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Offener HiFi-Kopfhörer kaufen 2026: Planar oder dynamisch

Offener HiFi-Kopfhörer: was Klangbühne, Impedanz und Empfindlichkeit bedeuten, wann ein Verstärker nötig ist, dazu fünf aktuelle Modelle.

Redaktion handgetestet · Zuletzt aktualisiert: 02.11.2026
Unsere Wahl für die meistenSennheiser HD 600Ausgewogener Einstieg mit VerstärkerBei Amazon ansehenPartnerlink
Auch im VergleichBeyerdynamic DT 1990 PRO MKIIOhne Verstärker, auch für MischarbeitBei Amazon ansehenPartnerlink

Redaktionelle Auswahl nach Recherche, nicht selbst getestet. Gründe und Einschränkungen stehen im Text.

Inhalt11 Abschnitte

Wer einen offenen Kopfhörer kauft, kauft ihn für zu Hause. Das klingt banal, entscheidet aber fast alles. Die Ohrmuscheln sind hinten nur mit einem Gitter verschlossen, Musik dringt hinaus und Geräusche von außen herein. Für ruhige Abende am Schreibtisch oder im Sessel halten wir den Sennheiser HD 600 für den vernünftigsten Einstieg, sofern ein Verstärker mit genügend Spannung vorhanden ist. Ohne zusätzliches Gerät kommt der Beyerdynamic DT 1990 PRO MKII mit seinen 30 Ohm leichter zurecht.

In der Bahn, im Großraumbüro oder neben jemandem, der schlafen will, ist ein offenes Modell fehl am Platz. Wer das vorher klärt, spart sich einen Fehlkauf, der sich nicht mit Zubehör reparieren lässt.

Was „offen“ beim Hören verändert

Offen heißt: Hinter dem Wandler sitzt keine geschlossene Schale, sondern ein Gitter. Sennheiser beschreibt die Ohrmuscheln des HD 600 als akustisch durchlässig, damit sich jede Schallwelle frei ausbreiten könne, und verspricht einen natürlichen, räumlichen Klang.

Mit Klangbühne ist gemeint, wie weit und wie genau Instrumente im Kopf verteilt erscheinen. In keinem der Datenblätter dieses Vergleichs steht dafür eine Zahl. Viel hängt von der Aufnahme ab und davon, wie die Polster sitzen. Darum sollten Sie Herstellerworte wie „räumlich“ oder „weit“ als Richtung lesen, nicht als Zusage.

Und der Bass? Auch hier lohnt der Blick ins Datenblatt. AKG wirbt beim K712 PRO mit einer um drei Dezibel verbesserten Tieftonwiedergabe, Sennheiser gibt beim HD 660S2 einen Frequenzgang ab 8 Hz an. Vergleichen lassen sich solche Werte nur bedingt: Sennheiser misst die Grenze beim HD 660S2 dort, wo der Pegel um 10 dB abgefallen ist.

Dynamisch oder planar?

Ein dynamischer Wandler funktioniert wie ein kleiner Lautsprecher. Eine Schwingspule am Magneten bewegt die Membran; laut HiFiMan wird dabei nur ein Teil der Fläche direkt angetrieben. Sennheiser, AKG und Beyerdynamic bauen ihre Modelle in diesem Ratgeber so.

Bei planarmagnetischen Kopfhörern liegen die Leiterbahnen dagegen hauchdünn über die ganze Folie verteilt, davor sitzen Magnete. HiFiMan erklärt in der Anleitung zum Edition XS, dass die Membran dadurch gleichmäßig angetrieben werde und weniger verzerre. Das ist eine Herstellerangabe. Was sich dagegen klar ablesen lässt, ist das Gewicht: Der Edition XS wiegt 405 Gramm, ein HD 600 laut Sennheiser 260 Gramm. Bei Abenden mit Opern in voller Länge ist das kein Detail.

Eine Glaubensfrage sollte man daraus nicht machen. Wie stark schon Kleinigkeiten zählen, zeigt Beyerdynamic: Dem DT 1990 PRO MKII liegen zwei Polstersätze bei, die laut Hersteller unterschiedlich klingen.

