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Wer mit Astrofotografie anfängt, kauft oft zuerst ein neues Objektiv. Der Engpass liegt woanders. Die Erde dreht sich um 15 Grad pro Stunde, und schon nach wenigen Sekunden Belichtung ziehen Sterne kleine Striche. Darum steht am Anfang eine Nachführung wie die Sky-Watcher Star Adventurer 2i, erst danach das lichtstarke Weitwinkel. Wer gar keine Kamera besitzt oder sich mit Bildbearbeitung nicht beschäftigen will, ist mit einem Smart-Teleskop von ZWO besser bedient.
Kamera schon da? Dann zählt zuerst die Montierung
Ein Reisetracker ist im Kern ein kleiner Motor mit Schneckengetriebe, der die Kamera um eine Achse parallel zur Erdachse dreht. Damit das funktioniert, muss diese Achse auf den Himmelspol zeigen. Bei uns liegt er knapp neben dem Polarstern. Beide Tracker in diesem Ratgeber haben dafür ein beleuchtetes Polsucherfernrohr eingebaut. Das Einnorden braucht beim ersten Mal Geduld. Mit Übung wird es Routine.
Auf dem Papier tragen die Geräte 5 Kilogramm. Das klingt nach Reserve. Rechnen Sie trotzdem ehrlich: Kamera mit Akku, Objektiv, Kugelkopf, Gegengewicht. Ein Samyang 14 mm wiegt laut Hersteller mit Sony-E-Anschluss bereits 708 Gramm. Je näher die Last an der Grenze liegt, desto eher verliert ein Tracker bei längeren Belichtungen die Spur. Für Teleobjektive jenseits von 200 mm ist ein Reisetracker ohnehin der falsche Ort. Dort beginnt das Gebiet der großen Montierungen, die wir im Teleskop-Ratgeber einordnen.
Ein solides Stativ gehört dazu. Ein leichtes Reisestativ reicht für Weitwinkel, wackelt aber bei Wind. Hinweise zu Beinen und Köpfen stehen in unserem Reisestativ-Ratgeber.
Sechs Bausteine für den Nachthimmel
| Modell | Art | Eckdaten laut Hersteller | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|
| Sky-Watcher Star Adventurer 2i (Wi-Fi) | Nachführung | bis 5 kg Last, 1 kg Eigengewicht, 4 AA-Batterien oder 5 V per USB | Fotografen mit eigener Kamera | ansehen |
| iOptron SkyGuider Pro | Nachführung | 5 kg ausbalanciert, 1 kg mit Akku, Akku 2.000 mAh | wer lieber per USB lädt als Batterien wechselt | ansehen |
| ZWO Seestar S50 Pro | Smart-Teleskop | 50 mm Öffnung, 260 mm Brennweite, 2,8 kg, bis 9 Std. Akku | Einsteiger ohne Kamera, die Nebel und Galaxien sehen wollen | ansehen |
| ZWO Seestar S30 Pro | Smart-Teleskop | 30 mm Öffnung, 160 mm Brennweite, 1,65 kg, 6 Std. Akku | Reisende und größere Himmelsfelder | ansehen |
| Samyang MF 14mm F2.8 MK2 | Weitwinkel | Blende 2,8, 115,7 Grad Bildwinkel an Vollformat, manueller Fokus | Milchstraße über Landschaft | ansehen |
| Optolong L-Pro | Filter | dämpft Natrium- und Quecksilberlinien, als Clip, Schraub- und Okularfilter | Stadtrand und Galaxien | ansehen |
Sky-Watcher Star Adventurer 2i
Der kleine Kasten wiegt laut Anleitung 1 kg und trägt bis zu 5 kg. Er läuft mit vier AA-Zellen oder über eine Powerbank am Mini-USB-Anschluss, steuert den Kameraauslöser selbst und lässt sich per App über WLAN einstellen. Praktisch ist das Dithering: Der Tracker verschiebt das Bild zwischen den Aufnahmen minimal, was beim Stapeln Hotpixel und Satellitenspuren leichter entfernen lässt. Ein Detail steht erst im Datenblatt. Sky-Watcher nennt als Betriebstemperatur 0 bis 40 °C. Für Frostnächte im Januar ist das keine Zusage.
iOptron SkyGuider Pro
Gleiche Last. Andere Energie. Ein eingebauter Lithium-Polymer-Akku mit 2.000 mAh lädt über Mini-USB, laut iOptron sind nach fünf Stunden 80 Prozent erreicht. Die 5 kg Last gelten ausbalanciert und ohne das 1,35 kg schwere Gegengewicht. Neben Stern-, Sonnen- und Mondgeschwindigkeit gibt es die halbe Sterngeschwindigkeit. Sie teilt die Bewegung zwischen Himmel und Vordergrund auf, damit beides nur leicht unscharf wird. Wer das Einnorden scheut, findet ein Paket mit elektronischem Polsucher iPolar.
