drehweg von 70 Grad machen es im Feld angenehm zu bedienen. Nikon gibt 1.955 Gramm ohne Stativschelle an, die Naheinstellgrenze liegt bei 1,3 Metern am kurzen und 2,4 Metern am langen Ende, der Abbildungsmaßstab bei 0,25-fach. Telekonverter passen, mit dem genannten Vorbehalt beim Autofokus. Für Nikon-Fotografen, denen 500 Millimeter zu wenig sind, ist das unsere erste Wahl; mehr zum System steht in unserem Ratgeber zu Nikon-Z-Objektiven.
Canon RF 100-500 mm F4.5-7.1 L IS USM
Mit etwa 1.370 Gramm das leichteste Objektiv der Übersicht, und das bei 100 Millimetern am kurzen Ende. Canon nennt eine Naheinstellgrenze von 0,9 Metern und einen Abbildungsmaßstab von 0,33-fach, das Filtergewinde misst 77 Millimeter. Am langen Ende stehen 500 Millimeter bei f/7,1, also etwas weniger Reichweite als bei der Konkurrenz. Wer mehr will, kombiniert es mit einem Extender und nimmt die beschriebene Zoomsperre in Kauf. Weitere RF-Objektive ordnet unser Ratgeber zu Canon-RF-Objektiven ein.
Sigma 150-600 mm F5-6.3 DG DN OS Sports
Sigma baut dieses Zoom für Sony E und den L-Mount, mit 2.100 Gramm inklusive Stativschelle. Gezoomt wird wahlweise durch Schieben oder Drehen. Am kurzen Ende stellt es ab 58 Zentimetern scharf, der größte Abbildungsmaßstab liegt bei 1:2,9. Den Stabilisator gibt Sigma mit etwa vier Blendenstufen bei 600 Millimetern an, mit dem neueren Steuerverfahren OS2 und aktueller Firmware mit bis zu 5,5. Gegen Staub und Spritzwasser ist es abgedichtet, laut Sigma für leichten Regen, nicht wasserdicht. An Sony-Kameras bietet es kürzere Nahdistanz als das Sony 200-600, verzichtet aber auf einen Konverter.
Welches Objektiv zu wem passt
- Sony oder Nikon Z, viel zu Fuß, auch Insekten am Teich: Tamron 150-500 mm.
- Sony und der Wunsch, später auf 840 Millimeter zu gehen: Sony FE 200-600 mm mit SEL14TC.
- Nikon Z und regelmäßig scheue Vögel auf Distanz: NIKKOR Z 180-600 mm.
- Canon EOS R und lange Wanderungen: RF 100-500 mm, den Extender nur für helles Licht.
- L-Mount mit Konverter-Option, oder Sony mit Wunsch nach kurzer Nahdistanz: Sigma 150-600 mm DG DN.
Quellen
- Tamron: 150-500mm F/5-6.7 Di III VC VXD, technische Daten
- Tamron: 150-500mm F/5-6.7 Di III VC VXD, Produktseite
- Sony Japan: FE 200-600 mm F5.6-6.3 G OSS, technische Daten
- Nikon: NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR
- Canon: RF100-500mm F4.5-7.1 L IS USM
- Canon Japan: Extender RF1.4x, kompatible Objektive
- Canon Japan: Extender RF2x, kompatible Objektive
- Sigma: 150-600mm F5-6.3 DG DN OS Sports
- LBV: Horstschutz beim Schwarzstorch
- LBV: Tipps zur Vogelfotografie
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