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Im Forum gilt der offene Kamm als „gründlicher“, und so landet er oft im ersten Warenkorb. Zum Umstieg ist das der falsche Ansatz. Wer bisher Systemklingen benutzt hat, ist mit einem geschlossenen Kamm besser bedient, etwa dem Mühle R89, den der Hersteller selbst für Anfänger und empfindliche Haut nennt. Den Rest erledigen eine frische Klinge, wenig Druck und ein ordentlicher Schaum.
Ein Blick unter die Klinge
Unter der Klinge sitzt eine Leiste, der Kamm. Beim geschlossenen Kamm ist sie glatt oder leicht gewellt, die Klinge steht wenig hervor. Beim offenen Kamm sieht die Leiste aus wie ein Rechen, die Klinge liegt freier. Mühle beschreibt den offenen Kamm als sehr wirksam bei starkem Bart, aber weniger hautschonend und mit höherem Verletzungsrisiko. Wer sich jeden Tag rasiert, braucht ihn nicht. Wer drei Tage wachsen lässt und dichte Stoppeln hat, kann später wechseln.
Für die ersten Wochen also einen geschlossenen Kamm. Verstellbare Hobel wie der Rockwell 6S erlauben beides, kosten aber mehr.
Danach kommen Gewicht und Griff. Ein schwerer Hobel liegt ruhig zwischen den Fingern und braucht kaum Druck, leichte Modelle aus Aluminium führt man eher mit den Fingerspitzen. Zu kleinen Händen passt ein kurzer Griff, große Hände greifen lieber zu einer Langversion. Beim Klingenwechsel schraubt man dreiteilige Hobel auf, bei „Twist“-Modellen genügt eine Drehung am Griffende. Beides ist nach einer Woche Routine.
Und die Folgekosten? Gering. Fast alle Hobel nehmen die genormte Doppelklinge, ein Zehnerpack bewegt sich in der niedrigen Preisklasse, und Sie sind an keine Marke gebunden.
Klinge, Pinsel, Seife
Die Klinge ist das eigentliche Werkzeug, der Hobel nur ihr Halter. Es gibt Dutzende Sorten, und die Schärfe empfindet jeder anders. Ein gemischtes Probierset ist darum klüger als hundert Stück einer Sorte. Wie oft gewechselt wird, nennen die Quellen unterschiedlich: Mühle rät zu etwa drei bis fünf Rasuren, Rockwell spricht von vier bis sieben, die US-Hautärztegesellschaft AAD von fünf bis sieben. Wer zieht oder brennt, wechselt eher früher.
Pinsel und Seife sind kein Beiwerk. Laut Mühle weicht gründliches Einschäumen die Barthaare auf, damit der Hobel besser gleitet. Ein Pinsel aus Synthetikfaser trocknet schnell und kommt ohne Tierhaar aus. Mühle nennt seine Faser „Silvertip Fibre“. Rasierseife hält lange und braucht etwas Übung beim Aufschlagen. Rasiercreme schäumt schneller und eignet sich für die ersten Wochen. Wer gleich alles will, nimmt ein Set aus Hobel, Pinsel und Ständer. Das spart die Suche, ist aber selten günstiger als Einzelteile.
Was die Haut dazu sagt
Ein Hobel ist kein Mittel gegen Hautprobleme. Er nimmt aber zwei Dinge weg, die Hautärzte kritisch sehen: viele Klingen hintereinander und starken Druck. Die American Academy of Dermatology (AAD) schreibt, dass Rasierer mit einer oder zwei Klingen für Menschen mit häufigen Rasurpickeln passen können. Ihre übrigen Hinweise gelten für jedes Gerät:
- Haut und Bart vorher anfeuchten, am besten direkt nach dem Duschen, dann eine Rasiercreme auftragen. Bei empfindlicher Haut ein Produkt mit entsprechender Kennzeichnung wählen.
- Mit der Wuchsrichtung rasieren und die Klinge nach jedem Zug abspülen.
- Höchstens zweimal über dieselbe Stelle gehen, die Haut nicht straff ziehen, wenig Druck.
- Den Hobel zwischen den Rasuren trocken lagern, nicht in der Dusche.
Bleiben Rötungen oder Rasurpickel über Wochen, rät die AAD zum Hautarzt. Das gilt auch, wenn Sie zu Akne neigen oder Hautkrankheiten haben. Dann bitte vorher ärztlich abklären, ob die Nassrasur überhaupt passt.
Mit dem Hobel in den Urlaub
Rasierklingen stehen auf der Liste der im Handgepäck verbotenen Gegenstände, die die Bundespolizei nach der EU-Durchführungsverordnung 2015/1998 veröffentlicht. Das betrifft auch das neue Päckchen in Originalverpackung. Klingen gehören also in den Koffer. Wer nur mit Handgepäck reist, kauft sie am Ziel oder nimmt für die Reise einen Elektrorasierer. Passende Modelle stellt der Elektrorasierer-Ratgeber vor. Platz für Hobel, Pinsel und Tube schafft ein Kulturbeutel mit eigenem Fach, siehe den Kulturbeutel-Ratgeber.