ZWO Seestar S50 Pro
Teleskop, Kamera, Motor und Steuerung stecken in einem Gehäuse. Hinter der 50-mm-Optik mit vier Linsen und ED-Glas sitzt ein Sensor mit 8,3 Megapixeln, das Bildfeld misst 2,8 Grad. Ein Zweibandfilter für H-Alpha und OIII ist eingebaut, dazu eine zweite Weitwinkelkamera zum Ausrichten. Bis zu neun Stunden Laufzeit nennt ZWO, allerdings bei über 25 °C. Solche Werte bietet eine Herbstnacht selten. Belichtungen von 60 Sekunden gibt es nur im äquatorialen Modus mit sauberem Einnorden; dafür bietet ZWO den Neigekopf TH10 an.
ZWO Seestar S30 Pro
Klein und leicht. Die kleinere Ausführung wiegt 1,65 kg und passt damit auch in einen Tagesrucksack, der schon Stativ, Stirnlampe und eine warme Jacke für die Nacht tragen muss. Mit 30 mm Öffnung sammelt sie weniger Licht, zeigt aber mit 4,6 Grad ein deutlich größeres Feld. Ausgedehnte Nebelfelder passen so leichter auf ein Bild. Akku: 6.000 mAh, laut ZWO rund sechs Stunden. Für den äquatorialen Modus nennt der Hersteller zusätzliches Zubehör als Voraussetzung.
Samyang MF 14mm F2.8 MK2
Ein Bildwinkel von 115,7 Grad an Vollformat holt den ganzen Milchstraßenbogen samt Vordergrund ins Bild. Fokussiert wird von Hand, was nachts ohnehin üblich ist; eine Fokussperre hält die Einstellung, wenn Sie am Ring hängenbleiben. Laut Samyang sind alle Anschlüsse außer Nikon F gegen Spritzwasser abgedichtet. Die gewölbte Frontlinse hat kein Filtergewinde. Wer später filtern will, braucht einen Clipfilter für das Kameragehäuse. Mehr Brennweite für Mond und Planeten liefert das, was wir im Ratgeber zu Teleobjektiven beschreiben, allerdings nur mit einer Montierung, die solche Lasten trägt.
Optolong L-Pro gegen die Stadtglocke
Der Mehrbandfilter dämpft laut Optolong die Natriumlinie bei 589 nm und Quecksilber bei 435 und 578 nm, lässt aber H-Alpha, H-Beta, OIII und SII durch. Gedacht ist er für Galaxien, Reflexionsnebel und Kugelsternhaufen. Es gibt ihn als 1,25- und 2-Zoll-Filter, als 77- und 82-mm-Schraubfilter sowie als Clip für Canon-, Nikon- und Sony-Gehäuse.
Eine Grenze sollten Sie kennen. Weiße LED-Straßenlampen leuchten nicht in einzelnen Linien, sondern über einen breiten Bereich des Spektrums. Gegen dieses Licht hilft ein Filter weniger als gegen alte Natriumdampflampen. Engere Zweibandfilter sind laut Optolong für Emissionsnebel gedacht, nicht für Galaxien. Am meisten bringt nach wie vor der Weg zu einem dunkleren Ort.
Nie ungeschützt in die Sonne
ZWO schreibt vor, beim Beobachten der Sonne den mitgelieferten Sonnenfilter aufzusetzen. Die Hauptkamera darf nie direkt auf die Sonne gerichtet werden, sonst droht ein bleibender Schaden am Gerät. Sky-Watcher warnt in der Anleitung des Star Adventurer 2i davor, durch den Polsucher in die Sonne zu blicken, weil das die Augen dauerhaft schädigen kann. Optolong stellt klar, dass seine Filter nicht für die Sonne gedacht sind. Ein Filter gegen Lichtverschmutzung ist kein Sonnenfilter. Nie.
So würden wir entscheiden
- Sie besitzen eine spiegellose Kamera oder eine Spiegelreflex und wollen die Milchstraße fotografieren: Star Adventurer 2i plus ein 14-mm-Objektiv.
- Sie laden lieber per USB, statt Batterien mitzunehmen: SkyGuider Pro. Bei der Last nehmen sich beide wenig.
- Sie haben keine Kamera und wollen Nebel sehen, ohne Bilder am Rechner zu stapeln: Seestar S50 Pro. Sein engeres Feld zeigt kleinere Galaxien größer.
- Gewicht zählt mehr als Lichtsammlung, etwa auf Reisen mit Handgepäck: Seestar S30 Pro.
- Sie wohnen am Stadtrand: zuerst einen dunkleren Ort suchen, dann über den L-Pro nachdenken.
Ein Smart-Teleskop ersetzt keine Kamera mit Weitwinkel. Wer Bäume, Berge und Milchstraße auf einem Bild will, kommt um Tracker und Objektiv nicht herum.
Quellen
- Sky-Watcher: Anleitung Star Adventurer 2i (PDF)
- iOptron: SkyGuider Pro
- ZWO: Seestar S50 Pro
- ZWO: Seestar S30 Pro
- Samyang: MF 14mm F2.8 MK2
- Optolong: L-Pro
- Optolong: L-eNhance
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