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Naturkosmetik fürs Gesicht 2026: Siegel, Duft, Hauttyp

Naturkosmetik fürs Gesicht: was NATRUE und COSMOS prüfen, warum natürliche Duftstoffe empfindliche Haut reizen können und welche Creme zu wem passt.

Redaktion handgetestet · Zuletzt aktualisiert: 02.11.2026
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Redaktionelle Auswahl nach Recherche, nicht selbst getestet. Gründe und Einschränkungen stehen im Text.

Inhalt9 Abschnitte

Natur, Pflanzen, Bio: Mit diesen Wörtern werben viele Gesichtscremes. Geschützt ist keines davon. Wer Naturkosmetik fürs Gesicht sucht, schaut deshalb zuerst auf das Siegel und dann auf die Duftstoffe; für empfindliche Haut ist eine zertifizierte, parfumfreie Creme wie die Weleda Sensitiv Feuchtigkeitscreme Mandel der vernünftigste Startpunkt. Die bekannte Marke allein sagt dagegen wenig, wie der Blick in die Inhaltslisten zeigt.

Drei Logos, zwei Standards

Die Verbraucherzentrale stellt klar, dass weder „Naturkosmetik“ noch „Bio“ bei Kosmetik gesetzlich geschützte Begriffe sind. Verlässlich wird es erst mit einem Siegel, hinter dem eine unabhängige Zertifizierung steht. In Deutschland begegnen Ihnen dabei vor allem zwei Systeme.

NATRUE wurde von Naturkosmetikherstellern entwickelt. Seit Januar 2021 gibt es für fertige Produkte nur noch zwei Stufen, Naturkosmetik und Biokosmetik. Für die Biostufe müssen laut den NATRUE-Kriterien mindestens 95 Prozent der natürlichen und naturnahen Stoffe pflanzlichen und tierischen Ursprungs aus kontrolliert biologischem Anbau oder Wildsammlung stammen. Düfte dürfen nur aus natürlichen Riechstoffen wie ätherischen Ölen bestehen, synthetische naturidentische Riechstoffe sind ausgeschlossen. Das EU-Verbot von Tierversuchen weitet NATRUE auf Länder außerhalb der EU aus.

COSMOS haben fünf europäische Verbände gemeinsam aufgebaut, darunter der deutsche BDIH und Ecocert aus Frankreich. Darum lesen Sie auf vielen Packungen „COSMOS“ zusammen mit dem Namen der Prüfstelle. Die Stufe macht den Unterschied. COSMOS NATURAL schreibt keinen Mindestanteil an Bio-Zutaten vor. Bei COSMOS ORGANIC müssen mindestens 95 Prozent der physikalisch verarbeiteten Agrarzutaten bio sein und mindestens 20 Prozent des gesamten Produkts, bei Produkten zum Abwaschen 10 Prozent.

Beide schließen nach Angaben der Verbraucherzentrale Paraffine und andere Erdölprodukte, Silikone, PEG sowie synthetische Duft- und Farbstoffe aus. Als Lichtschutzfilter sind nur mineralische Stoffe wie Titandioxid und Zinkoxid erlaubt, was bei Tagescremes mit LSF zählt. Mehr dazu steht in unserem Ratgeber zum Sonnenschutz fürs Gesicht.

Eine Falle ohne Siegel ist die Prozentzahl. Nach der Norm ISO 16128 darf Wasser als Inhaltsstoff natürlichen Ursprungs mitgezählt werden. Die Verbraucherzentrale rechnet vor, dass „95 Prozent natürlichen Ursprungs“ bei rund 80 Prozent Wasser im Rest ein Viertel nicht natürlicher Stoffe bedeuten kann. Solche Angaben ersetzen kein Zertifikat.

Natürlich heißt nicht automatisch sanft

Aus diesem Missverständnis entstehen Fehlkäufe. Jemand hat empfindliche, leicht gerötete Haut, greift zur Naturkosmetik und bekommt eine Creme mit einem ganzen Strauß ätherischer Öle. Die Verbraucherzentrale weist ausdrücklich darauf hin, dass natürliche ätherische Öle und Pflanzenextrakte ebenso Allergien auslösen können wie synthetische Stoffe.

Praktisch heißt das: Inhaltsliste lesen. Steht dort „Parfum“, gefolgt von Namen wie Linalool, Geraniol, Citral oder Eugenol, ist Duft im Spiel, auch wenn er aus Rosen- oder Zitrusöl stammt. Wer einen Allergiepass hat, gleicht die Liste damit ab. Auch Pflanzenöle zählen. Die Verbraucherzentrale nennt als Beispiel Erdnussöl, das bei einer Erdnussallergie nicht auf die Haut gehört. Einige Produkte tragen zusätzlich das Siegel des Deutschen Allergie- und Asthmabundes. Bei Neurodermitis, Rosazea oder anhaltenden Reizungen sollten Sie die Pflege vorher ärztlich abklären.

Und der Hauttyp? Die Hersteller ordnen ihre Cremes selbst zu, reichhaltige Rezepturen mit Sheabutter und viel Öl meist trockener Haut, leichtere Emulsionen der Mischhaut. Diese Angabe steht auf den Produktseiten und ist ein brauchbarer erster Filter. Grundlagen zur Feuchtigkeitspflege unabhängig vom Siegel finden Sie im Ratgeber Feuchtigkeitscreme.

