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Viele Mainboards werden nach dem Chipsatz mit dem klangvollsten Namen gekauft. X870E und Z890 klingen nach Reserve, bringen einem Rechner mit einer Grafikkarte und einer SSD aber oft nichts, was ein B850- oder B860-Board nicht auch kann. Für einen neuen AMD-Rechner halten wir deshalb das MSI MAG B850 Tomahawk MAX WIFI für die vernünftige Wahl; bei Intel genügt ohne Übertakten ein B860-Board wie das MSI PRO B860-P WIFI.
Klingt nüchtern. Ist es auch.
Erst die CPU, dann der Sockel
Das Mainboard folgt dem Prozessor, nie umgekehrt. Ryzen-Prozessoren der Serien 7000, 8000 und 9000 sitzen im Sockel AM5, Intels Core Ultra der zweiten Generation im Sockel LGA 1851. Welche CPU zu Ihren Programmen und Spielen passt, klärt unser Ratgeber zum Prozessorkauf. Für AM5 spricht ein Argument, das man beim Kauf leicht übersieht: AMD hat zugesagt, die Plattform bis 2027 und auch danach zu unterstützen. Ein späterer Prozessorwechsel ohne neues Board ist damit zumindest eingeplant. Eine Garantie ist das nicht.
Was der Chipsatz wirklich festlegt
Bei Intel ist das einfach. Laut Intels Chipsatz-Übersicht erlaubt nur der Z890 das Übertakten der Prozessorkerne und des Basistakts. Der B860 darf immerhin den Arbeitsspeicher übertakten, der H810 gar nichts. Auch bei den Anschlüssen liegt der Z890 vorn, mit bis zu 24 PCIe-4.0-Leitungen am Chipsatz statt bis zu 14, bis zu acht SATA-Ports statt vier und bis zu fünf USB-Ports mit 20 Gbit/s statt zwei. Wer einen Core Ultra mit K im Namen nie übertakten will, kauft mit dem Z890 Spielraum, den er nicht nutzt.
Bei AMD verläuft die Linie weniger scharf. X870 und X870E bringen laut AMD USB4 als Standard mit und binden NVMe-SSDs mit PCIe 5.0 direkt an den Prozessor an. Den X870E hebt AMD durch 24 PCIe-5.0-Leitungen ab, 16 davon für die Grafikkarte. Darunter liegt der B850, und hier entscheidet der Boardhersteller mehr als der Chipsatz. Das MSI MAG B850 Tomahawk MAX WIFI etwa führt laut Datenblatt den Grafikkartenplatz und zwei M.2-Plätze mit PCIe 5.0 aus. Das Datenblatt des einzelnen Boards sagt deshalb mehr als die vier Zeichen auf dem Karton.
ATX, Micro-ATX oder Mini-ITX?
Das Format bestimmt, wie viel auf die Platine passt. Ein ATX-Board misst 30,5 × 24,4 cm. Micro-ATX spart vor allem Steckplätze, das ASRock B850M Pro RS WiFi hat neben dem Grafikkartenplatz nur noch einen weiteren. Mini-ITX schrumpft auf 17 × 17 cm, und das hat Folgen: Das ASUS ROG Strix B850-I Gaming WIFI nimmt in zwei Speicherbänken höchstens 128 GB auf, dazu kommen zwei M.2-Plätze und zwei SATA-Anschlüsse. Für einen kompakten Spielerechner genügt das. Für eine Videoschnitt-Maschine mit vier SSDs nicht. Rund um den Sockel wird es auf so kleinen Platinen eng, deshalb sollten Sie die Maße des Kühlers vorher prüfen; Hinweise dazu stehen in unserem Ratgeber zu CPU-Kühlern. Welcher Speicher auf die Platine gehört, klärt der Ratgeber zum Arbeitsspeicher.
Steckplätze teilen sich die Leitungen
Was selten auf dem Karton steht, findet sich im Handbuch. Zwei Beispiele. Beim ASRock B850M Pro RS WiFi schaltet sich der zweite PCIe-Steckplatz ab, sobald eine SSD im dritten M.2-Platz steckt. Heikler ist eine andere Fußnote. Mit einem Ryzen der Serie 8000 läuft der Grafikkartenplatz laut ASRock nur noch mit PCIe 4.0 x8, beim kleineren Phoenix-2-Chip sogar nur mit vier Leitungen. ASUS nennt für das TUF Gaming B850-Plus WIFI dieselbe Einschränkung. Wer also einen 8000er-Ryzen mit integrierter Grafik kauft und später eine schnelle Grafikkarte nachrüstet, verschenkt Bandbreite, egal welches Board darunter liegt.
