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Wer heute einen Rohbau verkabelt, entscheidet über die nächsten dreißig Jahre Haustechnik. Funk lässt sich später nachrüsten, Kabel im Estrich nicht. Für ein kabelgebundenes Smart Home ohne den Planungsaufwand eines großen Bussystems halten wir Homematic IP Wired für einen vernünftigen Weg, und der erste Baustein ist immer derselbe: der Wired Access Point HmIPW-DRAP. Ohne ihn schaltet kein einziger Aktor.
Dieser Beitrag erklärt, wie das System aufgebaut ist, was im Verteiler landet, welche Leitungen in die Wand gehören und wo die Grenzen liegen. Am Ende steht, mit welchen Geräten ein typisches Einfamilienhaus anfängt.
Das Prinzip: Intelligenz im Verteiler, Taster in der Wand
Bei einer klassischen Installation führt jede Lampe über einen Schalter, der den Strom direkt unterbricht. Homematic IP Wired dreht das um. Die 230-Volt-Leitungen zu Leuchten, Rollläden und Stellantrieben laufen sternförmig in die Hauptverteilung oder eine Unterverteilung. Dort sitzen die Aktoren auf der Hutschiene, also der genormten Tragschiene, auf der auch Leitungsschutzschalter und FI-Schalter stecken. Die Taster im Raum melden nur noch, dass jemand gedrückt hat.
Verbunden sind alle Geräte über den Homematic IP Wired Bus. Er transportiert Daten und zugleich 24 Volt Gleichspannung für die Elektronik. Der Hersteller eQ-3 beschreibt ihn als Schutzkleinspannungskreis (SELV), getrennt vom Netz. Das hat einen praktischen Vorteil: Eingangsmodule für Taster lassen sich laut Systemhandbuch mit Fernmelde- oder Niederspannungsleitungen anschließen, weil ihre Eingänge galvanisch von 230 Volt getrennt sind.
Ein Detail, das im Alltag zählt. Zeitprofile und direkte Verknüpfungen speichert jedes Gerät selbst. Fällt die Internetverbindung oder eine Zentrale aus, schaltet der Taster im Flur trotzdem das Licht, und der Rollladen fährt weiter nach seinem Zeitplan. Nur Programme und Automatisierungen, die mehrere Geräte über die Zentrale verbinden, pausieren dann.
Ring, Strang, 300 Meter: was der Bus kann
Der Access Point hat zwei unabhängige Busausgänge. Jeder liefert laut Systemhandbuch bis zu 72 Watt, also 3 Ampere. Sie können zwei getrennte Stränge aufbauen oder beide Ausgänge zu einem Ring schließen. Der Ring hat einen Vorteil, den man erst schätzt, wenn ein Bohrer die Leitung trifft: Wird er an einer Stelle unterbrochen, teilt sich das System automatisch in zwei Stränge, und alle Geräte bleiben erreichbar.
Grenzen gibt es trotzdem. Im Ring unterstützt ein Access Point höchstens 64 Geräte, je Installation nennt eQ-3 bis zu 120. Innerhalb des Verteilers genügen die mitgelieferten kurzen Busverbinder. Ab drei Metern Länge verlangt der Hersteller geschirmte Leitungen, etwa Netzwerkkabel ab Cat5e, Fernmeldekabel J-Y(St)Y 2 × 2 × 0,8 mm oder grünes EIB-Buskabel. Damit sind bis zu 300 Meter möglich.
Ein Punkt, den Elektriker im Rohbau beachten müssen: Netzwerk- und Fernmeldekabel haben laut Handbuch nicht die nötige Spannungsfestigkeit, um mit 230-Volt-Einzeladern zusammen verlegt zu werden. Liegen sie nah beieinander, braucht es eine Trennwand. Das grüne EIB-Buskabel darf dagegen neben 230 Volt liegen. Wer im Neubau ohnehin Leerrohre zieht, nimmt deshalb meist gleich EIB-Kabel.
