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Stumpfe Küchenmesser haben selten ein Stahlproblem. Meistens fehlt das passende Werkzeug, oder es wird im falschen Winkel geschärft. Wer bereit ist, eine halbe Stunde zu üben, fährt mit einem Kombistein der Körnung 1000/3000 am weitesten; wer den Winkel lieber einer Führung überlässt, greift zum Rollschleifer, und der Wetzstahl bleibt das, was er ist: ein Werkzeug für zwischendurch.
Dieser Ratgeber erklärt zuerst die Technik dahinter. Körnung, Schleifwinkel und Stahlhärte entscheiden, ob ein Schärfer zu Ihren Messern passt. Die Marke kommt danach.
Was die Zahl auf dem Stein bedeutet
Je höher die Körnung, desto feiner das Schleifkorn und desto weniger Material trägt der Stein ab. Zwilling ordnet die Stufen in seiner Schleifanleitung so ein: 250 für Scharten und einen neuen Grundschliff, 1000 für den normalen Schärfvorgang, 3000 für den Feinschliff, 5000 und 8000 zum Polieren. Mit dieser Einteilung lässt sich fast jede Kaufentscheidung erklären.
Ein Haushaltsmesser, das regelmäßig gepflegt wird, braucht keinen 250er. Er frisst Stahl. Den holt man aus dem Schrank, wenn die Spitze abgebrochen ist oder jemand mit dem Kochmesser eine Konservendose geöffnet hat. Im Küchenalltag genügt die 1000er Seite, die 3000er glättet die Schneide danach. Ob es danach noch einen 6000er braucht, ist eher Geschmackssache: Tomatenhaut und Fisch schneiden sich mit einer polierten Schneide spürbar sauberer, Zwiebeln merken den Unterschied kaum.
Vorsicht bei Zahlen auf Durchzugschärfern. Zwilling gibt die Keramikstäbe des V-Edge in F-Körnung an, also nach einer anderen Norm als die Zahlen japanischer Wassersteine. Ein „F360“ lässt sich darum nicht eins zu eins mit einem 360er Stein vergleichen.
15 oder 20 Grad: Der Winkel zählt mehr als das Gerät
Gemessen wird pro Seite. Zwilling schleift seine Messer nach eigenen Angaben auf etwa 15 Grad je Seite, zusammen also rund 30 Grad. Bei den japanischen Miyabi-Messern derselben Firma sind es 9,5 bis 12 Grad je Seite. Bei Wüsthofs Schneidtechnik PEtec sind es 14,5 Grad pro Seite. Robuste Outdoor- und Taschenmesser liegen eher bei 20 Grad.
Warum das wichtig ist? Ein flacher Winkel schneidet leichter, bricht aber schneller aus. Ein steiler Winkel hält länger, fühlt sich jedoch früher stumpf an. Wer ein japanisches Gyuto mit 20 Grad nachschleift, verschenkt genau die Schärfe, für die er bezahlt hat. Umgekehrt verträgt ein weicheres europäisches Messer einen sehr flachen Winkel schlecht.
Am Stein halten Sie den Winkel selbst. Zwilling empfiehlt als Hilfe zwei aufeinandergelegte Zwei-Euro-Münzen unter dem Klingenrücken. Rollschleifer, elektrische Geräte und Durchzugschärfer geben den Winkel dagegen fest vor. Das ist ihr eigentlicher Vorteil, und zugleich ihre Grenze: Passt der vorgegebene Winkel nicht zum Messer, schleift das Gerät einen neuen.
Harter Stahl, andere Werkzeuge
Die Härte von Messerstahl wird in HRC angegeben, der Rockwell-Skala. Deutsche Küchenmesser liegen laut Zwilling meist zwischen 55 und 58 HRC, japanische zwischen 61 und 66. Bei Wüsthof sind es nach Firmenangabe 58 HRC in den Serien Classic und Ikon, 56 in der Serie Gourmet.
