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Zu viel auf einmal. So scheitern viele Einstiege in Retinol: das stärkste Serum im Regal, jeden Abend, dazu noch ein Säurepeeling. Wer neu anfängt, beginnt besser niedrig, etwa mit dem La Roche-Posay Retinol B3 Serum oder dem günstigen Retinol 0,2 % von The Ordinary. Steigern lässt sich später immer noch.
Retinol ist Vitamin A. Das klingt harmlos, erklärt aber, warum die EU es seit Kurzem strenger regelt und warum Lichtschutz und Schwangerschaft bei diesem Wirkstoff mehr Gewicht haben als bei einer gewöhnlichen Feuchtigkeitscreme.
Welche Stärke brauche ich für den Anfang?
Eine niedrige. Viele Hersteller schreiben den Gehalt gleich in den Namen (0,2 %, 0,3 %), andere lassen ihn weg, dann bleibt nur ihre eigene Einordnung. Am Anfang zählt die niedrige Stufe, nicht die hohe Zahl.
Verwirrend wird es bei den Wirkstoffformen. Neben Retinol gibt es Retinal (Retinaldehyd) und Retinolester, die Namen klingen ähnlich, die Produkte sind aber nicht eins zu eins vergleichbar. Prozentwerte verschiedener Formen sollten Sie deshalb nicht direkt gegeneinander rechnen.
Öl, Fluid oder Creme?
Ölige, wasserfreie Seren fühlen sich anders an als wässrige Fluids oder Cremes. Wer zu Glanz neigt, greift eher zu einer leichten Textur. Dazu kommt die Haltbarkeit. Retinol gilt als empfindlich, The Ordinary empfiehlt für sein Serum nach dem Öffnen den Kühlschrank. Kleine Packungen sind daher kein Nachteil.
Bleibt die Frage nach dem Kombinieren. The Ordinary rät ausdrücklich davon ab, mehrere Retinoid-Produkte gleichzeitig zu verwenden. Serum, Augencreme und Nachtcreme, alle mit Retinol? Genau so landet man bei gereizter Haut.
Was hat die EU neu begrenzt?
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat schon 2014 empfohlen, Vitamin A in Gesichts- und Handpflege zu begrenzen und in Körper- und Lippenpflege ganz darauf zu verzichten. Der Grund ist nicht die Haut selbst, sondern die Gesamtmenge. Vitamin A kommt vor allem über die Nahrung in den Körper, und laut BfR schöpfen manche Frauen den als sicher geltenden Tageshöchstwert schon über das Essen zu einem großen Teil aus. Besonders betroffen sind laut BfR Frauen nach der Menopause.
Die EU hat daraufhin die Kosmetikverordnung geändert. Im Verordnungsanhang, den die Kommission dem Rat im November 2023 übermittelt hat, stehen für Retinol, Retinylacetat und Retinylpalmitat höchstens 0,05 % Retinoläquivalent in Körperlotion und höchstens 0,3 % in anderen Mitteln für Haut und Haar. Dazu kommt ein Pflichthinweis auf der Packung: „Enthält Vitamin A. Berücksichtigen Sie Ihre tägliche Aufnahme vor der Anwendung“. Wer im Handel Retinol-Seren mit 0,5 oder 1 Prozent findet, liegt über diesem Wert. Ob es sich dabei um Ware aus der Übergangszeit handelt, konnten wir nicht verlässlich klären.
Warum gehört Sonnenschutz dazu?
Der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) weist darauf hin, dass Retinol in Pflegeprodukten Hautreizungen verursachen kann und die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlung macht. Er rät deshalb zur Anwendung am Abend und zu Sonnenschutz am Tag. Die Hersteller sagen dasselbe: The Ordinary nennt Rötungen, Reizungen und Schuppung in der ersten Zeit, besonders um Augen und Mund. Ein Retinol-Serum kaufen, ohne einen Tagesschutz im Bad zu haben, ist also nur der halbe Kauf. Was dafür taugt, steht bei Sonnenschutz fürs Gesicht.
Und in der Schwangerschaft?
Bei der Schwangerschaft sind die Aussagen vorsichtig, aber nicht einheitlich. Das BfR hält es für unwahrscheinlich, dass Vitamin-A-haltige Kosmetik fruchtschädigende Effekte erreicht, empfiehlt aber trotzdem, die Zufuhr über Kosmetik zu begrenzen. Der VKI warnt Schwangere und Stillende ausdrücklich vor zusätzlichem Vitamin A. The Ordinary und Paula’s Choice raten in ihren Produktangaben, Retinoide in Schwangerschaft und Stillzeit zu meiden. Unsere Haltung ist einfach: Wer schwanger ist, schwanger werden möchte oder stillt, klärt die Frage vor dem Kauf mit Ärztin oder Arzt. Das gilt genauso bei Hauterkrankungen oder wenn Sie Vitamin A als Nahrungsergänzung nehmen.