Fünf Gesichtscremes aus der Naturkosmetik im Vergleich

ModellSiegel laut HerstellerDuft laut InhaltslisteFür wen
Weleda Sensitiv Feuchtigkeitscreme Mandel (30 ml)NATRUEkein Parfumempfindliche, trockene Haut
i+m Freistil Sensitiv Feuchtigkeitscreme (30 ml)COSMOS ORGANICkeine ätherischen Öle, Vanilleextraktempfindliche Haut, Mischhaut
Dr. Hauschka Rosen Tagescreme (30 ml)NATRUEParfum aus ätherischen Ölentrockene, reife Haut ohne Duftempfindlichkeit
UND GRETEL ZART (30 ml)COSMOSParfumPflege mit Peptiden, alle Hauttypen laut Hersteller
Annemarie Börlind ZZ Sensitive Schützende Tagescreme (50 ml)kein Produktsiegel, Unternehmen nach CSEohne Duftstoffeempfindliche Haut, wenn das Siegel nicht entscheidet

Weleda Sensitiv Feuchtigkeitscreme Mandel

Kurz ist hier das Argument. Die Inhaltsliste hat zehn Einträge, angeführt von Wasser und Bio-Mandelöl, dazu Pflaumenkernöl, Glycerin und Milchsäure; Parfum steht nicht darin, Benzaldehyd ganz am Ende. Weleda zeigt das NATRUE-Siegel und gibt an, die Verträglichkeit sei auch bei allergischer und neurodermitischer Haut dermatologisch bestätigt. Alkohol steht an dritter Stelle. Wer ihn in Gesichtspflege grundsätzlich meidet, sollte das wissen.

i+m Freistil Sensitiv Feuchtigkeitscreme

Die Creme der Berliner Marke trägt COSMOS ORGANIC und nennt einen Bio-Anteil von 23 Prozent am Gesamtprodukt, also knapp über der Mindestgrenze. Entwickelt wurde die Creme laut Hersteller für empfindliche und allergieanfällige Haut, ätherische Öle enthält sie nicht. Ganz geruchlos ist sie trotzdem nicht: Vanilleextrakt und Vanillin sorgen für einen leichten Vanilleduft. Aloe vera, Jojoba-, Mandel- und Sojaöl sowie Natriumhyaluronat bilden die Basis. Trockene Haut führt der Hersteller bei den Hauttypen nicht auf.

Dr. Hauschka Rosen Tagescreme

Diese Creme zeigt gut, warum „natürlich“ und „mild“ zwei Paar Schuhe sind. Sie ist NATRUE-zertifiziert, frei von Mineralöl, Silikonen und PEG und laut Hersteller für trockene bis sehr trockene Haut mit Neigung zu Rötungen gedacht. Gleichzeitig steht Erdnussöl an zweiter Stelle, und hinter „Parfum“ folgen gut ein Dutzend Duftbestandteile aus ätherischen Ölen, von Geraniol bis Eugenol. Wer Rosenduft mag und keine Duftallergie hat, bekommt eine reichhaltige Tagespflege mit Sheabutter und Avocadoöl. Für duftempfindliche Haut würden wir sie nicht wählen.

UND GRETEL ZART

UND GRETEL setzt auf Peptide aus Reisprotein, laut Hersteller für eine straffere Haut. Nach Herstellerangabe stammen 59,6 Prozent der Rezeptur aus biologischem Anbau, 99,9 Prozent sind natürlichen Ursprungs. Das Siegel ist COSMOS. Basis sind Rosenblütenwasser, Sheabutter, Squalan und Macadamiaöl, abgefüllt im Glas mit Pumpspender. Parfum steht in der Inhaltsliste. Die Straffungsversprechen sind Herstellerangaben, unabhängig belegt ist der Effekt damit nicht.

Annemarie Börlind ZZ Sensitive Schützende Tagescreme

Auf der Produktseite dieser Creme steht weder ein NATRUE- noch ein COSMOS-Siegel. Börlind verzichtet nach eigener Aussage bewusst darauf, Produktzertifikate auszuloben, und lässt stattdessen das ganze Unternehmen nach dem Nachhaltigkeitsstandard CSE prüfen. Die Creme selbst ist laut Hersteller ohne Duft- und synthetische Farbstoffe, ohne Silikone und Paraffine, vegetarisch. Jojobaöl, Squalan, Sheabutter und ein Extrakt aus der Goldorchideenwurzel stehen in der Liste, Alkohol an vierter Stelle. Wer auf ein geprüftes Produktsiegel Wert legt, ist bei den anderen Kandidaten besser aufgehoben.

So würden wir wählen

  • Empfindliche, eher trockene Haut: Weleda Sensitiv Feuchtigkeitscreme Mandel. Siegel, kein Parfum, sehr kurze Liste.
  • Empfindliche Haut, die zu Glanz neigt: i+m Freistil Sensitiv, sofern der dezente Vanilleduft nicht stört.
  • Trockene, reife Haut ohne Duftallergie: Dr. Hauschka Rosen Tagescreme.
  • Wer gezielt Peptide sucht und Duft verträgt: UND GRETEL ZART.
  • Siegel egal, Duftstoffe nicht: Annemarie Börlind ZZ Sensitive.

Jede dieser Cremes gehört auf gereinigte Haut. Milde Reiniger stellen wir im Ratgeber Gesichtsreiniger vor.

Quellen

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