Für den Wetzstahl hat das eine handfeste Folge. Er muss härter sein als die Klinge, sonst richtet er nichts aus. Ein verchromter Stahl trägt kaum Material ab und taugt für die Pflege deutscher Messer. Für Klingen ab etwa 60 Rockwell rät Zwilling zu Keramik, die deutlich härter ist und mehr abträgt. Wer also ein Santoku mit 62 HRC besitzt und es am alten Wetzstahl aus dem Messerblock abzieht, poliert bestenfalls den Stahl des Wetzstabs.
Sehr harte Klingen sind außerdem spröde. Grobe Stufen und viel Druck können kleine Ausbrüche an der Schneide verursachen. Hier spricht vieles für Steine oder einen Rollschleifer mit Diamantscheibe, bei denen sich der Druck dosieren lässt.
Stein, Rolle, Strom oder Durchzug?
Der Wasserstein ist das vielseitigste Werkzeug. Jeder Winkel geht, jede Härte auch. Er verlangt aber Übung, eine rutschfeste Unterlage und Geduld. Zwilling beschreibt den Ablauf so: Stein wässern, bis keine Blasen mehr aufsteigen, mit leichtem Druck erst eine Seite, dann die andere, bis sich quer zur Schneide ein feiner Grat ertasten lässt. Weiche Steine nutzen sich mit der Zeit mittig ab und müssen gelegentlich plan geschliffen werden.
Rollschleifer halten das Messer magnetisch in einer Lehre fest. Eine Scheibe rollt an der Schneide entlang. Das ist kaum zu verpatzen. Elektrische Schärfer arbeiten noch schneller, nehmen aber mehr Material weg, als viele denken. Einfache Durchzugschärfer kosten wenig und sind in Sekunden benutzt; ihr fester Winkel und die kleinen Schleifflächen machen sie zur Lösung für Messer, an denen man nicht hängt.
Sieben Schärfer im Vergleich
| Modell | Bauart und Schleifmittel | Winkel | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|
| Naniwa Kombistein 1000/3000 | Wasserstein, Körnung 1000 und 3000, 185 × 65 × 30 mm | frei wählbar | Einsteiger am Stein, deutsche und japanische Messer | ansehen |
| King KDS 1000/6000 | Wasserstein mit Halter und Abrichtstein laut Händler | frei wählbar | alle, die eine polierte Schneide wollen | ansehen |
| HORL 3 Cruise | Rollschleifer, Diamant- und Edelstahl-Abziehscheibe, fest montiert | 15° / 20° | Einstieg ohne Freihandübung | ansehen |
| HORL 3 | Rollschleifer, Diamant- und Keramikscheibe, wechselbar | 15° / 20° | Messersammlungen, später Feinsteine nachrüsten | ansehen |
| Chef’sChoice 1520 AngleSelect | elektrisch, Diamantscheiben | 15° / 20° | viele Messer, wenig Zeit, auch Wellenschliff | ansehen |
| Zwilling V-Edge | V-förmiger Keramikstab-Schärfer, F150 und F360 | ca. 15° / ca. 10° | Nachschärfen glatter Klingen, auch japanisch | ansehen |
| Zwilling Wetzstahl 23 cm | verchromter Stahl | freihändig, 15–20° empfohlen | Pflege deutscher Messer zwischen dem Schleifen | ansehen |
Naniwa Kombistein 1000/3000
Naniwa aus Osaka führt den Stein als Basic-Kombistein MV-510/530 mit 185 × 65 × 30 mm. Zwei Seiten, zwei Aufgaben: schärfen und glätten. Genau diese Kombination nennt auch Zwilling als Grundausstattung. Der Stein kostet wenig und ist der vernünftigste Einstieg, sofern Sie den Winkel selbst halten wollen.
King KDS 1000/6000
Der Klassiker aus Japan. Statt 3000 folgt hier eine 6000er Seite, die eher poliert als schärft. Händler beschreiben die 1000er Seite als Stein zum Wässern, die feine Seite als Stein, der nur benetzt wird. Ein Halter und ein kleiner Abrichtstein gehören laut Händlerangabe dazu. Wer von einem 1000er direkt auf 6000 springt, braucht etwas mehr Geduld beim Feinschliff.