Impedanz, Spannung und die Frage nach dem Verstärker

Hier wird es technisch. Ein Kopfhörer mit 300 Ohm wird am Laptop nicht unbedingt leise. Er bekommt aber womöglich nicht genug Spannung für kräftige Pegelspitzen, und dann stößt der Verstärker an seine Grenze, bevor der Kopfhörer es tut. Aussagekräftiger als die Ohmzahl ist der Kennschalldruck bezogen auf ein Volt.

Ein Rechenbeispiel mit den Herstellerangaben. Der HD 600 erreicht laut Sennheiser 97 dB bei 1 Volt. Für 100 dB braucht er also rund 1,4 Volt, für Spitzen von 110 dB etwa 4,5 Volt. Der HD 660S2 ist mit 104 dB bei 1 Volt deutlich empfindlicher und kommt für dieselben 110 dB mit rund 2 Volt aus. Der AKG K712 PRO liegt mit 105 dB pro Volt ähnlich. Der Beyerdynamic DT 1990 PRO MKII schafft laut Hersteller 94 dB mit einem Milliwatt; bei 30 Ohm entspricht das gut 109 dB pro Volt.

Der HiFiMan Edition XS zeigt, warum die Ohmzahl allein in die Irre führt. Mit 18 Ohm wirkt er leicht anzutreiben. Ist er nicht. Er braucht aber für 100 dB laut seiner Angabe von 92 dB rund 6 Milliwatt, ähnlich viel Leistung wie der HD 600, nur eben als Strom statt als Spannung. Ein Ausgang, der wenig Strom liefert, kann dabei an seine Grenze kommen, obwohl die Ohmzahl harmlos aussieht.

Die praktische Regel: Schauen Sie ins Datenblatt Ihres Wandlers oder Verstärkers und vergleichen Sie Ausgangsspannung und Leistung an der passenden Impedanz mit den Zahlen oben. Was Desktop-Geräte und USB-Wandler leisten und worauf es bei der Ausgangsimpedanz ankommt, erklärt unser Ratgeber zu Kopfhörerverstärker und DAC.

Lautstärke und Gehör

Offene Kopfhörer lassen Umgebungslärm durch. In unruhigen Räumen liegt es nahe, lauter zu drehen. Das Umweltbundesamt nennt für tragbare Abspielgeräte Musikpegel bis 110 dB(A) und rät, eine gemäßigte Lautstärke zu wählen. Zum Vergleich: Am Arbeitsplatz darf der Beurteilungspegel über acht Stunden höchstens 85 dB(A) betragen. Ungewohnte Ohrgeräusche nach dem Hören wertet das Amt als Warnsignal, Ruhephasen unter 70 dB(A) helfen bei der Erholung. Ein starker Verstärker ist also kein Freibrief. Wer leiser hört, schont das Gehör.

Fünf offene Kopfhörer im Vergleich

ModellWandlerImpedanz und EmpfindlichkeitGewichtFür wenAngebot (Partnerlink)
Sennheiser HD 600dynamisch, 42 mm300 Ω, 97 dB bei 1 V260 gAusgewogener Einstieg mit Verstärkeransehen
Sennheiser HD 660S2dynamisch300 Ω, 104 dB bei 1 Vca. 260 gEmpfindlicher, mit 4,4-mm-Kabelansehen
Beyerdynamic DT 1990 PRO MKIIdynamisch, 45 mm30 Ω, 94 dB bei 1 mW376 gOhne Verstärker, auch für Mischarbeitansehen
AKG K712 PROdynamisch62 Ω, 105 dB bei 1 V235 gLeicht, für lange Sitzungenansehen
HiFiMan Edition XSplanarmagnetisch18 Ω, 92 dB405 gPlanar-Einstieg mit kräftigem Verstärkeransehen

Sennheiser HD 600

Den HD 600 gibt es nach Angaben von Sennheiser seit mehr als 20 Jahren, montiert wird er in Irland. Die Eckdaten sind schlicht: 42-Millimeter-Wandler, 300 Ohm, 97 dB bei 1 Volt, 260 Gramm, abnehmbares Drei-Meter-Kabel mit Adapter. Der Hersteller beschreibt ihn als Kopfhörer für analytisches Hören. Wer neutral abgestimmte Wiedergabe sucht und einen Verstärker mit einigen Volt Reserve besitzt, findet hier wenig Grund für mehr. Ohne Verstärker würden wir ihn nicht kaufen.

