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E-Bike-Motoren im Vergleich: Mitte, Heck, Bosch, Shimano

E-Bike-Motoren im Vergleich: was Mittel- und Heckmotor unterscheidet, was Newtonmeter bedeuten und warum die Marke allein nicht entscheidet.

Redaktion handgetestet · Zuletzt aktualisiert: 05.11.2026
Inhalt11 Abschnitte

Bosch oder Shimano? Die Frage klingt nach der wichtigsten beim E-Bike-Kauf, doch sie kommt zu früh. Stiftung Warentest hält die Motormarke allein nicht für ein sinnvolles Kaufkriterium, weil das Fahrgefühl aus dem Zusammenspiel von Motor, Sensorik und Rad entsteht. Entscheiden Sie zuerst über den Sitz des Motors, dann über den Sensor und erst am Ende über das Logo. Eine Hauptempfehlung geben wir hier bewusst nicht: Für keines der unten genannten Räder liegt uns eine unabhängige Messung genau dieser Ausführung vor.

Mitte, hinten, vorn: Was die Einbaulage verändert

Der Mittelmotor sitzt am Tretlager. Das hält den Schwerpunkt tief und verteilt das Gewicht gleichmäßig, und er arbeitet mit Ketten- wie mit Nabenschaltung zusammen. Stiftung Warentest nennt ihn den Standard bei City- und Trekkingrädern; unter den elf 2024 geprüften Trekking-E-Bikes hatten acht diese Bauart. Er braucht allerdings einen eigens dafür gebauten Rahmen. Und seine Kraft läuft über die Kette: Die Zeitschrift BIKE beschreibt an Mittelmotor-Rädern mit Kettenschaltung höheren Verschleiß und oft deutlich hörbare Schaltvorgänge.

Beim Heckmotor ist es umgekehrt. Er steckt in der Hinterradnabe, läuft oft leise und schont die Kette, macht aber den Ausbau des Hinterrads umständlicher. Wer Reifen gern selbst flickt, sollte das bedenken. Dafür lässt er sich bei einem Defekt relativ leicht ausbauen. In den zehn Urban-E-Bikes, die Stiftung Warentest 2026 geprüft hat, steckte er achtmal. Bei den Trekkingrädern von 2024 fand er sich nur an den drei günstigen Modellen, die zudem kleinere Akkus trugen.

Wie deutlich sich beide am Berg unterscheiden, zeigt ein Vergleich des TCS, den der ADAC veröffentlicht hat: Schnelle Pedelecs mit Heckmotor zogen in der Ebene stärker an, waren in steilem Gelände aber klar im Nachteil, während Mittelmotor-Räder überall gut fahrbar blieben. Das galt für Räder bis 45 km/h. Für normale Pedelecs bis 25 km/h lässt es sich nur als Hinweis lesen, nicht als Messwert.

Der Frontmotor bleibt die Ausnahme und findet sich fast nur an günstigen Rädern. Für unsichere Fahrer hält Stiftung Warentest ihn für nicht optimal, weil das Vorderrad auf glattem oder losem Untergrund leichter wegrutscht. Ein Frontantrieb im Urban-Feld von 2026 machte dort allerdings einen ziemlich guten Eindruck.

Der Sensor zählt oft mehr als die Marke

Hier fallen die teuren Fehlentscheidungen. Von zehn günstigen Tiefeinsteigern, die der ADAC 2024 geprüft hat, arbeiteten acht mit einem Antrieb, der nur die Trittfrequenz erfasst, nicht die Kraft auf dem Pedal. Die Folgen laut ADAC: Der Motor springt verzögert an, das Anfahren am Berg wird mühsam, in der Gruppe lässt sich schlecht mitfahren. Bei zwei Rädern lief der Motor nach dem Aufhören lange nach, selbst beim Bremsen wurde das nicht unterbrochen. So etwas ist gefährlich.

Fragen Sie deshalb nach dem Drehmomentsensor, bevor Sie nach Newtonmetern fragen. Heckmotor heißt übrigens nicht automatisch schlicht: BIKE nennt Antriebe mit und ohne diesen Sensor auch unter den Nabenmotoren. Die Probefahrt verrät es schnell. Treten, aufhören, dann auf den Nachlauf achten.

Newtonmeter: Wie viel ist genug?

Mehr ist nicht besser. Stiftung Warentest rät allen, die nicht ganz so fit sind oder lange nicht gefahren sind, zu höchstens 60 Nm. In der Stadt genügen meist 40 bis 45 Nm, an steileren Anstiegen wird das aber knapp. Wer regelmäßig Berge fährt und trainiert ist, kann die Kraft eines Motors wie des Bosch Performance Line CX mit 85 Nm nutzen. Solche Antriebe beschleunigen stark genug, um Ungeübte zu überfordern.

Am Verbrauch sieht man, warum die Stufe wichtiger ist als der Motor. Stiftung Warentest nennt für 500 Wh rund 20 Kilometer bergauf mit voller Unterstützung und rund 85 Kilometer in der Ebene im Eco-Modus. Umgerechnet sind das 25 Wh gegen knapp 6 Wh je Kilometer, also mehr als das Vierfache aus demselben Akku. Wie Sie ihn pflegen und wann sich mehr Kapazität rechnet, steht im Ratgeber zum E-Bike-Akku.

Bosch, Shimano, Yamaha: Was sich belegen lässt

Bosch hat die breiteste Palette. Laut ADAC liefert die aktuelle Performance Line 75 Nm, die PX-Variante je nach Ausführung 85 oder 90 Nm, und mit der Hub Line gibt es nun auch einen Nabenmotor der Marke. Im Labor der Zeitschrift EMTB holte der leichte Performance Line SX 2023 mit 508 Watt die höchste Spitzenleistung der dort gemessenen Leichtmotoren, entfaltet sie aber nur kurz, bei hoher Trittfrequenz und kräftigem Mittreten.

