Inhalt11 Abschnitte
Auf der Piste friert kaum jemand, weil die Jacke zu dünn ist. Man friert, weil die Schicht direkt auf der Haut nass bleibt. Für einen Skitag mit Liftpausen ist ein Merino-Shirt um 185 bis 200 g/m² die ruhigste Wahl, etwa das Ortovox 185 Rock’n’Wool. Viel Schweiß und häufiges Waschen sprechen dagegen für Synthetik.
Wolle und Kunstfaser gehen mit Schweiß verschieden um
Merinowolle nimmt Feuchtigkeit in die Faser auf und fühlt sich dabei noch lange trocken an. Auch nach mehreren Tagen riecht sie deutlich weniger, und auf Hüttentouren gibt genau das den Ausschlag. Im Gegenzug trocknet sie langsamer, leidet stärker unter der Reibung von Rucksackgurten und kostet mehr.
Synthetische Funktionswäsche aus Polyester oder Polyamid arbeitet anders. Sie leitet Schweiß schnell nach außen, verträgt die Waschmaschine besser und gilt als widerstandsfähiger. Schwach ist sie beim Geruch. Darum rüsten Hersteller ihre Stoffe gegen Geruch aus, Odlo zum Beispiel mit einer Behandlung auf Minzbasis.
Daraus folgt unsere Faustregel. Bei viel Bewegung und wenig Stehen, also beim Langlauf oder auf Skitour, hilft die schnelle Trocknung der Kunstfaser. Sessellift, Warten an der Piste, abends keine Lust zu waschen: Dann eher Wolle. Und Baumwolle? Gehört nie unter den Skianzug. Sie saugt sich voll und kühlt aus.
Was die Zahl im Namen bedeutet
Bei Merino ist das Stoffgewicht in g/m² die wichtigste Angabe. Icebreaker und Ortovox schreiben es gleich in den Produktnamen. Um 150 g/m² gilt als leicht, um 200 g/m² als typische Winterschicht, 250 g/m² als warm für sehr kalte Tage mit wenig Bewegung. Synthetik kennt keine Grammatur im Namen. Stattdessen gibt es Linien wie „Warm“, und für das Performance Warm Top nennt Odlo einen Komfortbereich von −10 bis 5 °C. Herstellerwerte, die stark davon abhängen, was darüber getragen wird.
Die Passform zählt genauso. Funktionswäsche muss anliegen, sonst führt sie keine Feuchtigkeit ab. Slim-Schnitte sitzen enger. Regular-Schnitte kann man auch als Shirt in der Hütte tragen.
Was hinter „mulesingfrei“ steckt
Beim Mulesing werden Merinoschafen Hautstreifen am Hinterteil entfernt, damit sich dort keine Fliegenmaden einnisten. Verbreitet ist die Methode vor allem in Australien, und wegen der Schmerzen für die Tiere steht sie in der Kritik. Verlassen Sie sich deshalb auf eine ausdrückliche Herstelleraussage, nicht auf das bloße Wort „verantwortungsvoll“. Ortovox schreibt, Merinowolle ausschließlich von Farmen ohne Mulesing zu beziehen, und hat dafür mit der Ortovox Wool Promise einen eigenen Standard aufgebaut. Icebreaker gibt an, dass sämtliche Merinowolle der Marke mulesingfrei ist, und arbeitet mit dem neuseeländischen ZQ-Programm. Zum Classic-Thermal-Shirt von Smartwool fanden wir keine produktbezogene Aussage zu Mulesing. Wem das wichtig ist, der fragt dort vor dem Kauf nach.
Fünf Baselayer für den Winter im Vergleich
| Modell | Material laut Hersteller | Gewicht / Wärme | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|
| Ortovox 185 Rock’n’Wool Long Sleeve | 100 % Merino, 19 Mikron, mulesingfrei laut Hersteller | 185 g/m² | Pistentage und Skitouren, mehrere Tage am Stück | ansehen |
| Icebreaker 200 Oasis Long Sleeve Crewe | 100 % Merino, mulesingfrei laut Hersteller | Klasse 200 | Klassische Winterschicht, eng geschnitten | ansehen |
| Smartwool Classic Thermal Merino Base Layer Crew | 100 % Merino | 250 g/m² | Sehr kalte Tage, viel Stehen | ansehen |
| Odlo Performance Warm Eco Base Layer Top | Polyamid und Polyester, überwiegend recycelt, mit Elasthan | Komfort −10 bis 5 °C | Viel Bewegung, häufiges Waschen | ansehen |
| X-Bionic Energy Accumulator 4.0 Shirt | 90 % Polyamid, 5 % Polypropylen, 5 % Elasthan | Warme Synthetiklinie | Sportlich Fahrende, die Kompression mögen | ansehen |
Ortovox 185 Rock’n’Wool Long Sleeve
Reine Merinowolle, 19 Mikron Faserstärke, 185 g/m². Ortovox beschreibt das Shirt als vielseitiges Langarmshirt für Wintertouren, im Regular Fit geschnitten und geruchsneutralisierend; die Wolle kommt laut Hersteller aus Tasmanien. Mit diesem Gewicht ist es auf der Piste warm genug und überhitzt beim Aufstieg noch nicht. Darum empfehlen wir es den meisten Lesern.
Icebreaker 200 Oasis Long Sleeve Crewe
Auch das Oasis besteht aus 100 % Merino. Die 200 im Namen bezeichnet die Wärmeklasse im Icebreaker-System. Händler nennen den Schnitt Slim, er sitzt also enger als beim Ortovox. Bei breiten Schultern oder wenn das Shirt abends mit in die Hütte soll, probieren Sie besser eine Nummer größer. Gegen Geruch verweist Icebreaker auf die natürlichen Eigenschaften der Wollfaser.