HORL 3 Cruise
HORL selbst nennt ihn das Einsteigermodell. Laut HORL arbeitet es mit einer Diamantscheibe zum Schleifen und einer Abziehscheibe aus Edelstahl, beide fest verbaut. Die Magnetlehre bietet 15 Grad für dünne Klingen aus Kohlenstoff- oder Damaststahl und 20 Grad für Koch- und Outdoormesser. Das Gehäuse besteht aus Kunststoff. Preislich spielt der Cruise in der Mittelklasse, also deutlich über einem Stein.
HORL 3
Gleiche Winkel, aber ein Gehäuse aus Eiche oder Nussbaum und eine Keramik- statt Edelstahlscheibe zum Abziehen. Wichtiger als das Holz ist der Schnellwechsel: Die Scheiben lassen sich tauschen, HORL bietet dafür zwei Schleifsteine und eine besonders feine Scheibe an. Wer ein japanisches Messer unter 15 Grad schärfen will, findet die passenden Winkel erst beim HORL 3 Pro mit sechs Stufen von 10 bis 25 Grad. Den Pro halten wir in einer normalen Haushaltsküche für überdimensioniert.
Chef’sChoice 1520 AngleSelect
Ein elektrischer Schärfer mit Diamantscheiben, der wahlweise auf 15 oder 20 Grad schleift. Laut Amazon-Angebot schafft er auch Wellenschliff, was ihn für Haushalte mit vielen Steakmessern mit Wellenschliff interessant macht. Gefertigt wird er nach Herstellerangabe in den USA. Er ist schnell, laut und trägt merklich Material ab; für ein teures Messer aus Damaststahl würden wir eher zum Stein raten.
Zwilling V-Edge
Kein klassischer Durchzug. Die Klinge wird senkrecht zwischen zwei schräg stehenden Keramikstäben nach unten gezogen. Zwei Winkeladapter liegen bei, laut Zwilling für etwa 15 Grad bei europäischen und etwa 10 Grad bei japanischen Klingen. Die blauen Stäbe sind grob (F150), die grünen mittelfein (F360). Wellenschliff kann der V-Edge nicht.
Zwilling Wetzstahl 23 cm
Verchromt, mit Kunststoffgriff. Er richtet die Schneide zwischen zwei Schleifgängen wieder auf und trägt dabei wenig ab. Zwilling empfiehlt fünf bis zehn Züge pro Seite bei 15 bis 20 Grad. Für Messer jenseits von 60 HRC und für Wellenschliff ist er die falsche Wahl.
Wer Wüsthof-Messer besitzt, kann sich auch den zweistufigen Handschärfer des Herstellers ansehen, mit einer groben Stufe aus Hartmetall und einer feinen aus Keramik. Er ist auf den flachen Wüsthof-Winkel abgestimmt.
Welcher Schärfer zu welcher Küche passt
- Zwei, drei gute Messer aus einem Messerset und etwas Lust am Handwerk: Naniwa 1000/3000, dazu der Wetzstahl für die Wochen dazwischen.
- Japanische Messer mit 60 HRC und mehr: Stein. Wer die Feinpolitur mag, nimmt den King 1000/6000.
- Kein Interesse am Üben, aber ein fester Winkel soll es sein: HORL 3 Cruise, bei vielen Messern der HORL 3.
- Großer Haushalt, Wellenschliff, wenig Zeit: Chef’sChoice 1520.
- Nur gelegentlich nachschärfen: Zwilling V-Edge.
Ein Rat zum Schluss. Schärfen Sie lieber oft und sanft als selten und grob. Jeder grobe Gang kostet Klinge.
Quellen
- Zwilling: Messer schleifen mit Schleifsteinen
- Zwilling: Messer-Schleifwinkel
- Zwilling: Messer schärfen
- Zwilling: Japanische und deutsche Küchenmesser
- Zwilling: V-Edge
- HORL: Rollschleifer
- HORL: Prinzip
- Naniwa Abrasive: Sharpening Stones
- Wüsthof: Precision Edge Technology
- Chef’sChoice: elektrische Schärfer
Wo Sie die Produkte bekommen
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