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Wer im Zelt friert, kauft gern einen dickeren Schlafsack. Oft liegt das Problem eine Etage tiefer. Für Touren von Frühjahr bis Herbst raten wir zu einer isolierten Luftmatte mit einem R-Wert um 3, zum Beispiel der Exped Ultra 3R; wer bei Frost draußen schläft, braucht doppelt so viel Isolation.
Warum das so ist, steckt in einer einzigen Zahl auf dem Etikett. Sie ist seit einigen Jahren endlich vergleichbar.
Was der R-Wert misst und was nicht
Der R-Wert beschreibt den Wärmedurchlasswiderstand einer Matte. Je höher er liegt, desto langsamer wandert Körperwärme in den Boden. Dicke, Füllung, Luftdruck, Oberfläche und der Aufbau der Kammern beeinflussen ihn, so beschreibt es Vaude. Übliche Werte liegen nach Angaben des Herstellers zwischen 1 und 8.
Lange hat jede Marke anders gemessen. Ab 2016 haben Therm-a-Rest und weitere Hersteller deshalb an einer gemeinsamen Prüfmethode gearbeitet, 2019 wurde sie als ASTM F3340 veröffentlicht. Das Prinzip erklärt Exped: Die Matte liegt zwischen zwei Platten, eine stellt den kalten Boden dar, die andere einen warmen Körper. Dazwischen zeigt sich, wie stark die Matte den Wärmefluss bremst.
Genau hier liegt eine Grenze, die viele übersehen. Die Norm legt fest, wie gemessen wird. Sie sagt nicht, bei welcher Außentemperatur eine Matte noch reicht. Exped weist ausdrücklich darauf hin. Temperaturangaben auf Produktseiten sind also Herstellersache, und zwei Marken müssen sie nicht gleich ableiten.
Praktisch für alle, die schon eine Matte besitzen: Zwei übereinanderliegende Matten addieren ihre R-Werte annähernd. Eine dünne Schaummatte unter der Luftmatte hebt die Isolation also spürbar an und schützt den Boden der oberen Matte vor Dornen und Splitt.
Welche Zahl für Sommer, Übergang und Winter?
Eine verbindliche Tabelle gibt es nicht. Die Hersteller ordnen ihre Matten aber selbst ein, und diese Angaben liegen erstaunlich nah beieinander. Exped stuft die Schaummatte Flex 1.5R mit R 1,7 als Sommermatte für 5 °C ein, die Flex 3R mit R 2,8 für −5 °C und die Versa 4.5R mit R 4,4 für −15 °C. Vaude nennt für die Tour 3.8 L II mit R 4,5 eine Komfortgrenze von −14 °C, für die Tour 5 M II mit R 6 sind es −24 °C. Vaude versteht diese Angabe als Komfortgrenze, ähnlich wie beim Schlafsack.
Daraus ergibt sich eine brauchbare Faustregel. Für warme Sommernächte genügen R 1 bis 2. Im Frühjahr und Herbst, wenn es nachts auf wenige Grad fällt, sollten es 3 bis 4 sein. Sobald Frost droht, empfiehlt Vaude mindestens R 4. Für echte Winternächte auf gefrorenem Boden oder Schnee setzen wir die Grenze bei 6.
Ein Detail verändert den Blick auf den Schlafsack. Exped rät zu einer Matte ab R 6,5, damit ein nach Norm geprüfter Schlafsack die angegebene Temperatur überhaupt erreicht. Wer also bei 0 °C mit einem guten Daunensack auf einer Sommermatte liegt, verschenkt dessen Leistung. Wie Sie den passenden Sack auswählen, erklärt unser Ratgeber zum Schlafsack.
Wer schnell friert, plant eine Stufe mehr ein.
Luftkammer, Schaumkern oder geschlossene Zellen
Drei Bauarten teilen sich den Markt, und jede hat ihre Rolle. Luftmatten bestehen aus Kammern, in die Isolierfasern oder reflektierende Folien eingearbeitet sind. Sie sind dick, leicht und lassen sich klein rollen: Die Exped Ultra 3R wiegt in Größe M 450 g und passt in einen Sack von 23 × 11 cm. Ein Loch legt sie allerdings flach.