Sieben Rasierhobel nebeneinander
| Modell | Kamm | Eckdaten laut Anbieter | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|
| Mühle R89 | geschlossen | verchromtes Metall, eine Klinge dabei, auch als Twist | Einsteiger, empfindliche Haut | ansehen |
| Mühle R41 | offen | gleiche Bauart, freiliegende Klinge | Erfahrene mit starkem Bart | ansehen |
| Merkur 34C | geschlossen | zweiteilig, kurzer Griff, rund 78 g | kleine Hände, wer Gewicht mag | ansehen |
| Edwin Jagger DE89 | geschlossen | Messing verchromt, 68 g, 93 mm, Feather-Klinge dabei | Einsteiger mit Sinn für Optik | ansehen |
| Henson AL13 | geschlossen, mild | Aluminium, rund 37 g, Klinge eng gestützt | leichte Führung, Umsteiger | ansehen |
| Rockwell 6S | wechselbare Platten | Edelstahl, sechs Stufen, fünf Klingen dabei | wer mitwachsen will | ansehen |
| Fatip Testina Gentile | geschlossen | Messing, in Italien gefertigt | wer es mild und schlicht mag |
Mühle R89
Mühles Standardhobel mit geschlossenem Kamm. Der Hersteller setzt statt Zähnen sanfte Wellen unter die Klinge und empfiehlt den R89 ausdrücklich für Anfänger und empfindliche Haut. Erhältlich ist er mit vielen Griffen und als Twist zum Öffnen per Drehung. Den Kopf kann man einzeln nachkaufen.
Mühle R41
Das Gegenstück mit offenem Kamm. Laut Hersteller rasiert er sehr gründlich und ist für Männer mit dichtem Bart gedacht. Mühle selbst nennt ihn aber weniger hautschonend. Als erster Hobel ist er die falsche Wahl.
Merkur 34C
Ein Solinger Hobel mit kurzem, griffigem Schaft. Der Fachhändler Dovo gibt rund 78 Gramm an, für die Größe viel. Geöffnet wird er über einen Drehknopf am Griffende. Wer große Hände hat, sollte die kurze Bauform vorher bedenken.
Edwin Jagger DE89
Laut Hersteller aus massivem Messing, dreifach beschichtet und in Sheffield von Hand montiert. Der Standardgriff misst 93 Millimeter bei 68 Gramm, die Langversion 101 Millimeter. Eine Feather-Klinge liegt bei. Die vielen Griffmuster ändern am Kopf nichts.
Henson AL13
Der Leichte im Feld. Henson fertigt den Hobel aus Flugzeug-Aluminium, er wiegt rund 37 Gramm. Die Klinge wird bis kurz vor die Schneide gestützt und steht in einem festen Winkel von 30 Grad. Der Hersteller wirbt mit weniger Rasurbrand, unabhängig belegt ist das nicht. Wer es gründlicher mag, greift zur Medium-Fassung AL13-M.
Rockwell 6S
Statt eines Kopfes liefert Rockwell wechselbare Platten für sechs Stufen. Die Zahl steht unten am Hobel, Stufe eins ist die mildeste. Der Hersteller rät, mit den Stufen eins bis drei anzufangen. Ein Hinweis aus der Rockwell-Hilfe: Bleibt eine nasse Klinge lange im Edelstahl, können sich Flecken bilden.
Fatip Testina Gentile
Fatip fertigt in Italien, der Kopf „Testina Gentile“ ist die milde Variante mit geschlossenem Kamm. Händler und Käufer berichten allerdings von schwankender Verarbeitung. Wer hier bestellt, prüft den Kopf nach Erhalt genau.
Unser Rat nach Bart und Erfahrung
- Erster Hobel, normale Haut oder empfindlich: Mühle R89. Wer dazu Pinsel und Ständer möchte, greift zum passenden Mühle-Set mit Synthetikpinsel.
- Gleicher Zweck, anderer Geschmack: Edwin Jagger DE89 oder Merkur 34C. Der Unterschied liegt eher in Griff und Gewicht als in der Rasur.
- Leichte Hand, wenig Druck: Henson AL13.
- Unklar, wie gründlich es sein soll: Rockwell 6S. Teurer, dafür kein Zweitkauf.
- Dichter Bart, Erfahrung vorhanden: Mühle R41.
Wer den Bart nur kurz halten statt glatt rasieren will, braucht keinen Hobel. Dann ist der Bartschneider-Ratgeber die bessere Anlaufstelle.
Quellen
- Mühle: Geschlossener oder offener Kamm
- Mühle: Rasierhobel-FAQ
- Mühle: Traditional R89 mit Halter
- Edwin Jagger: DE89 Chrome
- Henson Shaving: AL13
- Henson Shaving: FAQ
- Rockwell Razors: Einstellungen
- Rockwell Razors: Pflege
- Dovo: Blog zum Merkur 34C
- The Razor Company: Fatip Testina Gentile (Händlerangaben)
- American Academy of Dermatology: How to shave
- American Academy of Dermatology: Razor bumps
- American Academy of Dermatology: Skin care for men
- Bundespolizei: Verbotene Gegenstände
- Luftfahrt-Bundesamt: Liste der verbotenen Gegenstände
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