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Wer eine Video-Türsprechanlage kauft, entscheidet zuerst über die Leitung in der Wand und erst danach über Display, Kamera und App. Liegt im Haus nur ein alter Klingeldraht, ist fast immer ein 2-Draht-System die Antwort, etwa das Set Classe 300EOS von Bticino. Wer neu baut oder ohnehin Netzwerkkabel zieht, kann zur IP-Technik greifen. Und wer zur Miete in einem Mehrfamilienhaus wohnt, darf an der Haustür meist gar nichts tauschen.
Das klingt trocken. Es spart aber mehr Ärger als jeder Vergleich von Bildschirmdiagonalen, denn die Systeme der großen Hersteller lassen sich untereinander nicht mischen.
Zwei Adern, ein Bus: so arbeiten klassische Anlagen
Früher brauchte eine Sprechanlage für Klingel, Sprache, Türöffner und Licht je eigene Adern. Moderne Bus-Systeme schicken all das über zwei Drähte: Strom, Sprache, Steuerbefehle und bei Videoanlagen auch das Kamerabild. Gira schreibt zu seinem System 106 sinngemäß, dass sich die Leitung einer einfachen Klingelanlage meist weiterverwenden lässt, sogar für Video. Genau das macht den Reiz im Altbau aus. Niemand muss Schlitze in den Flur fräsen.
Der Bus ist allerdings herstellereigen. Siedle nennt seinen In-Home-Bus, Bticino arbeitet mit eigener 2-Draht-Technik, Gira mit dem eigenen Türkommunikations-System. Eine Gira-Innenstation versteht eine Siedle-Türstation nicht. Wer später nur das Gerät im Flur erneuern will, bleibt deshalb beim Hersteller der Außenstation. Bticino weist im Datenblatt der Classe 300EOS sogar ausdrücklich darauf hin, dass sie nur in reine 2-Draht-Anlagen gehört.
Aufs Smartphone kommt der Türruf bei diesen Systemen über ein Gateway, das den Bus mit dem Heimnetz verbindet. Bei Bticino steckt das WLAN schon in der Innenstation, bei Gira und Siedle ist es ein eigenes Gerät.
IP-Anlagen: das Hausnetz als Klingelleitung
Eine IP-Türstation ist im Grunde ein kleiner Netzwerkrechner mit Kamera, Mikrofon und Ruftaste. Sie hängt an einem Netzwerkkabel und bekommt ihren Strom oft gleich mit, per Power over Ethernet (PoE). Die Doorbird D2101V etwa läuft laut Datenblatt mit PoE nach 802.3af oder an einem 15-Volt-Netzteil und spricht SIP, also das Protokoll vieler Internettelefone. Ein Türruf erreicht damit neben dem Smartphone auf Wunsch auch das Festnetztelefon.
Der Vorteil heißt Offenheit. Doorbird nennt eine offene Schnittstelle und Anbindungen an KNX, Loxone oder die Fritzbox-Telefone von AVM. Wer sein Haus ohnehin vernetzt hat, bekommt so mehr Spielraum als mit einem geschlossenen Bus. Nur braucht es eben ein Netzwerkkabel bis zur Haustür. Liegt dort lediglich Klingeldraht, hilft bei Doorbird ein 2-Draht-Übertrager, der das Netzwerksignal über die alte Leitung schickt. Das ist eine Notlösung, keine Dauerempfehlung für einen Neubau.
Auch Gira bietet mit dem System 106 IP eine Variante, die Strom und Daten über ein Netzwerkkabel bezieht.
Was im Mehrfamilienhaus anders läuft
Im Einfamilienhaus gehört die ganze Anlage einem Haushalt. Im Mehrfamilienhaus teilen sich viele Wohnungen eine Türstation, eine Leitung und ein Netzgerät. Die Türstation am Eingang ist Gemeinschaftseigentum. Tauschen kann sie nur, wer die Anlage besitzt: der Vermieter oder bei Eigentumswohnungen die Gemeinschaft per Beschluss nach § 20 Wohnungseigentumsgesetz.
Technisch wächst der Aufwand mit jeder Partei. Bticino vermerkt für die Classe 300EOS, dass im Mehrfamilienhaus ein zusätzliches Netzteil nötig ist. Siedle verkauft sein Smart Gateway in zwei Größen: bis 10 IP-Teilnehmer mit fünf Nutzerlizenzen, die Professional-Fassung bis 50 Teilnehmer mit zwei Lizenzen. Weitere Lizenzen kosten extra. In einem Haus mit acht Parteien und je zwei Smartphones ist die kleine Fassung also schnell voll.