Planung mit dem Elektriker
Selbst anschließen ist hier keine Option. Die Anleitung des Access Points verlangt den Einbau in einen Stromkreisverteiler nach DIN 43871 und DIN 18015, die Verdrahtung nach VDE 0100 und die Beachtung der Technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers. Arbeiten am 230-Volt-Netz sind einer Elektrofachkraft vorbehalten. Sinnvoll ist es, die Fachkraft schon bei der Grundrissplanung einzubinden, nicht erst beim Rohbau.
Was auf den Planungstisch gehört, ist überschaubar. Jede Leuchte, jeder Rollladen und jeder Heizkreis bekommt eine eigene Leitung zum Verteiler. Dazu kommt die Busleitung zu jedem Raum mit Tastern, Thermostaten oder Präsenzmeldern. Der Verteiler muss größer ausfallen als üblich: Access Point, Netzteil und jeder Aktor belegen je 4 Teilungseinheiten, und jeder Schaltkanal kann einen eigenen Leitungsschutzschalter brauchen. eQ-3 empfiehlt ausdrücklich, Verteiler, Dosen und Leitungen großzügig auszulegen und alles schriftlich zu dokumentieren. Auch die Abwärme zählt. Der Dimmaktor setzt laut Handbuch bis zu 6,5 Watt um, der 8-fach-Schaltaktor bis zu 4,6 Watt.
Wer Eigenleistung einplant, etwa beim Einziehen der Busleitung in Leerrohre, arbeitet trotzdem nur mit isoliertem Werkzeug und nie an Leitungen unter Spannung. Was ein sicheres Set ausmacht, steht im Ratgeber zu VDE-Werkzeug.
Die Bausteine im Vergleich
| Modell | Aufgabe | Eckdaten laut Hersteller | Für wen | Angebot (Partnerlink) |
|---|---|---|---|---|
| Homematic IP Wired Access Point HmIPW-DRAP | Zentrale Schnittstelle, speist den Bus | 2 Busausgänge je 72 W, bis 120 Geräte, 4 TE | Jede Wired-Installation | ELVAmazon149,95 € bei ELV · Stand 05.11. |
| Homematic IP Wired Netzteil HmIPW-DRPS4 | 24-V-Versorgung | 96 W, 100 bis 240 V AC, 4 TE | Jede Wired-Installation | ansehen59,95 € bei ELV · Stand 05.11. |
| Homematic IP Wired Schaltaktor HmIPW-DRS8 | Licht und Steckdosen schalten | 8 Kanäle, zusammen bis 80 A | Viele Lichtkreise | ELVAmazon178,44 € bei ELV · Stand 05.11. |
| Homematic IP Wired Jalousieaktor HmIPW-DRBL4 | Rollläden, Raffstores, Markisen | 4 Kanäle, je bis 500 W | Häuser mit Beschattung | ELVAmazon166,54 € bei ELV · Stand 05.11. |
| Homematic IP Wired Dimmaktor HmIPW-DRD3 | Leuchten dimmen | 3 Kanäle, Phasenabschnitt, LED je 100 W | Wohn- und Essbereich | ansehen261,74 € bei ELV · Stand 05.11. |
| Homematic IP Wired Eingangsmodul HmIPW-DRI32 | Taster, Schalter, Kontakte einlesen | 32 Eingänge | Viele herkömmliche Taster | ansehen202,24 € bei ELV · Stand 05.11. |
| Homematic IP Wired Wandthermostat HmIPW-WTH | Raumtemperatur regeln | Unterputz, 55er-Rahmen, misst Luftfeuchte | Fußbodenheizung | ELVAmazon77,29 € bei ELV · Stand 05.11. |
Homematic IP Wired Access Point HmIPW-DRAP
Unsere Empfehlung für den Einstieg, weil ohne ihn nichts läuft. Der Access Point versorgt beide Busstränge, hat ein beleuchtetes Display für die Inbetriebnahme direkt im Verteiler und wird per LAN ins Heimnetz gebracht. Für eine reine Wired-Anlage genügt er allein, bedient wird dann über die Homematic IP App. Der Nachteil liegt genau dort: Ohne weitere Zentrale laufen App-Bedienung und Konfiguration über die Cloud des Herstellers. Wer lokal steuern will, ergänzt die Home Control Unit oder die CCU3. Welche Zentrale zu welchem Haus passt, vergleicht unser Ratgeber zur Smart-Home-Zentrale. Für Sicherheitsupdates nennt eQ-3 einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren.