Smartwool Classic Thermal Merino Base Layer Crew
Dicker als dieses Shirt ist im Vergleich kein Merino-Modell: 250 g/m². Smartwool ordnet es als Midweight für kalte Bedingungen ein. Frost, Skifahren mit Kindern, lange Stehzeiten, dafür passt es. Auf einer Skitour mit langem Aufstieg wird es den meisten zu warm. Einzelne Farben waren bei Amazon.de zuletzt nicht lieferbar.
Odlo Performance Warm Eco Base Layer Top
Gestrickt wird dieses Oberteil in einem Stück mit sehr wenigen Nähten, und per Body Mapping verteilt Odlo die Isolation dorthin, wo der Körper sie braucht. Das Material ist überwiegend recyceltes Polyamid und Polyester. Gegen Geruch dient die Ausrüstung auf Minzbasis. Der Schnitt ist eng; wer es lockerer mag, nimmt nach Odlos Empfehlung eine Größe mehr. Kalt waschen. Kein Trockner.
X-Bionic Energy Accumulator 4.0 Shirt
Noppen und Kanäle bilden hier eine Struktur, die X-Bionic 3D Bionic Sphere mit ThermoSyphon nennt. Bei Kälte soll sie nach Angaben von X-Bionic Wärme zurückhalten, beim Schwitzen beim Kühlen helfen. Zur Wahl stehen eine kompressive und eine normale Passform. Gelegenheitsfahrer bekommen damit viel Technik für eine Unterwäsche. Sportlich Fahrende mit Vorliebe für enge Schnitte erhalten eine strapazierfähige Kunstfaserschicht.
Das Schichtsystem entscheidet mehr als das Shirt
Unterwäsche ist nur die erste von drei Schichten. Darüber liegt eine wärmende Lage aus Fleece, Wolle oder einer dünnen Isolationsjacke, außen eine Jacke gegen Wind und Schnee. Bei dicker mittlerer Schicht reicht ein 150er-Shirt, unter einer dünnen Softshell eher 200 bis 250 g/m². Für den Kopf gibt es unseren Skihelm-Ratgeber. Und in der Loipe, wo die dünne, schnell trocknende Schicht noch mehr zählt, hilft unser Langlaufski-Ratgeber beim Material.
Ein typischer Fehlkauf: die dickste verfügbare Unterwäsche für Leute, die ohnehin schnell schwitzen. Am Lift ist das Shirt nass, auf der Abfahrt friert man. Besser eine Stufe dünner und eine Schicht mehr darüber. Selbst die Füße hängen am System, denn eine dicke Socke im engen Schuh macht kalte Zehen, wie im Skischuhe-Ratgeber beschrieben.
Welche Skiunterwäsche für wen?
Für Pistentage und Skiurlaub mit wenig Wäsche raten wir zum Ortovox 185 Rock’n’Wool, mittleres Gewicht und eine klare Aussage zur Herkunft der Wolle. Mögen Sie eine eng anliegende Merino-Schicht und passt Ihnen der schlanke Schnitt, kommt das Icebreaker 200 Oasis in Frage.
Strenger Frost und viel Stehen sprechen für das Smartwool Classic Thermal mit 250 g/m², das für Skitouren zu warm ist. Wer viel schwitzt und nach jedem Tag wäscht, landet beim Odlo Performance Warm Eco. Bleibt das X-Bionic Energy Accumulator 4.0 für sportliche Fahrer mit Hang zur Kompression. An gemütlichen Pistentagen ist dieser Aufwand meist nicht nötig.
Alle fünf Marken führen zum Oberteil die passende lange Unterhose aus derselben Linie. Im gleichen Material gekauft, trocknen Ober- und Unterteil im selben Tempo.
Quellen
- Ortovox: 185 Rock’n’Wool Long Sleeve M
- Ortovox: Ortovox Wool Promise
- Icebreaker: Merino 200 Oasis Long Sleeve Crewe
- Icebreaker: Transparenz und Mulesing
- Smartwool: Classic Thermal Merino Base Layer Crew
- Odlo: Performance Warm Base Layer Top
- X-Bionic: Energy Accumulator 4.0 Shirt
Wo Sie die Produkte bekommen
- Ortovox 185 Rock'n'Wool Long SleeveBei Amazon ansehen
- Icebreaker 200 Oasis Long Sleeve CreweBei Amazon ansehen
- Smartwool Classic Thermal Merino Base Layer CrewBei Amazon ansehen
- Odlo Performance Warm Eco Base Layer TopBei Amazon ansehen
- X-Bionic Energy Accumulator 4.0 ShirtBei Amazon ansehen
Unabhängige Tests brauchen Ihre Unterstützung
Ein gründlicher Test kostet Zeit, Technik und oft das Produkt selbst. Hersteller bezahlen uns nicht für gute Urteile – darum kann die Qualität unserer Tests nur durch Ihre Unterstützung über unsere Partnerlinks gesichert werden. Kaufen Sie über einen dieser Links ein, erhalten wir eine kleine Provision. Für Sie ändert sich am Preis nichts, unser Urteil bleibt unabhängig. Danke, dass Sie so auch in Zukunft hochwertige, unabhängige Tests möglich machen.
Noch nicht entschieden?
Vergleichen Sie in Ruhe weiter – alle Beiträge dieser Rubrik werden monatlich auf neue und ausgelaufene Modelle geprüft.