Mieter haben einen anderen Hebel. Ring Intercom Video wird an die vorhandene Wohnungssprechstelle angeschlossen und öffnet laut Ring die Haustür des Gebäudes per App, nicht aber die Wohnungstür. Das Bild kommt dabei von der Kamera der Hausanlage, ist also nur so gut wie diese. Ring nennt eine Prüfung, welche Anlagen passen. Diesen Test sollten Sie zuerst erledigen, denn Ring sagt selbst, dass nicht jede Sprechanlage kompatibel ist.
Kamera an der Haustür: was die Datenschutzaufsicht verlangt
Eine Video-Türsprechanlage filmt Menschen. Deshalb gilt die Datenschutz-Grundverordnung, auch für Privatleute. Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht hat die Bedingungen in einem Informationsblatt (Stand Juli 2026) aufgelistet. Danach ist eine Klingelkamera grundsätzlich bloß dann zulässig, wenn ihr einziger Zweck ist zu zeigen, wer geklingelt hat. Sie darf erst durch das Klingeln anspringen, höchstens zwei Minuten laufen und muss sich dann selbst abschalten. Gehweg und Nachbargrundstück dürfen nur so weit im Bild sein, wie es sich nicht vermeiden lässt. Bilder aufzeichnen, Gesichter erkennen lassen: beides fällt laut Landesamt heraus. Dazu kommt ein Hinweisschild mit den Angaben nach Artikel 13 DSGVO.
Das betrifft Funktionen, mit denen Hersteller werben. Bticino nennt einen Video-Anrufbeantworter, Ring speichert mit kostenpflichtigem Abo Aufnahmen bis zu 180 Tage, Doorbird bietet eine Besucherhistorie und einen Bewegungssensor. Prüfen Sie nach der Montage, was davon eingeschaltet ist.
Im Mietshaus kommen die Rechte der Nachbarn hinzu. Mieter können nach § 554 BGB verlangen, dass der Vermieter bauliche Veränderungen für den Einbruchsschutz erlaubt, Wohnungseigentümer nach § 20 WEG Ähnliches. Ob eine Videosprechanlage im Einzelfall darunter fällt, lässt sich ohne Prüfung des Einzelfalls nicht sicher sagen. Fragen Sie vorher schriftlich.
Selbst schrauben oder den Elektriker holen?
Ein Nachrüstmodul wie Ring Intercom ist für die Selbstmontage gedacht und läuft mit Akku. Bei einer echten Anlage sieht es anders aus. Sobald Netzgerät oder Gateway einen Platz im Verteiler brauchen oder eine neue 230-Volt-Leitung fällig wird, ändert sich die Lage. Arbeiten an der elektrischen Anlage hinter der Hausanschlusssicherung darf nach § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung grundsätzlich nur der Netzbetreiber oder ein eingetragener Installationsbetrieb ausführen. Siedle etwa bietet seinen Partnerbetrieben eigene Dienste für Inbetriebnahme und Wartung an. Kalkulieren Sie die Montage deshalb gleich mit ein.
Fünf Anlagen und Nachrüstlösungen im Vergleich
| Modell | Technik | Innenstation / App | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|
| Bticino Classe 300EOS with Netatmo Set (363915) | 2-Draht, Innenstation mit WLAN | 5-Zoll-Touchscreen, App Home + Security, Alexa eingebaut | Einfamilienhaus mit vorhandener Klingelleitung | ansehen |
| Gira System 106 mit Wohnungsstation Video AP 7 | Gira-Türkommunikation, modulare Türstation aus Metall | 7-Zoll-Display; App Gira TKS mobil über TKS-IP-Gateway | Eigentümer, die ein langlebiges Markensystem vom Fachbetrieb wollen | ansehen |
| Siedle Smart Gateway-Set CVUSG 850-1 | Siedle In-Home-Bus | Siedle App, Lizenzen je Nutzer | Häuser mit bestehender Siedle-Anlage | ansehen |
| Doorbird D2101V | IP, PoE oder 15 V, optional 2-Draht-Übertrager | Doorbird-App, SIP, offene Schnittstelle, RFID | Neubau oder vernetztes Einfamilienhaus | ansehen |
| Ring Intercom Video | Nachrüstmodul an der vorhandenen Wohnungssprechstelle, Akku | Ring-App, Haustür per App öffnen | Mieter im Mehrfamilienhaus | ansehen |
Bticino Classe 300EOS with Netatmo
Das Set aus Innenstation Classe 300EOS und Außenstation Linea 3000 nutzt die vorhandenen zwei Adern und bringt das WLAN gleich mit. Bticino nennt einen 5-Zoll-Touchscreen, eingebautes Alexa und die App Home + Security, die auch Kameras von Netatmo verwaltet. Zum Tausch einer alten Klingel im Einfamilienhaus würden wir dieses Set nehmen. Achten Sie bei der Bestellung auf die Setnummer, denn es gibt mehrere Kombinationen mit anderen Außenstationen.