Hinten heraus: USB, Netzwerk und WLAN
Die Anschlussblende sagt mehr über den Alltag als der Chipsatz. Das MSI MAG X870 Tomahawk WIFI hat zwei USB-C-Buchsen mit 40 Gbit/s. Auf Intel-Seite übernimmt Thunderbolt 4 diese Rolle, sowohl am ASUS TUF Gaming Z890-Plus WIFI als auch am MSI PRO B860-P WIFI. Das hilft, wenn Sie schnelle externe SSDs oder ein Dock anschließen. Für Maus und Tastatur reicht jede Buchse.
Beim kabelgebundenen Netzwerk liefern die drei MSI-Boards 5 Gbit/s, ASUS und ASRock 2,5 Gbit/s. Mehr als ein Gigabit bringt nur etwas, wenn Router oder Switch mitziehen. WLAN ist bei allen sechs Boards eingebaut. Fünf funken mit Wi-Fi 7, das ASRock mit Wi-Fi 6E. Intel weist selbst darauf hin, dass die neuen Wi-Fi-7-Funktionen nur mit einem passenden Wi-Fi-7-Router greifen. Mit einem älteren Router funkt auch das neueste Modul nicht schneller.
BIOS-Update per Knopfdruck, sogar ohne Prozessor
Eine kleine Taste an der Rückseite kann einen Nachmittag retten. Das ASRock B850M Pro RS WiFi, die beiden ASUS-Boards und das MSI MAG B850 Tomahawk MAX WIFI haben eine solche Flashback-Taste. Laut ASRock lässt sich das BIOS damit aktualisieren, ohne den Rechner einzuschalten und sogar ohne eingesetzte CPU. Die Anleitung verlangt einen FAT32-formatierten USB-Stick, auf dem die BIOS-Datei unter einem festen Namen liegt, und den gesteckten 24-poligen Stecker des Netzteils. Welches Netzteil zum restlichen System passt, erklärt unser Ratgeber zu PC-Netzteilen.
Eine Warnung aus derselben Anleitung sollten Sie ernst nehmen. Vor dem Update BitLocker oder eine andere TPM-gestützte Verschlüsselung aussetzen und den Wiederherstellungsschlüssel sichern, sonst startet Windows danach womöglich nicht mehr. ASRock rät zusätzlich, das fTPM vorher abzuschalten.
Sechs aktuelle Mainboards nebeneinander
| Modell | Sockel, Chipsatz, Format | Speicher und SSDs | Anschlüsse und Funk | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|---|
| MSI MAG B850 Tomahawk MAX WIFI | AM5, B850, ATX | 4 DDR5-Bänke, 2 × M.2 PCIe 5.0, 2 × M.2 PCIe 4.0, 4 × SATA | USB-C 20 Gbit/s, 5 Gbit/s LAN, Wi-Fi 7 | Spiele- und Alltagsrechner mit Ryzen | ansehen |
| MSI MAG X870 Tomahawk WIFI | AM5, X870, ATX | 4 DDR5-Bänke, 2 × M.2 PCIe 5.0, 2 × M.2 PCIe 4.0, 4 × SATA | 2 × USB-C 40 Gbit/s, 5 Gbit/s LAN, Wi-Fi 7 | Ryzen-Rechner mit schnellen externen Laufwerken | ansehen |
| ASRock B850M Pro RS WiFi | AM5, B850, Micro-ATX | 4 DDR5-Bänke, 1 × M.2 PCIe 5.0, 2 × M.2 PCIe 4.0, 4 × SATA | USB-C 10 Gbit/s, 2,5 Gbit/s LAN, Wi-Fi 6E | Schlichte Ryzen-Rechner in kleineren Gehäusen | ansehen |
| ASUS ROG Strix B850-I Gaming WIFI | AM5, B850, Mini-ITX | 2 DDR5-Bänke bis 128 GB, 2 × M.2 PCIe 5.0, 2 × SATA | USB-C 20 Gbit/s, 2,5 Gbit/s LAN, Wi-Fi 7 | Kompakte Spielerechner | ansehen |
| MSI PRO B860-P WIFI | LGA 1851, B860, ATX | 4 DDR5-Bänke, 1 × M.2 PCIe 5.0, 2 × M.2 PCIe 4.0, 4 × SATA | Thunderbolt 4, 5 Gbit/s LAN, Wi-Fi 7 | Core-Ultra-Rechner ohne Übertakten | ansehen |
| ASUS TUF Gaming Z890-Plus WIFI | LGA 1851, Z890, ATX | 4 DDR5-Bänke bis 256 GB, 1 × M.2 PCIe 5.0, 3 × M.2 PCIe 4.0, 4 × SATA | Thunderbolt 4, USB-C 20 Gbit/s, 2,5 Gbit/s LAN, Wi-Fi 7 | Übertakter und Intel-Rechner mit vielen SSDs | ansehen |
MSI MAG B850 Tomahawk MAX WIFI
Ein B850-Board, das sich ausstattet wie eine Klasse höher. Laut MSI gibt es einen Grafikkartenplatz mit PCIe 5.0, zwei M.2-Plätze mit PCIe 5.0 und zwei weitere mit PCIe 4.0, dazu 5-Gbit/s-LAN und Wi-Fi 7. USB4 fehlt, die schnellste Buchse liefert 20 Gbit/s. MSI führt außerdem eine Fassung „MAX WIFI II“ mit leicht abweichendem Datenblatt, achten Sie also auf den genauen Namen.