Von Shimano liegt uns aus demselben Vergleich nur eine Abwandlung vor: der EP8 RS, dessen Technik dem EP8 entspricht und dessen Software von Orbea stammt. Mit 2,65 kg war er schwerer als der Bosch SX mit 2,07 kg, lieferte seine Kraft aber schon bei wenig Eigenleistung. Sehr hohe Trittfrequenzen liegen ihm weniger. Beide Werte stammen von Mountainbike-Antrieben, Rückschlüsse auf Stadträder sind also begrenzt; passender dafür ist unser Ratgeber zum E-MTB.

Zu Yamaha können wir keine belastbaren Messwerte nennen. Wir lassen die Marke deshalb lieber offen, als sie mit Herstellerzahlen zu bewerten. Ein Grundsatz gilt für alle drei und auch für kleinere Anbieter: Stiftung Warentest empfiehlt den Antrieb eines eher großen Herstellers, weil dann die Chance steigt, in einigen Jahren noch Ersatzteile und Akkus zu bekommen. Bei Eigenmarken-Motoren sollten Sie deshalb vor der Bestellung nach der Ersatzteilversorgung fragen.

5 E-Bikes nach Antrieb sortiert

Die Liste ist keine Rangfolge. Sie zeigt, wie sich die Bauarten in bei Amazon.de angebotenen Rädern wiederfinden. Räder mit Shimano- oder Yamaha-Antrieb fehlen, weil sich dort keine Ausführung eindeutig zuordnen ließ. Alle Angaben stammen aus den Angeboten, nicht aus einer Messung.

ModellAntrieb laut AngebotAkku, SchaltungFür wenAngebot (Partnerlink)
Fischer Cita Move 01 WHeckmotor, 50 Nm474 Wh, 8-Gang-KetteEbene Wege, wenig KettenpflegeZum Preis bei Amazon
Fischer Cita 4.3iBafang-Mittelmotor, 65 Nm7-Gang-NabeAlltag mit Steigungen, wartungsarmZum Preis bei Amazon
Airtracks Lumina GX3 LSBosch Active Line Plus, Mittelmotor500 Wh, 9-Gang-KetteTouren, Bosch-Service gewünschtZum Preis bei Amazon
Airtracks Creon V-Tron LSBosch Active Line Plus, Mittelmotor400 Wh, 7-Gang-NabeKurze StadtwegeZum Preis bei Amazon
Telefunken City-E-Bike 28 ZollMittelmotor, 80 Nm468 Wh, 7-Gang-NabeViel Kraft bei kleinerem Budget, Motorherkunft klärenZum Preis bei Amazon
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Fischer Cita Move 01 W

Das einzige Rad hier mit Heckmotor, dazu ein tiefer Wave-Rahmen. Für flache Stadtstrecken passt die Bauart gut. Klären Sie vorher, ob ein Drehmomentsensor verbaut ist, denn das Angebot nennt dazu nichts Eindeutiges.

Fischer Cita 4.3i

Mittelmotor mit Nabenschaltung, das hält die Pflege gering. Ein anderes Fischer-Modell mit Mittelmotor, das Cita 2.2i, schnitt beim ADAC 2024 gut ab und fiel durch sein Antriebssystem auf, war mit 28,8 kg aber auch das schwerste Rad im Feld. Auf das 4.3i lässt sich dieses Urteil nicht übertragen.

Airtracks Lumina GX3 LS

Ein Trekkingrad mit Bosch-Antrieb und 500 Wh, was laut Stiftung Warentest für Mittelstrecken in der Regel reicht. Der Bosch-Motor ist hier das stärkste Argument, weil er die Frage nach Ersatzteilen entschärft. Kettenschaltung heißt: regelmäßig reinigen und fetten.

Airtracks Creon V-Tron LS

Gleicher Motor, kleinerer Akku, Nabe statt Kette. Für den täglichen Weg zur Arbeit genügt das, längere Ausflüge planen Sie damit besser in sparsamen Stufen.

Telefunken City-E-Bike 28 Zoll

Die 80 Nm stehen im Angebot, der Motorhersteller nicht. Das ist genau der Fall, in dem die Zahl wenig sagt. Für Ungeübte liegt der Wert zudem deutlich über den 60 Nm, zu denen Stiftung Warentest rät.

So würden wir entscheiden

  • Flache Stadt, kurze Wege, wenig Lust auf Kettenpflege: Heckmotor mit Drehmomentsensor.
  • Hügel, Gepäck oder Touren: Mittelmotor, möglichst von einem großen Hersteller.
  • Unsicher auf dem Rad: höchstens 60 Nm, Frontmotor eher meiden.
  • Rad muss oft getragen werden: Leichtantrieb erwägen und vorher anheben, denn Gewicht spürt man auf der Kellertreppe, nicht beim Fahren.

Fahren Sie die erste Runde ohne Unterstützung, das rät auch der ADAC, weil der Antrieb sonst den kritischen Blick aufs Rad überdeckt. Den Überblick über Rahmen, Akku und Bremsen finden Sie im Ratgeber E-Bike kaufen. Wer die Kurbel am Mittelmotor oder das Hinterrad selbst wartet, arbeitet mit einem Montageständer deutlich entspannter.

Was das fehlende Oberrohr für Rahmen, Knie und Zuladung bedeutet, klärt der Ratgeber zum E-Bike mit Tiefeinstieg.

Quellen

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