Homematic IP Wired Netzteil HmIPW-DRPS4
Der Access Point braucht ein eigenes 24-Volt-Netzteil. Das passende Gerät von eQ-3 leistet laut ELV 96 Watt und lässt sich parallel schalten, um Leistung oder Ausfallsicherheit zu erhöhen. Ein fremdes Hutschienennetzteil ist erlaubt, wenn es die Vorgaben aus dem Handbuch erfüllt: 24 Volt mit höchstens 5 Prozent Abweichung, SELV, kurzschlussfest. Die Leitung vom Netzteil zum Access Point darf höchstens drei Meter lang sein.
Homematic IP Wired Schaltaktor HmIPW-DRS8
Acht Relais für Licht, Außensteckdosen oder Lüfter. Die Last lässt sich laut Handbuch auf zwei Arten verteilen: alle acht Kanäle mit je 10 Ampere ohmscher Last, oder zwei Kanäle mit 16 Ampere und die übrigen mit 8 Ampere. Jeder Kanal wird mit einem Leitungsschutzschalter Typ B oder C abgesichert. Für kleinere Häuser gibt es den 4-fach-Aktor HmIPW-DRS4, der je Kanal 16 Ampere und bis zu 200 Watt LED-Last schaltet. Wer nur einzelne Räume nachrüsten will, ist mit Funk-Unterputzaktoren besser bedient, siehe unseren Ratgeber zum Unterputz-Aktor.
Homematic IP Wired Jalousieaktor HmIPW-DRBL4
Vier Kanäle für Rollläden, Raffstores und Markisen, je bis 500 Watt. Bei Raffstores stellt der Aktor laut ELV auch den Lamellenwinkel ein. Mit einem Fensterkontakt verhindert die App, dass der Rollladen vor der offenen Terrassentür herunterfährt. Eine Einschränkung: Gleichstrommotoren mit Polumkehr sind nicht vorgesehen. Wer Funklösungen für den Bestand sucht, findet sie im Ratgeber zur smarten Rollladensteuerung.
Homematic IP Wired Dimmaktor HmIPW-DRD3
Drei Phasenabschnittdimmer. Laut Handbuch verträgt jeder Kanal 200 Watt Glüh- oder Halogenlast, bei LED-Lampen mit eingebautem Vorschaltgerät aber nur 100 Watt. Für eine Essplatzleuchte und ein paar Spots reicht das. Jeder Kanal kann an einer anderen Phase und einem anderen FI-Bereich hängen. Ob sich eine bestimmte LED-Lampe flackerfrei dimmen lässt, hängt von der Lampe ab. Das klären Sie vor dem Kauf größerer Mengen.
Homematic IP Wired Eingangsmodul HmIPW-DRI32
Hier enden die Leitungen der Taster. 32 Eingänge nehmen Taster, Schalter oder Reed-Kontakte von Fenstern auf. Der Charme: Im Raum sitzen gewöhnliche Taster aus jeder Schalterserie, und welcher Taster was schaltet, lässt sich später in der App neu belegen, ohne Kabel anzufassen. Wer weniger Eingänge braucht, greift zum 16-fach-Modul HmIPW-DRI16.
Homematic IP Wired Wandthermostat HmIPW-WTH
Das Thermostat sitzt in der Unterputzdose, passt laut ELV in 55er-Rahmen von Berker, Busch-Jaeger, Gira, Jung, Merten und anderen und bezieht Strom und Daten über den Bus. Batterien entfallen. Es misst Temperatur und Luftfeuchte und steuert gemeinsam mit einem Fußbodenheizungscontroller die Heizzonen, etwa dem HmIPW-FAL230-C6 für sechs Zonen mit 230-Volt-Stellantrieben. Funk-Heizkörperthermostate kann es nicht steuern. Mehr zur Regelung von Flächenheizungen steht im Ratgeber Fußbodenheizung smart steuern.