Gira System 106
Gira baut die Türstation aus Modulen zusammen, vom Ruftastenmodul bis zur Kamera, in Rahmen für ein bis fünf Module. Die Wohnungsstation Video AP 7 hat laut Gira ein 7-Zoll-Display und kann zwischen bis zu 20 Kameras umschalten. Aufs Handy kommt das Bild bloß mit TKS-IP-Gateway und der App TKS mobil. Das wird teuer. Dafür wächst die Türstation Modul für Modul mit, etwa um Codetastatur oder Fingerprint.
Siedle mit Smart Gateway
Wer eine Siedle-Anlage im Haus hat, muss sie für die App nicht herausreißen. Das Smart Gateway verbindet den In-Home-Bus mit dem Netzwerk, die Siedle App macht das Smartphone zur zusätzlichen Innenstation. Für Videoanrufe aufs Handy muss die Anlage schon Video können. Sinnvoll ist das nur dort, wo Siedle schon verbaut ist.
Doorbird D2101V
Die Station aus Berlin ist für Häuser mit einer Einheit und einer Ruftaste gedacht. Laut Datenblatt filmt sie in 720p mit 180 Grad diagonal, hat einen RFID-Leser, zwei Relais für Tür und Tor sowie Infrarot-Nachtsicht. 720p klingt 2026 bescheiden. Für Bastler mit Hausautomation bleibt sie trotzdem die offenere Wahl, und das hat seinen Preis.
Ring Intercom Video
Kein Ersatz für eine Anlage, sondern ein Zusatz. Ring gibt an, dass die Montage weniger als 45 Minuten dauert und das Gerät beim Umzug mitkommt. Ohne Abo gibt es Benachrichtigungen, aber keine Aufzeichnung. Funktioniert die Internetverbindung nicht, arbeitet die alte Sprechanlage laut Ring normal weiter.
Abus hatte mit der PPIC35520 eine WLAN-Türstation mit Full-HD-Kamera im Programm, führt sie auf der eigenen Website inzwischen im Archiv. Günstige Komplettsets mit 2-Draht-Bus von Marken wie Metzler oder Goliath gibt es ebenfalls; zu deren Langlebigkeit und Ersatzteilen finden sich kaum belastbare Angaben.
So würden wir entscheiden
- Einfamilienhaus, alte Klingel, zwei Drähte vorhanden: Bticino Classe 300EOS.
- Neubau mit Netzwerkkabel bis zur Haustür und eigener Hausautomation: Doorbird D2101V.
- Eigentümer, die Metall statt Kunststoff wollen und einen Elektriker beauftragen: Gira System 106.
- Haus mit funktionierender Siedle-Anlage: Smart Gateway nachrüsten statt alles neu.
- Mietwohnung: Ring Intercom Video, nach der Kompatibilitätsprüfung und mit abgeschalteter Aufzeichnung.
Eine Video-Türklingel mit Akku ist oft die kleinere Lösung; was sie kann und was nicht, erklärt unser Überblick über Video-Türklingeln. Soll sich auch die Wohnungstür per App öffnen, braucht es ein eigenes Schloss. Welche Modelle infrage kommen, steht bei den Smart Locks.
Quellen
- Bayerisches Landesamt für Datenschutzaufsicht: Informationen zum Einsatz einer Video-Türklingelkamera
- § 554 BGB
- § 20 Wohnungseigentumsgesetz
- § 13 Niederspannungsanschlussverordnung
- Bticino: Classe 300EOS with Netatmo
- Gira: System 106
- Gira: Wohnungsstation Video AP 7
- Gira: System 106 IP
- Siedle: Smart Gateways
- Doorbird: Datenblatt D2101V
- Ring: Intercom Video
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