MSI MAG X870 Tomahawk WIFI
Technisch der nahe Verwandte des B850-Modells, mit einem Unterschied, der zählt: zwei USB-C-Buchsen mit 40 Gbit/s. Speicherplätze und Netzwerk entsprechen nach Datenblatt dem Tomahawk MAX. Sinnvoll, wenn Sie regelmäßig große Videodateien auf externe SSDs schieben. Sonst nicht.
ASRock B850M Pro RS WiFi
Ein schnörkelloses Micro-ATX-Board mit allem Nötigen: PCIe 5.0 für Grafikkarte und erste SSD, drei M.2-Plätze, HDMI und DisplayPort für Prozessoren mit eigener Grafik. Abstriche gibt es beim Funk, denn ASRock verbaut Wi-Fi 6E und Bluetooth 5.2. Wer den zweiten Steckplatz für eine Erweiterungskarte braucht, muss auf den dritten M.2-Platz verzichten.
ASUS ROG Strix B850-I Gaming WIFI
Viel Technik auf 17 × 17 cm. ASUS nennt für beide M.2-Plätze PCIe 5.0, sofern ein Ryzen 7000 oder 9000 im Sockel sitzt, dazu Wi-Fi 7 und Intel-LAN mit 2,5 Gbit/s. Dafür muss man mit zwei Speicherbänken und einem einzigen Steckplatz leben. Für ein Wohnzimmer-Gehäuse genau richtig.
MSI PRO B860-P WIFI
Die solide Intel-Grundlage. An der Rückseite sitzt Thunderbolt 4 mit 40 Gbit/s, hinzu kommen 5-Gbit/s-LAN von Realtek und Intels Wi-Fi 7. Übertakten lässt sich laut Intel nur der Arbeitsspeicher, MSI gibt bis DDR5-8800 im übertakteten Betrieb an. Für einen Core Ultra 5 oder 7 ohne Bastelambitionen reicht das.
ASUS TUF Gaming Z890-Plus WIFI
Das Board für alle, die den Z890 wirklich nutzen. Vier M.2-Plätze, Thunderbolt 4 plus eine USB-C-Buchse mit 20 Gbit/s und bis zu 256 GB Arbeitsspeicher, auch als CUDIMM. Erst mit diesem Chipsatz lässt sich ein Core Ultra mit K übertakten. Ohne diesen Plan bleibt das B860-Board die nüchternere Wahl.
Welches Board zu welchem Rechner passt
- Spielerechner mit Ryzen 7000 oder 9000: MSI MAG B850 Tomahawk MAX WIFI. Es bietet PCIe 5.0 an den entscheidenden Stellen und reichlich SSD-Plätze.
- Viel Arbeit mit externen Laufwerken: MSI MAG X870 Tomahawk WIFI wegen USB4.
- Kleines Gehäuse, schlichter Aufbau: ASRock B850M Pro RS WiFi, wenn Wi-Fi 6E genügt.
- Kompakter Rechner unter dem Fernseher: ASUS ROG Strix B850-I Gaming WIFI.
- Intel ohne Übertakten: MSI PRO B860-P WIFI.
- Intel mit Übertakten oder vielen SSDs: ASUS TUF Gaming Z890-Plus WIFI.
Quellen
- Intel: Chipset Brief Intel 800 Series (H810, B860, Z890)
- AMD: Vorstellung der Ryzen-9000-Prozessoren und der Chipsätze X870/X870E
- MSI: Datenblatt MAG B850 Tomahawk MAX WIFI
- MSI: Datenblatt MAG X870 Tomahawk WIFI
- MSI: Datenblatt PRO B860-P WIFI
- ASRock: Handbuch B850M Pro RS WiFi
- ASUS: Technische Daten ROG Strix B850-I Gaming WIFI
- ASUS: Technische Daten TUF Gaming Z890-Plus WIFI
- ASUS: Technische Daten TUF Gaming B850-Plus WIFI
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