Kabel und Funk zusammen
Ein Kabelsystem schließt Funk nicht aus. Im Gegenteil. Das Handbuch weist darauf hin, dass die Lage eines Tasters nicht mehr im Rohbau feststehen muss, weil Funktaster jederzeit dazukommen können. Damit Funk- und Wired-Geräte in einer Installation zusammenarbeiten, braucht es neben dem Wired Access Point einen Homematic IP Access Point oder die Home Control Unit. Ein häufiger Plan im Neubau: Licht, Rollläden und Heizung verkabelt, Rauchmelder, Fensterkontakte und Zusatztaster per Funk.
Eine Warnung für Altanlagen. Das ältere System Homematic Wired arbeitet mit einem anderen Bus. Dessen Leitungen dürfen laut eQ-3 nicht physikalisch mit dem Bus von Homematic IP Wired verbunden werden.
Und KNX?
Die naheliegende Frage beim Hausbau. KNX ist ein offener Standard, hinter dem laut KNX Association mehr als 500 Hersteller mit über 8.000 zertifizierten Produkten stehen. Geräte verschiedener Marken lassen sich in einer Anlage mischen, programmiert wird mit der Software ETS von Fachbetrieben. Homematic IP Wired ist dagegen ein System eines einzigen Herstellers. Die Auswahl ist kleiner, dafür richtet man es über eine App ein, und Kanäle lassen sich am Display des Aktors direkt schalten, was laut eQ-3 schon auf der Baustelle zeigt, ob die Verdrahtung stimmt. Für ein Einfamilienhaus mit Licht, Beschattung und Fußbodenheizung halten wir Homematic IP Wired für ausreichend. Wer Bauteile vieler Hersteller kombinieren oder ein Gewerbeobjekt automatisieren will, sollte mit seinem Elektriker über KNX sprechen.
So würden wir anfangen
- Pflicht in jedem Haus: Access Point HmIPW-DRAP und Netzteil HmIPW-DRPS4.
- Licht: ein 8-fach-Schaltaktor je rund acht Lichtkreise, dazu ein Dimmaktor für Wohn- und Essbereich.
- Taster: jede Tasterwippe belegt einen Eingang. Zählen Sie vorher nach, ob 16 oder 32 Eingänge nötig sind.
- Beschattung: ein Jalousieaktor je vier Rollläden.
- Heizung: Wandthermostat je Raum und Fußbodenheizungscontroller im Heizkreisverteiler.
Kein Startpaket ist so wichtig wie die Leerrohre. Ein zusätzlicher Bus-Stich in jeden Raum ist im Rohbau mit einem Leerrohr schnell vorbereitet. Nachträglich ist er kaum zu machen.
Für den Bestand ohne Busleitung gibt es Funk-Aktoren für die Hutschiene; dazu der Ratgeber Smart Home im Sicherungskasten.
Die Funkvariante und ihre Sets erklärt der Ratgeber Homematic IP.
Quellen
- Homematic IP: Wired Access Point
- eQ-3: Homematic IP Wired Systemhandbuch (PDF)
- eQ-3: Bedienungsanleitung HmIPW-DRAP (PDF)
- eQ-3: Datenblatt HmIPW-DRAP (PDF)
- Homematic IP: Vergleich der Zentralen (PDF)
- ELV: Wired Access Point HmIPW-DRAP
- ELV: Wired Netzteil HmIPW-DRPS4
- ELV: Wired Schaltaktor HmIPW-DRS8
- ELV: Wired Schaltaktor HmIPW-DRS4
- ELV: Wired Jalousieaktor HmIPW-DRBL4
- ELV: Wired Dimmaktor HmIPW-DRD3
- ELV: Wired Eingangsmodul HmIPW-DRI32
- ELV: Wired Wandthermostat HmIPW-WTH
- ELV: Wired Fußbodenheizungscontroller HmIPW-FAL230-C6
- KNX Association: What is KNX?
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