Selbstaufblasende Matten haben einen offenzelligen Schaumkern. Öffnet man das Ventil, dehnt sich der Schaum und zieht Luft nach. Sie liegen ruhiger, verzeihen einen kleinen Stich eher und sind schwerer. Die Vaude Tour 5 M II bringt 1.250 g auf die Waage, das Packmaß beträgt 27 × 22 cm. Für Radreise oder Campingplatz ist das kein Problem. Auf einer Mehrtagestour im Rucksack schon.
Bleibt der Klassiker aus geschlossenzelligem Schaum. Er kann nicht platzen, liegt in Sekunden bereit und dient als Sitzunterlage in der Pause. Dafür ist er sperrig und mit R-Werten um 2 allein nur etwas für milde Nächte. Am Rucksack außen festgeschnallt oder als Unterlage unter einer Luftmatte zeigt er seine Stärken.
Pumpsack, Ventil und Reparaturset
Eine 7 bis 9 cm dicke Luftmatte mit dem Mund aufzublasen, kostet Puste. Und es bringt Feuchtigkeit in die Kammern. Vaude weist darauf hin, dass Atemluft im Inneren Schimmel begünstigen kann, und empfiehlt einen Pumpsack. Bei den Luftmatten von Exped liegt er bereits bei. Er heißt dort Schnozzel und dient zugleich als Packsack. Vaude verkauft Pumpsack und Pumpkissen für die Tour-Matten nur als Zubehör.
Flachventile tragen kaum auf. Exped baut bei den Ultra- und Dura-Matten gleich zwei davon ein, damit Befüllen und Entleeren schneller gehen. Ein Reparaturset liegt allen Luft- und selbstaufblasenden Matten in diesem Ratgeber bei. Exped weist darauf hin, dass der Kleber Lösungsmittel enthält und entzündlich ist; neben dem Kocher hat er nichts verloren. Lagern sollten Sie jede Matte zu Hause trocken, ausgerollt und mit offenem Ventil. In die Waschmaschine gehört sie laut Vaude nicht.
Rascheln, Breite und Länge
Reflektierende Folien isolieren gut und knistern bei manchen Modellen bei jeder Drehung. Therm-a-Rest hat die NeoAir XLite NXT nach Händlerangaben gegenüber dem Vorgänger deutlich leiser gemacht. Wer im Zweierzelt neben einem leichten Schläfer liegt, sollte darauf achten.
Unterschätzt wird die Breite. 51 oder 52 cm reichen für Rückenschläfer, wer auf der Seite liegt und die Knie anzieht, rutscht schnell mit einem Arm auf den kalten Zeltboden. Die breite Variante MW der Ultra 3R misst 65 cm und wiegt 90 g mehr. Ab etwa 1,85 m Körpergröße lohnt sich der Blick auf die Längen um 196 bis 197 cm. Passt die breite Matte ins Zelt? Bei schmalen Trekkingzelten nicht immer, Hinweise dazu finden Sie in unserem Ratgeber zum Campingzelt.
Sechs Matten für sechs Einsatzzwecke
| Modell | Bauart | R-Wert (ASTM F3340) | Gewicht / Packmaß | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|---|
| Exped Ultra 1R | Luftmatte, 7 cm | 1,8 | 380 g / 23 × 9,5 cm (M) | Sommertouren, Hüttenreserve | ansehen |
| Exped Ultra 3R | Luftmatte, isoliert, 7 cm | 3,2 | 450 g / 23 × 11 cm (M) | Frühjahr bis Herbst, Trekking | ansehen |
| Exped Dura 6.5R | Luftmatte, isoliert, 9 cm | 6,9 | 645 g / 23 × 13 cm (M) | Frost, Schnee, rauer Untergrund | ansehen |
| Therm-a-Rest NeoAir XLite NXT | Luftmatte, isoliert, 7,5 cm | 4,5 (Händlerangabe) | Gewicht je nach Händler unterschiedlich angegeben | Leichtgewicht für kalte Übergangsnächte | ansehen |
| Vaude Tour 5 M II | selbstaufblasend, 5 cm | 6 | 1.250 g / 27 × 22 cm | Camping, Radreise, Winter am Auto | ansehen |
| Therm-a-Rest Z Lite Sol | Faltmatte aus geschlossenzelligem Schaum, 2 cm | 2,0 (Händlerangabe) | 410 g / 51 × 13 × 14 cm (Händlerangabe) | Unterlage, Sitzmatte, Sommer | ansehen |
Exped Ultra 1R
Eine reine Luftmatte ohne Isolierfüllung, 7 cm dick, mit R 1,8 laut Exped klar für den Sommer gedacht. Pumpsack und Reparaturset sind dabei. Wer nur von Juni bis August unterwegs ist, spart gegenüber der 3R gut 70 g und etwas Packraum. Für den Herbst würden wir sie nicht kaufen.
