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Fast jeder Stromanbieter hat heute einen Ökostromtarif im Angebot, oft kaum teurer als der normale. Das klingt gut. Dem Klima bringt es aber häufig wenig. Die Verbraucherzentrale kommt zu einem klaren Urteil: Die meisten Ökostromtarife haben keinen echten Klimanutzen, sinnvoll sind vor allem Tarife mit einem anerkannten Siegel. Wer das weiß, kann mit dem Wechsel tatsächlich etwas bewegen.
Warum Ökostrom oft nur auf dem Papier grün ist
Grundlage jedes Ökostromtarifs ist der Herkunftsnachweis. Das Umweltbundesamt führt dafür ein Register, das verhindern soll, dass dieselbe Kilowattstunde zweimal als Ökostrom verkauft wird. Ein Anbieter darf Strom nur dann als grün ausweisen, wenn er entsprechende Nachweise entwertet. Ein Qualitätssiegel ist der Nachweis aber nicht. Er belegt nur die Menge.
Der Knackpunkt liegt in der Herkunft. Strom aus Anlagen, die über das Erneuerbare-Energien-Gesetz gefördert werden, bekommt in Deutschland keinen Herkunftsnachweis. Deshalb stammen die Nachweise laut Verbraucherzentrale meist aus dem Ausland, etwa aus Wasserkraftwerken in Norwegen oder Österreich. Dieser Strom wird ohnehin erzeugt. Kauft ein Anbieter nur den Nachweis dazu, wird er auf dem Papier Ihnen zugeordnet, am Anteil grünen Stroms ändert sich insgesamt nichts. Die Nachweise kosten nur einen Bruchteil eines Cents je Kilowattstunde, was den niedrigen Aufpreis erklärt. Immerhin müssen Anbieter seit November 2023 angeben, aus welchen Ländern ihre Nachweise stammen.
Woran Sie wirksamen Ökostrom erkennen
Umweltbundesamt und Verbraucherzentrale nennen dieselben beiden Siegel: das Grüner Strom Label und das Siegel EnergieVision, früher als ok-power-Label bekannt. Beide sollen sicherstellen, dass der Tarif den Ausbau erneuerbarer Energien fördert. Laut Verbraucherzentrale schließen sie Beteiligungen an Atom- und Kohlekraftwerken weitgehend aus.
| Tarif | Grundlage | Klimanutzen laut Verbraucherzentrale | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|
| Ökostrom mit Grüner Strom Label | Herkunftsnachweise plus Kriterien zum Ausbau | Mindestnutzen für die Energiewende | ansehen |
| Ökostrom mit Siegel EnergieVision | Herkunftsnachweise plus Kriterien zum Ausbau | Mindestnutzen für die Energiewende | ansehen |
| Ökostrom ohne Siegel | meist nur Herkunftsnachweise | in vielen Fällen kein Klimanutzen | ansehen |
| Regionalstrom | Regionalnachweise für geförderte Anlagen | kein zusätzlicher Ausbau | ansehen |
Schauen Sie außerdem auf den Anbieter selbst. Das Umweltbundesamt rät: Verkauft ein Unternehmen überwiegend Strom aus Kohle- oder Gaskraftwerken, wechseln Sie besser den Anbieter, statt nur den Tarif. Welche Quellen hinter Ihrem Strom stecken, zeigt die Stromkennzeichnung auf der Rechnung.
Und der Preis?
Ökostrom ist oft nicht teurer als konventioneller Strom. Manchmal sogar günstiger. Der Preis allein sagt laut Verbraucherzentrale aber wenig über den Nutzen. Ein Siegeltarif kann etwas mehr kosten, weil ein Teil des Geldes in neue Anlagen fließen soll. Ansonsten gelten dieselben Regeln wie bei jedem Stromvertrag: Bonus aus dem Vergleich herausrechnen, Laufzeit von etwa einem Jahr, Preisgarantie genau lesen. Alles dazu steht im Ratgeber Stromanbieter wechseln.
Was beim Gas anders ist
Beim Gas gibt es keine vergleichbar verlässlichen Siegel. Tarife mit Biomethan enthalten oft nur 1 bis 10 Prozent davon, Kompensationsangebote hält die Verbraucherzentrale für kaum überprüfbar.
Am wirksamsten bleibt, weniger Energie zu verbrauchen oder selbst zu erzeugen. Ein Balkonkraftwerk ist dafür ein guter Anfang.
Hat Ihr Versorger gerade die Preise erhöht? Dann dürfen Sie zum Tag der Erhöhung kündigen. Wie das geht, steht im Ratgeber Strompreiserhöhung: was tun?
Quellen
- Umweltbundesamt: Mit Ökostrom das Klima schützen
- Umweltbundesamt: Stromkennzeichen und Herkunftsnachweis
- Verbraucherzentrale: Ist ein Tarif mit Ökostrom und Ökogas sinnvoll?
Wo Sie die Produkte bekommen
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