Welche Seren kommen in Frage?
| Modell | Wirkstoff (laut Hersteller) | Basis | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|
| La Roche-Posay Retinol B3 Serum | Retinol, Niacinamid, Glycerin; Gehalt nicht angegeben | wässriges Serum | Einsteiger | ansehen |
| The Ordinary Retinol 0,2 % in Squalane | 0,2 % Retinol | wasserfrei, Squalan | Einsteiger mit kleinem Budget | ansehen |
| Medik8 Crystal Retinal | Retinal in mehreren Stufen (laut Händlerangaben 0,01 bis 0,2 %) | Serum | Wer schrittweise steigern will | ansehen |
| Paula’s Choice Clinical Pro Retinaldehyde Dual-Retinoid Treatment | 0,1 % Retinaldehyd (verkapselt), 0,16 % Adapinoid | Treatment | Erfahrene Anwender | ansehen |
| SkinCeuticals Retinol 0.3 | Retinol, laut Name 0,3 % | Creme in Tube | Erfahrene mit hohem Budget | ansehen |
La Roche-Posay Retinol B3 Serum
Retinol, Niacinamid (Vitamin B3) und Glycerin in einem Fluid. Freigesetzt wird das Retinol laut La Roche-Posay schrittweise, was die Verträglichkeit unterstützen soll. Angewendet wird es nach Herstellerangabe morgens und/oder abends, danach UV-Schutz. Was fehlt, ist eine Prozentangabe. Sie kaufen hier eine Einordnung statt einer Zahl.
The Ordinary Retinol 0,2 % in Squalane
Das Gegenteil von Marketing: Name, Prozentwert, kurze Zutatenliste. Retinol steckt hier in einer wasserfreien Basis aus Squalan und Jojobaöl. The Ordinary empfiehlt einige Tropfen am Abend, tagsüber Sonnenschutz und nach dem Öffnen den Kühlschrank. Wer ölige Texturen nicht mag, wird damit nicht glücklich.
Medik8 Crystal Retinal
Hier geht es um Retinal statt Retinol, verkauft in nummerierten Stufen. Nach Händlerangaben reicht die Reihe von Crystal Retinal 1 für Neulinge bis 20 für sehr erfahrene Anwender. Nachvollziehbar ist das. Es verleitet aber dazu, die Stufen zu schnell hochzuklettern. Ausführliche Herstellerangaben lagen uns nicht vor, die Stufenangaben stammen daher aus Händlerangaben.
Paula’s Choice Clinical Pro Retinaldehyde
Vom früheren Clinical 1% Retinol Treatment hat sich Paula’s Choice laut eigener Seite verabschiedet. Das neuere Treatment kombiniert 0,1 % verkapseltes Retinaldehyd mit 0,16 % Adapinoid, einem Markennamen des Herstellers, und richtet sich nach Herstellerangabe an Haut mit fortgeschrittenen Zeichen der Hautalterung. Wer gerade erst anfängt, nimmt sich damit zu viel auf einmal vor.
SkinCeuticals Retinol 0.3
Eine Nachtcreme mit Retinol in der Stufe 0,3, die nach Händlerangaben in einer Aluminiumtube kommt. Preislich spielt sie oben mit. Denselben Wirkstoff in ähnlicher Höhe bekommen Sie deutlich günstiger, und das macht den Aufpreis schwer zu begründen. Ausführliche Herstellerangaben lagen uns nicht vor, Details stammen deshalb nur aus Händlerangaben.
Und welches nehme ich jetzt?
Beim ersten Retinol würden wir zum La Roche-Posay Retinol B3 Serum greifen, anfangs nur an einzelnen Abenden. Mit wenig Budget geht The Ordinary Retinol 0,2 %, vorausgesetzt, Sie können mit einer öligen Textur leben. Medik8 Crystal Retinal passt zu allen, die gezielt Stufe für Stufe steigern wollen, mit Geduld zwischen den Stufen.
Wer Retinol schon gut verträgt, landet bei Paula’s Choice Clinical Pro Retinaldehyde. SkinCeuticals nur, wenn der Preis keine Rolle spielt.
Schwanger, Kinderwunsch oder Stillzeit? Dann zuerst ärztlich abklären. Wer ohne Retinoide pflegen möchte, findet Alternativen bei den Vitamin-C-Seren oder den Anti-Aging-Cremes.
Retinol ist Kosmetik, kein Arzneimittel. Bei anhaltender Rötung, Brennen oder einer Hauterkrankung gehört die Frage in eine Arztpraxis, nicht ins Badezimmerregal.
Quellen
- BfR: Vitamin A – Aufnahme über kosmetische Mittel sollte begrenzt werden (Stellungnahme 005/2014)
- Rat der EU: Anhang zur Änderung der Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009, Vitamin A (Dok. 15949/23 ADD 1)
- VKI: Presseinformation zu Retinol (19.03.2025)
- The Ordinary: Retinol 0.2% in Squalane
- La Roche-Posay: Retinol B3 Serum
- Paula’s Choice: Clinical Pro Retinaldehyde Dual-Retinoid Treatment
- Paula’s Choice: Clinical 1% Retinol Treatment (Hinweis zur eingestellten Formel)
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