Exped Ultra 3R
Unser Vorschlag für die meisten Touren. Isolierte Kammern bringen sie laut Hersteller auf R 3,2, bei 450 g in Größe M. Zwei Flachventile, der Schnozzel-Pumpsack und fünf Jahre Garantie auf Material- und Verarbeitungsfehler gehören dazu. Für Frostnächte reicht sie allein nicht, mit einer Schaummatte darunter schon eher.
Exped Dura 6.5R
Die Winterwahl für alle, denen Gewicht nicht alles ist. Exped kombiniert Mikrofaser mit einer reflektierenden Folie und kommt auf R 6,9. Das Obermaterial aus 75-Denier-Polyester ist dicker als bei der Ultra-Reihe, das kostet rund 200 g gegenüber der Ultra 6.5R. Schotter und rauen Hüttenböden dürfte sie dafür gelassener begegnen.
Therm-a-Rest NeoAir XLite NXT
Eine sehr leichte isolierte Luftmatte. Händler nennen R 4,5 nach ASTM und 7,5 cm Dicke, beim Gewicht der Regular-Größe weichen ihre Angaben voneinander ab; das WingLock-Ventil lässt Luft nur in eine Richtung durch. Wer unruhig schläft, schaut sich die rechteckige Variante MAX an.
Vaude Tour 5 M II
Selbstaufblasend, 183 × 51 × 5 cm, R 6 nach ASTM F3340-18. Vaude nennt eine Komfortgrenze von −24 °C. Mit 1.250 g ist sie nichts für den Gipfel, aber eine warme, unkomplizierte Matte für den Campingplatz im März oder das Dachzelt. Pumpsack gibt es extra; die Garantie beträgt fünf Jahre.
Therm-a-Rest Z Lite Sol
Die Ziehharmonika-Matte mit reflektierender Beschichtung. Händler geben R 2,0, 410 g und 2 cm Dicke an. Allein reicht sie für laue Nächte, als zweite Lage unter einer Luftmatte hebt sie den Gesamtwert um rund zwei Punkte. Durchstechen lässt sie sich nicht.
So würden wir entscheiden
- Wandern und Trekking von April bis Oktober: Exped Ultra 3R in M, Seitenschläfer nehmen MW.
- Nur Hochsommer, jedes Gramm zählt: Exped Ultra 1R.
- Winter, Schnee, Hochtour mit Hüttenboden: Exped Dura 6.5R, alternativ die Ultra 3R plus Z Lite Sol als zweite Lage.
- Camping mit dem Auto oder Rad, Komfort vor Gewicht: Vaude Tour 5 M II.
- Wenig Budget oder Kindergruppe: Therm-a-Rest Z Lite Sol, allein nur für milde Nächte.
Wer abends lieber sitzt als liegt, findet die passende Ergänzung im Ratgeber zum Campingstuhl.
Quellen
- Exped: Ultra 3R
- Exped: Ultra 1R
- Exped: Ultra 6.5R
- Exped: Dura 6.5R
- Exped: Flex 1.5R und Flex 3R
- Exped: Versa 4.5R
- Exped: A sleeping mat odyssey (zur Messung des R-Werts)
- Vaude: R-Wert und mehr
- Vaude: Tour 5 M II
- Vaude: Tour 3.8 L II
- Therm-a-Rest: ASTM-Standard für den R-Wert
- Händlerangaben NeoAir XLite NXT (Sport Conrad)
- Händlerangaben Z Lite Sol (Bergfreunde)
Wo Sie die Produkte bekommen
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