Sennheiser HD 660S2

Gleiche Impedanz, höhere Empfindlichkeit. Und mehr Zubehör. Laut Kurzanleitung reicht der Frequenzgang von 8 bis 41.500 Hz, der Kennschalldruck liegt bei 104 dB pro Volt und der Klirrfaktor bei höchstens 0,04 Prozent. Im Karton liegen zwei Kabel mit 1,8 Metern, eins mit 6,35-mm-Klinke und eins mit symmetrischem 4,4-mm-Stecker. Wer schon einen Verstärker mit 4,4-mm-Buchse besitzt, braucht also kein Zubehör. Wer schwächere Quellen hat, profitiert zudem von der höheren Empfindlichkeit. Ein Pflichtumstieg vom HD 600 ist er nicht.

Beyerdynamic DT 1990 PRO MKII

Mit 30 Ohm und zwei Sätzen Ohrpolster ist das der flexibelste Kandidat. Die Polster „Producing“ sollen laut Beyerdynamic etwas mehr Bass liefern, die Variante „Mixing & Mastering“ analytischer klingen. Dazu kommen ein gerades Kabel mit drei Metern, ein Spiralkabel mit fünf Metern, ein Hartschalenkoffer und ein verriegelbarer Mini-XLR-Stecker. Gefertigt wird in Deutschland, die Wandler stammen laut Hersteller aus Heilbronn. Mit 376 Gramm wiegt er allerdings gut 110 Gramm mehr als die beiden Sennheiser.

AKG K712 PRO

Leicht. Mit 235 Gramm ohne Kabel ist der K712 PRO der leichteste Kopfhörer im Vergleich. AKG nennt 62 Ohm, 105 dB pro Volt und 200 Milliwatt Belastbarkeit; dazu kommen ein Mini-XLR-Anschluss, ein Spiralkabel und eine Tasche. Für Spitzen von 110 dB rechnerisch rund 1,8 Volt: Ob Ihr Wandler oder Audio-Interface das liefert, verrät dessen Datenblatt. Den Kopfbügel bezieht AKG mit echtem Leder; wer das nicht möchte, schaut sich die anderen Modelle an.

HiFiMan Edition XS

Der einzige Planarkopfhörer in diesem Vergleich. HiFiMan setzt auf eigens geformte „Stealth“-Magnete, die den Schall weniger behindern sollen, und eine sehr dünne Membran. Laut Anleitung: 18 Ohm, 92 dB, 8 Hz bis 50 kHz, 405 Gramm, Kabel 1,5 Meter mit 3,5-mm-Stecker. Die niedrige Empfindlichkeit macht einen stromstarken Verstärker sinnvoll. Inzwischen gibt es eine Ausführung mit neuem Kopfbügel, achten Sie beim Kauf auf die Bezeichnung.

So würden wir entscheiden

  • Sie haben schon einen Kopfhörerverstärker oder planen einen: Sennheiser HD 600, oder der HD 660S2, wenn Ihr Gerät eine 4,4-mm-Buchse hat oder wenig Spannung liefert.
  • Sie hören direkt am Rechner oder Audio-Interface: Beyerdynamic DT 1990 PRO MKII, wegen 30 Ohm und der zwei Polstersätze.
  • Sie tragen den Kopfhörer stundenlang: AKG K712 PRO als leichtestes Modell.
  • Sie wollen planar hören: HiFiMan Edition XS, sofern Sie die 405 Gramm nicht stören und ein stromstarker Verstärker bereitsteht.

Wer dagegen unterwegs oder in lauter Umgebung hört, sollte sich die geschlossene Bauweise ansehen, etwa in unserem Ratgeber zu Studiokopfhörern.

Quellen

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